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ATHEN/ Megaron – The Athens Concert-Hall: WIENER KLASSIK, Staatsorchester Athen; Ektoras Tartanis

03.12.2022 | Konzert/Liederabende

Megaron – The Athens Concert Hall 

Staatsorchester Athen: Wiener Klassik 
Besuchtes Konzert am 2. Dezember 2022

ath
Ektoras Tartanis

Aufbruchsstimmung

Das Staatsorchester Athen hat es offensichtlich geschafft, die Publikumsentwicklung entscheidend voranzutreiben. Ein Abend mit Werken der Wiener Klassik bescherte dem Veranstalter ein nahezu ausverkauftes Haus. Das will etwas heissen in Athen, wo klassische Musik generell kein Selbstläufer ist. Erfreulicherweise hatte man für diesen Abend einen hoffnungsvollen jungen Dirigenten aus Deutschland eingeladen. Ektoras Tartanis, dritte Generation einer griechischen Immigrantenfamilie, kam in Stuttgart zur Welt. Seit der Saison 2019/20 ist er als Erster Kapellmeister am Theater Freiburg tätig, wo er derzeit eine Produktion von Carl Maria von Webers „Der Freischütz“ betreut. Tartanis eilt ein guter Ruf voraus.

Der Abend begann mit Joseph Haydns Sinfonie Nr. 95 in c-moll, Hob. I/95. Der Dirigent gab dem Werk klare Konturen, arbeitete etwa die beiden kontrastierenden Teile des Hauptthemas im ersten Satz überzeugend und wirkungsvoll heraus. Tartanis liess Haydns Sinfonie etwas Drängendes zu Teil werden, was gleichsam auf spätere musikalische Entwicklungen vorausweist. Sehr schön geriet auch das Cellosolo im dritten Satz. Im nachfolgenden Konzert für zwei Klaviere in Es-Dur, KV 365/316a stand das Spiel der beiden Solisten im Vordergrund. Mehr als in anderen Klavierkonzerten von Wolfgang Amadeus Mozart fungiert das Orchester hier eher als rahmendes Strukturelement. Der Dialog zwischen den Klavieren steht im Zentrum, insbesondere im langsamen zweiten Satz. Pavel Gililov und seine Schülerin Agapi Triantafyllidi spielten die Musik einfühlsam und effektvoll. Triantafyllidi kam es dabei zu, die starken Akzente zu setzen. Das Orchester begleitete die Solisten aufmerksam und mit Formsinn. Die Pianisten gaben als Zugabe eine effektvolle Bearbeitung von Brahms‘ Ungarischem Tanz Nr. 5.

Nach der Pause stand als Hauptwerk des Konzerts Ludwig van Beethovens fünfte Sinfonie in c-moll, op. 67 auf dem Programm. Hier demonstrierte Ektoras Tartanis, was wirklich in ihm steckt. Mit klarer Zeichengebung und drängendem Gestus formte er einen Orchesterklang, der überzeugend Formbewusstsein und Überwältigungsmomente verband. Die Musiker folgtem ihm engagiert und die Bläsergruppen setzten starke Akzente. Der letzte Satz beendete mit sehr gut herausgearbeiteter, d.h. in der musikalischen Struktur begründeter Triumphgebärde ein Konzert von bemerkenswerter Qualität. 

Dirigent und Orchester wurden am Schluss mit lang anhaltendem Beifall und Bravorufen gefeiert.

Ingo Starz (Athen)

 

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