Megaron – The Athens Concert Hall
Griechisches Jugendsinfonieorchester
Besuchtes Konzert am 12. Dezember 2022
Populäre Häppchen

Foto: Screenshot
Das 2017 gegründete griechische Jugendsinfonieorchester kann unter seinem Gründer und künstlerischen Leiter Dionysis Grammenos gute Erfolge verzeichnen. In einem Land, das über wenig professionelle Orchester verfügt, ist eine solche Einrichtung fraglos von grosser Bedeutung. Das Management des Ensembles agiert hochprofessionell und die Qualität der jungen Musikerinnen und Musiker weiss zu überzeugen. Das Orchester vergab in der kurzen Zeit seines Bestehens bereits mehrfach Kompositionsaufträge und eine Reise nach Berlin erwies sich jüngst als grosser Erfolg. Das griechische Jugendsinfonieorchester erhielt viel Applaus für seinen Auftritt im Berliner Konzerthaus, wo unter anderem Beethovens „Eroica“ auf dem Programm stand.
Das Programm im Athener Megaro Mousikis bot eher leichte Kost von Komponisten aus Spanien, Frankreich und Russland. Das Konzert stand unter der Leitung von Zoe Tsokanou, die dem Staatsorchester in Thessaloniki vorsteht. Als Solistin hatte man die international renommierte Harfenistin Anneleen Lenaerts eingeladen. Tsokanous klare Zeichengebung betonte mehr die musikalische Struktur denn die dramatische Entfaltung der Kompositionen. Ihr Bemühungen waren augenscheinlich sehr darauf ausgerichtet, die jungen Musikerinnen und Musiker sicher durch das Programm zu führen.
Der Abend begann mit der spanischen Caprice, Op. 34 von Nikolai Rimski-Kosakow. Da das Stück im Klang etwas zu knallig geriet, wollte sich das spanische Flair nicht recht einstellen. Joaquín Rodrigos Aranjueth Concerto, vom Komponisten umgeschrieben für Harfe und Orchester, bot Lenaerts schöne Möglichkeiten ihre spielerischen Fähigkeiten vorzuführen. Die musikalische Struktur und Substanz des Werks machte dabei allerdings weniger Eindruck. Nach der Pause standen die beiden Carmen-Suiten von Georges Bizet auf dem Programm. Die Oper ist fraglos ein Meisterwerk und die Suiten bieten für die einzelnen Orchestergruppen und -solisten gute Entfaltungsmöglichkeiten. Allerdings wirken die beiden Suiten hintereinander vorgetragen auch etwas ermüdend. Das ist dann doch etwas zu viel an populären Häppchen ohne inneren Zusammenhang. Aber einige gelungene Soli, insbesondere bei den Bläsern, mochte diese Wahl wohl rechtfertigen. Das Publikum reagierte mit grosser Begeisterung auf die zündenden Melodien Bizets und das gediegene Spiel des griechischen Jugendsinfonieorchesters.
Ingo Starz (Athen)

