Megaron – The Athens Concert Hall
Athens State Orchestra: Missa Solemnis
Besuchtes Konzert am 12. April 2023
Religiöse Klanggebärden
Die Tage vor Ostern sind auch in Athen eine Zeit erhöhter Konzerttätigkeit. Megaro Mousikis bot über zwei Wochen ein abwechslungsreiches Programm, das am Mittwoch vor dem orthodoxen Osterfest mit Ludwig van Beethoven’s Missa Solemnis, Opus 123 seinen Abschluss fand. Die Veranstaltung war eine Zusammenarbeit des Staatsorchesters Athen mit dem Konzerthaus. Am Pult des Klangkörpers stand Christoph Poppen, der schon mehrfach in der griechischen Hauptstadt zu Gast war.
Das Staatsorchester Athen versammelte sich in kleinerer Besetzung auf dem Podium. Dahinter waren Chöre des griechischen Rundfunks und der Stadt Athen positioniert. Christoph Poppen führte die Ensembles mit klarer Zeichengebung sicher durch den Abend. Den Aufbau der Beethovenschen Missa Solemnis arbeitete der Dirigent gut heraus, die Artikulation blieb aber über weite Strecken etwas blass. Das mag wohl auch der beschränkten Flexibilität des Chorgesangs gelegen haben. Das Solistenquartett war gut gewählt. Die Sopranistin Karen Leiber, die Mezzosopranistin Ingeborg Danz und der Bass Petros Magoulas boten schöne Leistungen, nur dem Tenor Jenish Ysmanov hätte man etwas mehr Durchsetzungskraft gewünscht.
Christoph Poppen bot mit allen Beteiligten eine solide Interpretation. Das Klangbild hätte aber, wie schon angedeutet, mehr Akzente vertragen können. Die Chöre stiessen im Finale des Credo an ihre Grenzen. Das Orchester hingegen blühte im anschliessenden Sanctus auf und fand zu innigem Ausdruck. Das bewegende Violin-Solo des Konzertmeisters geriet zum Höhepunkt des Abends. Die Sängerinnen und Sänger präsentieren sich im abschliessenden Agnus Dei von ihrer besten Seite. Die Aufführung hätte vielleicht mehr Probenzeit benötigt, das Resultat bot keinen grossen Abend, aber doch eine niveauvolle Begegnung mit einem grossartigen Werk.
Das Publikum spendete starken, anhaltenden Beifall.
Ingo Starz (Athen)

