Megaron – The Athens Concert Hall
Recital Konstantinos Sfetsas & Stefanos Thomopoulos
Besuchtes Konzert am 31. Oktober 2023
Innige Zwiesprache
Das Athener Konzerthaus hat begrenzte Möglichkeiten, ausländische Orchester und Solisten einzuladen. Es gibt aber auch unter den griechischen Künstlern einiges zu entdecken. Das Rezital von Konstantinos Sfetsas und Stefanos Thomopoulos bot Momente inniger musikalischer Zwiesprache. Der Cellist Sfetsas wurde in Paris geboren und erfuhr seine Ausbildung in Athen und Paris. Neben seiner solistischen Karriere ist er Mitglied im ERT-Sinfonieorchester, das in Athen ansässig ist. Der Pianist Thomopoulos begann seine Studien in Thessaloniki und setzte diese in Köln, Paris und Amsterdam fort. Er arbeitete unter anderem mit dem Arditti-Quartett und ist als Professor am Konservatorium in Nizza tätig. Beiden Künstlern liegt Kammermusik am Herzen. Für das Athener Konzert haben sie ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt.
Das Konzert begann mit der Sonate für Cello und Klavier in A-Dur Nr. 3, Opus 69. Das Cello setzt im ersten Satz ein. Die melodische Linie des Streichinstruments wird vom impulsiven Spiel des Klaviers begleitet, ein lebhafter Dialog entfaltet sich. Die beiden Künstler kamen zu einem kontrastreichen Spiel zusammen, das in einer brillant vorgetragenen Coda endete. Alles folgte dabei der meisterlichen Struktur des Beethovenschen Werks. Das Spiel von Thomopoulos mochte stellenweise etwas zu tonangebend sein. Zwei kürzere Werke gaben nachfolgend insbesondere dem Cellisten Gelegenheit, Bravour und Farben ins Spiel zu bringen. Antonín Dvoŕáks Rondo in g-Moll, Opus 94 wurde zunächst für Cello und Klavier komponiert, bevor auch eine Fassung für Cello und Orchester herauskam. Sfetsas kostete Melodik und Farbenreichtum des Stücks vorbildlich aus. Ähnlich verhielt es sich mit dem Pezzo Capriccioso in b-Moll, Opus 62 von Pjotr Iljitch Tschaikowski. Das Stück kam erst in einer Orchesterfassung heraus. Die Intimität der Kammermusik tut dem Werk aber durchaus gut. Sfetsas und Thomopoulos gestalteten das gestenhafte Werk mit grossem Ausdruck.
Das Rezital endete mit einem Werk der Moderne. Man könnte die erste Sonate für Cello und Klavier von Alfred Schnittke auch als postmodern bezeichnen – dies vor allem wegen der stilistischen Vielfalt, die das Stück auszeichnet. Der Komponist schuf die Sonate nach seinem ersten schweren Schlaganfall. In der Tat ist den aprupten Wechseln der Stile und Werkeinheiten etwas Verstörrendes eigen. Ein grosses klangliches Spektrum tritt zu Tage, mal tönt es hart und agressiv, mal sanft und kantabel. Der expressive Charakter der Sonate wurde von Sfetsas und Thomopoulos bestens zur Aufführung gebracht. Das Zusammenspiel der Instrumente erzeugte Momente grosser Intensität, Anmutungen von Individualität. Als Zugabe gab es ein kurzes Stück von Gabriel Fauré. Damit endete ein Abend mit einem interessanten Programm, das die Fähigkeiten der Künstler schön zur Geltung brachte.
Das Publikum zeigte sich sehr angetan und spendete starken Beifall und Bravorufe.
Ingo Starz (Athen)

