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ATHEN/ Odeion des Herodes Attikus/Athens Epidaurus Festival: DIE FRÖSCHE

08.09.2021 | Theater

Athens Epidaurus Festival, Odeion des Herodes Attikus : DIE FRÖSCHE von Aristophanes

Besuchte Vorstellung am 7. September 2021

Dionysos in der Unterwelt

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Vatraxoi@Pinelopi Gerasimou

Aristophanes war nicht nur der bedeutendste Komödienschreiber seiner Zeit, sondern auch ein grossartiger Kommentator der Verhältnisse im antiken Athen. In seinem 405 v.Chr. uraufgeführten Stück „Die Frösche“ lässt er den Gott Dionysos in den Hades reisen, um den Tragödiendichter Euripides ins Leben zurückzuholen. Tatsächlich war der grosse Dichter im Jahr bevor Aristophanes‘ Komödie auf die Bühne kam, verstorben. In der Unterwelt entspinnt sich vor den Augen des Theatergottes ein Dichterwettstreit zwischen Aischylos, der dort ältere Rechte beansprucht, und Euripides. Am Ende obsiegt Aischylos und kehrt mit Dionysos in die Welt zurück. Das Athens Epidaurus Festival bringt den Klassiker in einer Neuübersetzung von Nikos A. Panagiotopoulos auf die Bühne. Das von Argyro Chioti inszenierte Stück war im Juli in Epidaurus zu sehen, nun wird es in Athen präsentiert. 

Die Komödien von Aristophanes kommen anspielungsreich und turbulent daher. Sie hielten der Athener Gesellschaft den Spiegel vor. Es ist klar, dass viele Referenzen des Texts beständig aktualisiert werden müssen. Dem Übersetzer ist, auch wenn man die Reaktionen des Publikums bedenkt, eine gute Übertragung in die moderne griechische Sprache gelungen. Chiotis Inszenierung bewegt sich einerseits in der griechischen Theatertradition – postdramatische oder dokumentarische Einschübe bleiben darum aus -, andererseits gibt sie mit ihrer jungen Theatergruppe Vasistas, das den Kern des Bühnenensembles bildet, dem Geschehen einen frischen Anstrich. Spielfreudig und clownesk, mit exzellenter musikalischer Begleitung (Musik: Jan Van de Engel) kommt die Aufführung daher. Das Bühnenbild von Eva Manidaki macht den Weg zum Objekt: eine gute, optisch ansprechende Lösung. Der Gott und sein Diener werden von Schauspielerinnen dargestellt, Dionysos von Maria Kechagioglou und Xanthias von Evi Saoulidou. Das verleiht dem Figurenpaar eine interessante ironische Brechung, wenn gleich die Darstellung etwas blass bleibt. Der Weg in die Unterwelt, zu den Tragikern Aischylos und Euripides gerät der Truppe insgesamt etwas zu lang. Da und dort gerät der Theatermotor ins Stottern. Immerhin sorgen Efthimis Theou als Charon/Aeacus/Pluto und Antonis Miriagos für starke Momente. 

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Vatraxoi@Pinelopi Gerasimou

Das Geschehen der „Frösche“ kulminiert im Dichterwettstreit zwischen Aischylos und Euripides. Lustvoll lässt Aristophanes die beiden aufeinanderprallen, spöttisch charakterisiert er die Eigenheiten von deren dramatischem Werk. Mit Akyllas Karazisis als Euripides und Nikos Chatzopoulos als Aischylos stehen zwei erfahrene Akteure auf der Bühne. Sie bitten ein effektvolles Wortgefecht und geben dem Affen reichlich Zucker. Ein amüsantes Volkstheater kommt dabei heraus. Und man lernt erst noch etwas über die griechische Tragödie. Auch wenn die Inszenierung von Argyro Chioti nichts wirklich Neues zeigt und man sich mehr ästhetischen Wagemut hätte vorstellen können, ist die Aufführung als Theater fürs Volk durchaus sehenswert. Und es ist ja auch nicht schlecht, dass sich das antike Theaterrepertoire in Griechenland noch immer grosser Beliebtheit beim Publikum erfreut.

Das Publikum spendet am Schluss viel Beifall und Bravorufe.

Ingo Starz (Athen)

 

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