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ATHEN/Olympia Musiktheater Maria Callas: DER BAUMEISTER von Manolis Kalomiris – konzertant. Verloren zwischen Tradition und Moderne 

28.01.2023 | Oper international

Olympia Musiktheater Maria Callas, Athen 

DER BAUMEISTER von Manolis Kalomiris

Konzertante Aufführung am 27. Januar 2023

Verloren zwischen Tradition und Moderne 

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Das städtische Musiktheater Athens richtet sein Programm stark auf griechische Musik aus. Das dient fraglos auch der Gewinnung von Publikum. Ein kohärentes Konzept lässt sich freilich darin kaum entdecken. Die nun präsentierte Oper „Der Baumeister“ von Manolis Kalomiris war 1944 im Odeion des Herodes Attikus zu erleben mit einer jungen  aufstrebenden Sopranistin, die später als Maria Callas die grossen Bühnen der Welt eroberte. Da man kommenden Dezember den 100. Geburtstag der Sängerin feiern wird, weist das Olympiatheater diese Konzertaufführhung bereits als Hommage an Callas aus. Kalomiris‘ Werk basiert auf dem gleichnamigen Stück von Nikos Kazantzakis, das sich wiederum auf eine populäre Volksdichtung bezieht. Dem Komponisten Manolis Kalomiris ging es unter anderem darum, eine nationale Musikbewegung, einen nationalen Musikstil zu begründen. Da das Werk kaum aufgeführt wurde und wird, begegnete man der Opernausgrabung mit einer Mischung aus Neugierde und Skepsis.

Die Handlung der Oper bezieht sich via der erwähnten Volksdichtung auf einen realen Ort, auf Arta, wo sich eine eindrückliche Brücke aus osmanischer Zeit befindet. Ein fortschrittlich denkender Baumeister steht einer abergläubischen Gemeinschaft gegenüber. Seine Liebe zur Tochter des lokalen Anführers wird durch den Einsturz der Brücke gleichsam herausgefordert. Der Volksglauben verlangt ein Menschenopfer für das Bauwerk, welches die Geliebte des Erbauers sein muss. Es kommt am Ende, wie es kommen muss: Smaragda, die vom Baumeister geliebte Frau, opfert sich und wird lebendig in die Brücke eingemauert. Der Fortschritt kommt nicht gut weg in dieser Oper, dessen Musik zwischen traditionellen Klängen und spätromantischem Überschwang schwankt. Eine originäre Musiksprache weist Kalomiris‘ Werk nicht auf. Wie in der Opernhandlung prallen zwei Welten aufeinander, wobei das dramatische Pathos der spätromantischen Klangeruptionen – mässig interessant instrumentiert – beim Hörer bald einmal zu Ermüdungserscheinungen führt. Es ist kein musikalisches Meisterwerk, was da zur Aufführung gelangt. 

Die musikalische Qualität der konzertanten Aufführung liess leider einige Wünsche offen. Fraglos wären mehr Proben nötig gewesen, um eine filmreife Aufführung hinzubekommen (das Ganze wurde nämlich aufgezeichnet). Zoi Tsokanou am Pult des städtischen Sinfonieorchesters konnte kaum Akzente setzen und, was schwerer wog, vermochte es nicht, mit den Sängerinnen und Sängern zu atmen. Das Orchesterspiel, welches einige Ungenauigkeiten aufwies, geriet oft zu laut und trieb das Ensemble zum Forcieren an. Der verstärkte, von Stavros Beris einstudierte städtische Chor wurde bisweilen vom Orchester zugedeckt. Das Gesangsensemble war grundsätzlich ganz gut, befand sich aber bedingt durch das unflexible Orchesterspiel in einer herausfordernden, eher mühevollen Situation. Der Bariton Aris Argiris als Lord/Anführer meisterte diese am besten. Er liess sich auch nicht davon abhalten, eine differenzierte Gestaltung vorzulegen. Der Tenor Konstantinos Klironomos konnte mit dramatischen Aufschwüngen überzeugen, klang aber in der Mittellage weniger interessant. Die Stimme der Sopranistin Maritina Tampakopoulos liess es etwas an Rundung und Farben vermissen. Die vom Orchester forcierte Lautstärke und Dramatik führte bei ihrem Singen zudem zu Ermüdungserscheinungen. Gute Leistungen boten Danae Kontora als Sängerin, Maria Vlachopoulou als Mutter und Petros Magoulas als alter Mann. 

Es ist zu begrüssen, wenn Musiktheater nicht immer nur dieselben Werke spielen. Es wäre aber schön, wenn man dabei mehr an zu Unrecht wenig aufgeführte Opern der Moderne und Gegenwart denken würde. Die Qualität eines Werks zählt. Trotz des mässig interessanten „Baumeisters“ und den Mängeln der Darbietung war das Publikum ziemlich angetan davon und spendete kräftigen Applaus. 

Ingo Starz (Athen)

 

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