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ATHEN/ Megaro Mousikis: DIE ZAUBERFLOETE/ Bejart Ballett Lausanne

26.12.2019 | Ballett/Tanz

 

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Foto: Bejart Ballet Lausanne

Megaro Mousikis, Athen/ Bejart Ballet Lausanne: DIE ZAUBERFLOETE

Besuchte Vorstellung am 25. Dezember2019

Geometrie der Vernunft

Wolfgang Amadeus Mozarts „Die Zauberfloete“ steht nicht nur in der Weihnachtszeit ganz oben in der Hitliste der meistgespielten Musiktheaterwerke. Es ueberrascht kaum, dass das Athener Musikzentrum Megaro Mousikis zum Jahresende die populaere Oper erklingen laesst. Dies geschieht jedoch nicht durch eine Inszenierung des Originalwerks, sondern mittels eines Gastspiels des Bejart Ballet Lausanne. Der bedeutende, im Jahr 2007 verstorbene Choreograf Maurice Bejart schuf 1981 im Cirque Royal von Bruessel eine Ballettversion des Klassikers, welche die komplette Musik beinhaltet. Vor zweieinhalb Jahren kam es in Lausanne zur Wiederauffuehrung dieses Balletts, welches nun in der griechischen Hauptstadt gezeigt wird.

Maurice Bejart hat sich vor allem von der Symbolkraft der Mozartoper, welche stark auf den Freimaurerkult rekurriert, inspirieren lassen. Sarastros Welt der Vernunft drueckt sich in der Choreografie durch eine geometrische Formensprache aus, sie versetzt die Taenzerinnen und Taenzer in die Gerade, Vertikale oder in rechtwinklige Koerperbewegungen. Die Koenigin der Nacht nimmt dazu nur temporaer eine Gegenposition ein, worauf die bisweilen geometrischen Gebaerden ihrer Auftritte deutlich hinweisen. Am Schluss steht sie folgerichtig – und anders als bei Mozart – an der Seite Sarastros. Wenn es eine andere Weltsicht gibt bei Bejart, dann ist es diejenige von Papageno. Seine Auftritte zeigen heiter-geloeste Bewegungen, eine Verspieltheit, welche an die Welt der Kinder denken laesst. Bejart mag darin eine Vorstufe zum Ernst des Lebens erblicken, welchen das hohe Paar Tamino und Pamina verkoerpert. Auch wenn die Choreografie ein paar Laengen aufweist – was einerseits dem Bestreben, die gesamte Oper zu adaptieren, geschuldet ist und andererseits der hinzugefuegten Figur eines Conferenciers (der franzoesisch spricht) -, entfaltet sie doch grossen Charme. Einer der Saenger der Boehm-Aufnahme von 1964, welche der Ballettversion zugrundeliegt, stiehlt jedoch fuer Momente allen die Schau: Fritz Wunderlichs Mozartgesang ist von beispielloser und zeitloser Ausdruckskraft.

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Foto: Bejart Ballet Lausanne

Buehnenraum und Kostueme zu Maurice Bejarts „Zauberfloete“ wurden von Alan Burrett entworfen (die aktuellen Kostueme stammen von Henri Davila). Der Designer setzt auf Unterscheidungen zwischen oben und unten, auf Geraden und pyramidale Elemente. Die raeumlich-architektonische Formensprache unterstuetzt wie das Lichtdesign von Dominique Roman die Intentionen des Choreografen aufs Beste. Das Programmblatt zur Athener Auffuehrungsserie nennt leider keine Abendbesetzungen, sondern fuehrt nur alle Mitglieder der Compagnie auf. So ist an dieser Stelle allen Taenzerinnen und Taenzern des Bejart Ballet Lausanne fuer ihre starken Leistungen zu danken. Besonders hervorzuheben sind die exzellenten Darbietungen, welche die Auftritte der Koenigin der Nacht und von Monostatos dem Publikum bescheren.

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Foto: Bejart Ballet Lausanne

Am Schluss der dreistuendigen Auffuehrung gibt an anhaltenden Beifall und Jubel.

Ingo Starz (Athen)

 

 

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