Olympia – Städtisches Musiktheater „Maria Callas“
Tragische Heroinen. Orchester und Chor der Stadt Athen
Besuchtes Konzert am 19. Februar 2025
Klangvolle Mythen
Dass Antikenbezüge in hiesigen Konzertprogrammen gern auftauchen, ist keine Überraschung. Es ist aber seltener, dass dies zu einem dramaturgisch durchkomponierten Konzert führt. Dies geschah nun im Olympia-Theater, wo sich der Dirigent Nikos Vasiliou verdienstvollerweise den tragischen Heldinnen der griechischen Mythologie annahm. Er tat diesen zusammen mit Orchester und Chor der Stadt Athen und vier Solistinnen. Die musikalische Erkundung führte von der Spätromantik in zeitgenössische Gefilde und bot interessante Hörerlebnisse.
Es begann mit einem auszugsweise vorgetragenen, von Marguerite Yourcenar verfassten Klytämnestra-Monolog, der der Komposition „Diese Worte“ von Arvo Pärt zusammengebracht wurde. Die Schauspielerin Martha Tompoulidou sprach diesen Text, in dem Klytämnestra die Gründe für den Mord an Ihrem Gatten Agamemnon benennt. Das brachte eine starke theatralische Note auf die Bühne. Pärts Werk, das dem Orthodoxen Kanon folgt und ein Gebet zum Schutzengel instrumental mit Streichern und Percussion hörbar macht, ist ein Flehen um das Vermeiden einer verbrecherischen Tat. Es machte also Sinn diese Musik mit dem Monolog zu verbinden, wenngleich die Worte stärkere Wirkung erzielten.
Die nachfolgende Phädra-Kantate von Benjamin Britten brachte ein musikalisch vielschichtiges Porträt der antiken Heldin, die in Liebe zu ihrem Stiefsohn Hippolytos verfiel. Das Orchester war in voller Stärke und in kammermusikalischer Verkleinerung zu erleben, was ein reiches Klangbild entfaltete und differenziert die Worte in Musik übersetzte. Elena Marangou überzeugte als Phädra mit warmem, schlankem Mezzosopran. Gustav Holsts „Klage der Hekuba“ kam danach ganz spätromantisch und mit gewisser Schwere daher. Das Stück führte Sopran und Frauenchor in hymnischem Gesang zusammen, was ein wenig eindimensional klang. Der überreife Sopran von Maria Katsoura gab dem heroischen Ton gebührend Raum.
Das klanglich interessanteste, weil farbenreichste Werk war an diesem Abend Karol Szymanowskis Monolog „Penthesilea“. Da konnte man hören, wie sich spätromantischer, an Wagner geschulter Gestus und beinahe impressionistische Klangsinnlichkeit verbanden. Fanie Antonelou trug mit schön timbriertem Sopran und emphatischer Gebärde das Werk gekonnt vor. Ein instrumentales Stück aus der Bühnenmusik zu „Medea“ von Vincent D’Indy folgte. Starken Eindruck machte es nicht. Der Abend wurde beschlossen mit dem Finale des dritten Aktes der Oper „Déjanire“ von Camille Saint-Saëns. Das Spätwerk des Komponisten zeigte schön den Sinn des Franzosen für Klangfarben. Die Sängerinnen Marangou, Katsoura und Antonelou boten eine überzeugende Darbietung. Ein effektmachendes Finale eines interessanten Konzerts.
Es gab am Schluss starken Beifall und Bravorufe für ein von Nikos Vasiliou bestens präpariertes Konzert.
Ingo Starz (Athen)