Olympia – Städtisches Musiktheater „Maria Callas“, Athen
Gaetano Donizetti: Don Pasquale
Besuchte Vorstellung am 15. November 2025
Launiges Gesellschaftsspiel

Copyright: Olympia – Städtisches Musiktheater „Maria Callas“
Das Athener Olympia-Theater hat es nicht leicht. Versuchte der vorige Direktor Olivier Descotes mit mässigem Erfolg das Haus als zweites Musiktheater der Stadt zu etablieren, stellt Tassis Christoyannis das Theater nun breiter auf und arbeitet vornehmlich mit griechischen Künstlern. Das macht Sinn, sind doch die hiesigen Beschäftigungsmöglichkeiten für musikalisches Personal sehr beschränkt. Hinzu kommt, dass die Stadt Athen das Budget deutlich gekürzt hat. Dies führt dazu, dass in der laufenden Saison nur eine Opernproduktion auf die Bühne kommt. Gaetano Donizettis komische Oper „Don Pasquale“ erweist sich als kluge Wahl.
Die Regisseurin Eleni Efthymiou und ihre Ausstatterin Evangelia Kirkine verlegen die Geschichte vom reichen, heiratswilligen Junggesellen Don Pasquale in eine etwas schrill und bunt gezeichnete, unbestimmte Gegenwart. Der Salon Don Pasquales und das Café, in dem Norina arbeitet, sind hübsch anzuschauen und die Szene lässt sich rasch durch die Verschiebung von Wänden verändern. Rasche Wechsel tragen zum guten Fluss der Aufführung bei. Efthymiou hat einen Sinn für komische Momente, stellt die Figuren aber nie bloss. Zahlreiche Details – von der Büste des Hausherrn bis zu dessen Uhren – und die farbenreichen, teils typisierenden Kostüme tragen das Ihre zur Charakterisierung der handelnden Figuren bei. Don Pasquale ist ein traurig-komischer Alter, Norina eine selbstbewusste junge Frau, Ernesto ein verweichlichter Dandy. Die Inszenierung unterhält und erzählt die turbulente Geschichten gekonnt.
Der Dirigent Giorgos Ziavras, sagen wir es einmal so, hält das Orchester gut unter Kontrolle. Der städtische Klangkörper braucht mangels Opernerfahrung und musikalischer Finesse diese Zuwendung. Leider schränkt dies die gestalterischen Möglichkeiten des Dirigenten ein und sorgt vor der Pause für ein paar Wackler zwischen Graben und Bühne. Dank Ziavras präsentiert sich das Orchester aber letztlich ganz solide. Ähnliches lässt sich über den von Stavros Beris einstudierten Chor sagen.

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Christoforos Stamboglis als Don Pasquale nimmt mit seinem edel timbrierten Bass für sich ein, den er nuancenreich einzusetzen weiss. Dimitra Kotidou zeigt viel Temperament auf der Bühne. Ihr Koloratursopran bringt die Verzierungen und Höhen ihrer Rolle gelungen über die Rampe. Der Malatesta von Haris Andrianos präsentiert sich stimmstark und darstellerisch wandlungsfähig. Vasilis Kavagias ist ein solider Ernesto, sein Tenor klingt aber eher angestrengt in der Höhe und lässt Glanz vermissen. Solide tritt Nikos Masourakis als Notar in Erscheinung. Als Statisten kommen ferner in der Cafészene Vasilis Petrou, Ariadni Mersinia-Psimiti, Poly Nikolopoulou und Dionysios Melogiannidis zum Einsatz.
Es ist ein musikalisch und szenisch weitgehend gelungener Abend im Olympia-Theater. Das Publikum ist sehr angetan und spendet reichlich Applaus.
Ingo Starz (Athen)

