Megaron – The Athens Concert Hall
Staatsorchester Athen: Nur Beethoven
Besuchtes Konzert am 15. Dezember 2023
Dramatischer Furor
Die Saison läuft gut für das Staatsorchester Athen. Die gestiegene Anzahl an Gastdirigenten und prominenten Solisten füllt den Konzertsaal des Athener Megaron. Für ein reines Beethovenprogramm hatte man nun Yoav Talmi ans Pult eingeladen. Der ältere Herr erwies sich als äusserst agiler Maestro, der den Klangkörper gut im Griff hatte. Unter seiner Leitung erlebte das Publikum einen im Klang dramatisch zugespitzten Ludwig van Beethoven.
Das Konzert begann mit der Ouvertüre aus der Bühnenmusik zu Goethes „Egmont“, op. 84. Schon hier wiesen die flüssigen Tempi und Akzentuierungen auf den zupackenden Zugang Talmis hin. Dies wurde dann auch beim anschliessenden fünften Klavierkonzert in Es-Dur, op. 73 deutlich. Der griechische Pianist erwies sich dabei als virtuoser Erzähler. Der Dialog zwischen Orchester und Klavier im ersten Satz war fruchtbar, weil mitteilend. Das Tempo des letzten Satzes war fast bis zum Äussersten getrieben, in der Tat ein donnerndes Fortissimo erklingen lassend. Das Orchesterspiel war nicht immer perfekt, überzeugte aber in seiner klanglichen Bewegung. Der Pianist gab eine Zugabe, die seine klangbildnerischen Fähigkeiten schön zum Ausdruck brachten.
Nach der Pause stand die siebte Sinfonie in A-Dur, op. 92 auf dem Programm. Auch hier trieb der Dirigent das Geschehen energisch voran. Im ersten und dritten Satz vermochte dies zu einer überzeugenden Interpretation zu führen. Der von Wagner als „Apotheose des Tanzes“ deklarierte Eingangssatz konnte durchaus so gehört werden. Der zweite Satz verlor durch das recht schnelle Tempo jedoch an rhythmisch, sprechender Klangbewegung – dessen prozessionshafte Gestalt war kaum erfahrbar. Das hart Auftrumpfende des letzten Satzes geriet hingegen etwas gar zu effektverliebt. Gemischte Eindrücke also angesichts der Interpretation von Yoav Talmi. Das Orchester zeigte beim Spiel der Siebten etliche Ungenauigkeiten und Fehler. Die Hörner etwa präsentierten sich nicht in Bestform. Mehr Proben hätten dem Ergebnis sicher gut getan. Das in diesen Wochen vielbeschäftigte Orchester zeigte aber im Ganzen eine gute Leistung. Und Talmi hatte etwas zu Beethoven mitzuteilen.
Das Konzert stiess auf viel Begeisterung beim Publikum. Anhaltender Beifall und Bravorufe.
Ingo Starz (Athen)

