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ATHEN/ Megaron/ The Athens Concert Hall: Staatsorchester Athen: Grand Vienna. Auguin; Pletnev

06.01.2024 | Konzert/Liederabende

Megaron – The Athens Concert Hall 

Staatsorchester Athen: Grand Vienna 

Besuchtes Konzert am 5. Januar 2024

Wenn der Pianist Mikhail Pletnev in Athen auftritt, ist das schon ein Ereignis. Das Staatsorchester Athen eröffnete mit dem russischen Künstler als Gast das Konzertjahr 2024. Als Dirigenten hatte man Philippe Auguin ans Pult eingeladen. Der Franzose ist in den letzten Jahren ein gern gesehener Gast in der griechischen Hauptstadt, wo er auch als artist in residence an der Griechischen Nationaloper in Erscheinung trat. Das Programm des Konzerts blickte nach Wien, ohne aber auf Walzermusik und Märsche zu setzen. Es war der Zeit der Wiener Klassik gewidmet und brachte Werke von Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Franz Schubert zur Aufführung. Ein langes, musikalisch reiches Programm. 

Im ersten Teil kamen gleich zwei Klavierkonzerte zur Aufführung. Diese boten Mikhail Pletnev reichlich Gelegenheit sein ausserordentliches Können vorzuführen. Die Präzision und die Anschlagtechnik des Pianisten, seine Fähigkeit erzählerischen Fluss zu erzeugen, bestachen schon in Haydns Klavierkonzert Nr.11 in D-Dur, Hob. XVIII/11. Pletnev zeigte und entfachte grosse Spielfreude und liess das Wegweisende der Musik deutlich hervortreten. Es war in diesem Fall das Orchester unter der Leitung von Philippe Auguin, welches dem Solisten willig folgte. Dass Pletnevs Deutung das Spiel bestimmte, wurde bei Mozarts Klavierkonzert Nr. 24 in C-moll, KV 491 noch ersichtlicher. Der Pianist kommunizierte lebhaft mit dem Orchester, gab die Richtung vor. Auguin sorgte für den klanglichen Zusammenhalt des Ensembles. Man hätte sich im ersten und dritten Satz bisweilen ein leicht schnelleres Tempo und mehr Akzente im Orchesterspiel gewünscht, die innige Interpretation durch Pletnev liess einen jedoch diese Einwände leichterhand vergessen. Der grosse russische Pianist brachte das Publikum zum Staunen und bot eine Zugabe.

Nach der Pause stand Franz Schuberts Sinfonie in C-Dur, D. 944 auf dem Programm. Nun konnten insbesondere die Bläsergruppen des Orchesters glänzen. Dabei muss die Leistung der Hörner ausdrücklich hervorgehoben werden. Alle Musiker zeigten grosses Engagement, Spielfreude, obschon Auguins Dirigat etwas unbestimmt blieb. Viel Klangrede mochte der Dirigent dem Athener Staatsorchester nicht zu entlocken. Manches Detail kam nicht gebührend zum Vorschein. Es waren aber schöne Momente und ein kraftvolles Finale zu erleben. Und das Orchester bezeugte seine positive Entwicklung. Es war ein langer Konzertabend, der auf das Ganze gesehen beeindruckte.

Das Publikum im gut besuchten Konzertsaal des Athener Megaron spendete reichlich und anhaltend Beifall. Ein sehr guter, erfreulicher Start in das neue Konzertjahr.

Ingo Starz (Athen)

 

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