Staatsorchester Athen / Literarische Gesellschaft Parnassos
Trios von Ludwig van Beethoven und Johannes Brahms
Besuchtes Konzert am 19. Dezember 2022
Intime musikalische Momente
Die laufende Saison hat für das Staatsorchester Athen gut begonnen. Die Besucherzahlen entwickeln sich erfreulich und interessante Dirigenten und Solisten bereichern das Programm. Neben den Sinfoniekonzerten im Megaro Mousikis bietet das Staatsorchester auch immer kleinere Formate an. Musiker des Orchesters treten regelmässig in kammermusikalischen Formationen in verschiedenen Veranstaltungsräumen der Stadt auf. Nun haben sich der Klarinettist Spyros Mourikis, die Cellistin Vania Papadimitriou und die Pianistin Eleni Nikolaidis zusammengetan. Im historischen Saal der Literarischen Gesellschaft Parnassos spielten sie Trios von Ludwig van Beethoven und Johannes Brahms.
Der Abend begann mit dem Trio B-Dur Op. 11 für Klarinette, Violoncello und Klavier von Ludwig van Beethoven. Das Stück ist auch als „Gassenhauer-Trio“ bekannt, weil im dritten Satz neun Variationen über ein Motiv aus Joseph Weigls Oper „L’amor marinaro“ zu hören sind. Das Klavier hat generell die Oberhand und treibt das Geschehen voran. Das Cello tritt aber im zweiten Satz hervor, wenn es das Hauptthema anstimmt, und Klarinette und Cello finden in der zweiten Variation des dritten Satzes zu eindringlichem Dialog zusammen. Die drei Musiker brachten Beethovens Werk kantabel und beredt zur Aufführung.
Nach einer kurzen Pause erklang das Trio in a-Moll Op. 114 für Klarinette, Violoncello und Klavier von Johannes Brahms. Das Werk zählt nicht zu den stärksten seines Schaffens, weist aber interessante Aspekte auf. So ist etwa auf die harmonischen und rhythmischen Modulationen im zweiten Satz hinzuweisen. Spyros Mourikis konnte im ersten Satz schön den Tonumfang der Klarinette vorführen, was auch in Dialog mit dem Cello geschah. Der Kanon am Ende des Stück brachte das Spiel der drei Musiker nochmals auf vorteilhafte Weise zur Geltung. Mourikis, Papadimitriou und Nikolaidis boten Kammermusik auf hohem Niveau.
Der akustisch erstklassige Parnassos-Saal war der perfekte Ort für dieses Konzert. Man sollte ihn noch mehr für Kammermusik nutzen. Die rund 100 Zuhörer genossen das Konzert und spendeten reichlich Applaus. Erfreulicherweise gab es keine Weihnachtsmusik als Zugabe.
Ingo Starz (Athen)

