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ATHEN/ Megaron: Megaron – The Athens Concert Hall: Recital Aris Argiris: Verdi vs. Wagner Konzert am 4. November 2025 Die Kunst des erzählenden Singens

06.11.2025 | Konzert/Liederabende

Megaron – The Athens Concert Hall: Recital Aris Argiris: Verdi vs. Wagner
Konzert am 4. November 2025

Die Kunst des erzählenden Singens

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Aris Argiris. Screenshot

Aris Argiris feiert seit Jahren grosse Erfolge auf europäi­schen Bühnen. Man hört davon in Athen, bekommt ihn auf hiesigen Bühnen aber leider wenig zu Gesicht. Ein Liederabend, den er im Frühjahr 2023 auf der Kleinen Bühne der Griechischen Nationaloper gab, ist in bester Erinnerung. Damals sang er ein klug zusammengestelltes Schubert-Programmm, das unter dem Titel „Der griechische Schubert“ eine Brücke zu seinem Heimatland schlug. Man konnte erleben, was für ein beeindruckender Liedsänger Argiris ist. Man wurde an diese Qualität auch erinnert, als man dem Sänger nun im Kammermusiksaal des Athener Megarons lauschte. Auf dem Programm standen Arien von Giuseppe Verdi und Richard Wagner. 

Aris Argiris hat sich in den vergangenen Jahren als namhafter Wagnersänger in der Opernszene etabliert. Seine sängerischen Leistungen als Wotan und jüngst als Holländer wurden von Kritikern und Publikum mit Begeisterung aufgenommen. Wagner bringt die Qualitäten seiner Stimme bestens zur Geltung – deren dunklen Stimmkern, deren dramatische Durchschlagskraft, deren gestalterische Möglichkeiten. Argiris‘ Wagnergesang klingt schön, die Tongebung ist wohlfokusiert und die Diktion makellos. Das alles konnte man nun auch in Athen erleben. Der Pianist Peter Bortfeldt war dem Sänger ein aufmerksamer und einfühlsamer Begleiter, der Argiris mit Klaviermusik von Franz Liszt Pausen zwischen den Arien verschaffte. Man dachte am Ende dennoch, wie schön es gewesen wäre, dieses Programm mit Orchester erleben. 

Aris Argiris demonstrierte mit Auszügen aus „Tannhäuser“, „Rheingold“, „Die Walküre“ und „Der fliegende Holländer“ wie eine am Lied geschulte Stimme den erzählerischen Fluss der Wagneropern in vorbildlicher Form über die Rampe zu bringen vermag. Sein Gesang war stets wortverständlich und akzentuiert. Wotans Abschied und der Monolog des Holländers wurden zu Höhepunkten des anspruchsvollen Programms. Wie man weiss, beeinflusste der italiensche Belcanto Richard Wagner. Und auch der junge Verdi setzte sich mit der Musik von Bellini und Donizetti auseinander. In späten Jahren war es Wagners Musik und dessen Musikdrama, welche Verdi Anregung boten. Bei Argiris‘ grossartiger Darbietung von Jagos Credo aus „Otello“ hörte man, wie nahe sich die beiden Grossmeister der Oper am Ende von Verdis Leben gekommen waren. Der Sänger erfüllte die Musik mit intensiver, dramatischer Spannung. Der Verditeil des Programms brachte weiterhin Arien aus „Nabucco“, „Don Carlo“ und „Rigoletto“ zu Gehör. Aris Argiris wusste sie alle mit erzählerischer Kraft zu erfüllen, er bot klangschönen Gesang und sehr gute Phrasierung. Dass ein paar wenige Töne etwas rauh klangen, darf man dem anspruchsvollen, fordernden Programm zuschreiben. Es fällt nicht ins Gewicht. Der „Verdi vs. Wagner“-Abend zeigte in beeindruckender Weise die stimmlichen Fähigkeiten von Argiris. Das Publikum war begeistert und der Sänger heizte mit Rossinis Figaro-Arie die Stimmung noch an. Es war ein toller Abend im Athener Megaron.

Ingo Starz (Athen)

 

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