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ATHEN/ Olympia/ Städtisches Theater Maria Callas: PRÄSENTATIONSABEND DER NATIONALEN TANZSCHULE

09.01.2023 | Ballett/Tanz

Olympia Städtisches Theater Maria Callas 

Präsentationsabend der Nationalen Tanzschule

Aufführung am 8. Januar 2023

Aufbruch und Verheissung

starz

Die Athener Tanzszene floriert seit einigen Jahren. Und Tanz hat auch seinen festen Platz im Programm des Theaters Olympia. Nun stand ein Präsentationsabend der Nationalen Tanzschule an. Die Institution wird von einem ehemaligen Tänzer geleitet, der gerade auch im deutschsprachigen Raum Bekanntheit erlangte: Daphnis Kokkinos. Der Grieche kam 1993 ans Tanztheater Wuppertal, wo er später auch als Assistent von Pina Bausch wirkte. Erst vor wenigen Wochen besuchte er mit dem Abschlussjahrgang der Tanzschule seinen früheren Wirkungsort. Die Zusammenarbeit mit dem Theater Olympia wird schon im März fortgesetzt, wenn eine Gluckoper auf dem Programm steht. Es macht fraglos Sinn, angesichts beschränkter Mittel die Kräfte zu bündeln.

Auf dem Programm standen vier Werke von vier Choreografinnen. Die erste und die dritte Arbeit brachten in grösserer Zahl Tänzerinnen und Tänzer unterer Klassen auf die Bühne. Apostolia Papadamaki’s „[símban]“ zu Beginn erwies sich als eher konventionell, die Betonung auf Rundtanz und einfache Gesten resp. Armbewegungen legend. Die Choreografin schien vor allem bestrebt zu sein, die Schüler als harmonische Einheit erscheinen zu lassen. Ein bisschen fad war das aber schon. Bei Eva Georgitsopoulou’s „Remembering Bodies“ traten aus dem grossen Ensemble Einzelne hervor. Sie führte etwa am Anfang Tänzer vor, die ausbrechen, mit sich und der Welt kämpfen. Die Bewegungssprache war hier vielfältiger und ermöglichte individuellere Momente der Gestaltung. Beide Stücke wurden von den jungen Tänzerinnen und Tänzern mit viel Elan auf die Bühne gebracht. 

Die beiden anderen Werke des Abends brachten fortgeschrittene Schülerinnen und Schüler in kleineren Besetzungen zum Einsatz. Die ziemlich erfolgreiche Choreografin Marianna Kavallieratos spornte ihr Ensemble zu einer Auseinandersetzung mit dem barocken Gefühls- und Bewegungsrepertoire an. Unter dem Titel „triple meter“ zeigten die Tänzer Elemente barocker Tanzsprache, tauchten ein in ein Spiel um Identität und intime Annäherung. Das Ganze geriet so heiter wie ironisch und gab den Akteuren Raum, unterschiedliche Charaktere zu zeigen. Letzteres geschah noch stärker im letzten Stück des Abends, Athanasia Kanellopoulou’s Choreografie „Look closer“. Das Werk beginnt mit einem starken Bewegtbild: Das Ensemble erscheint im Laufschritt, immer wieder vorwärts und zurück gehend, ein Paar strebt zueinander, fällt sich in die Arme und wird wieder auseinandergerissen. Das mag die Wahlmöglichkeiten des Lebens veranschaulichen, die später von einem Tänzer ans Publikum gerichtet angesprochen werden. Die Arbeit war diejenige, die unserer Lebenswelt am nächsten ist. Spielerisch leicht präsentierte sie kritische Fragen ans Leben. Die Choreografien „triple meter“ und „Look closer“ forderten Persönlichkeit von den jungen Tänzerinnen und Tänzern – und diese gaben schöne Kostproben ihres erworbenen Könnens. Aufbruch und Verheissung zeigte sich da gleichermassen.

Das Publikum im ausverkauften Theater Olympia reagierte enthusiastisch auf die Darbietungen. Viel Beifall und Bravorufe für alle Beteiligten. 

Ingo Starz (Athen)

 

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