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ATHEN/ Kulturzentrum der Michael Cacoyannis Foundation: LULU von Frank Wedekind

04.01.2020 | Theater


Foto: Michael Cacoyannis Foundation

Michael Cacoyannis Foundation, Athen: LULU von Frank Wedekind

Besuchte Vorstellung am 3. Januar 2020

Lulu, das Zirkustier

 

Die Michael Cacoyannis Foundation unterhaelt wie andere Stiftungen in Athen ein Kulturzentrum, das sich in verschiedenen kuenstlerischen Bereichen engagiert. Der Produktion von Theaterauffuehrungen kommt eine besondere Bedeutung zu. Der renommierte Regisseur Yannis Houvardas, der von 2007 bis 2013 das Griechische Nationaltheater leitete, praesentiert dort nun seine Sicht auf Frank Wedekinds „Lulu“. Houvardas hat in der Vergangenheit haeufiger im deutschsprachigen Raum gearbeitet und spricht auch fliessend die deutsche Sprache. Man darf sagen, dass er zu den besten Kennern der deutschen Dramenliteratur in Griechenland gehoert. Fuer die Wedekind-Produktion im Cacoyannis-Kulturzentrum hat er ein hochkaraetiges Team zur Seite.

Houvardas und seine Buehnenbildnerin Eva Manidaki bestuecken das Geschehen vom Anfang bis zum Ende mit Versatzstuecken aus dem Zirkusmilieu. Der Tierbaendiger aus dem Prolog gibt gewissermassen die Richtung der Inszenierung vor. Der Regisseur erzaehlt in einer komprimierten Fassung des Stuecks wie eine junge Frau als Projektionsflaeche fuer Maennerphantasien herhalten muss, wie sie dressiert wird, wie sie gesellschaftlich auf- und absteigt. Die Handlung spielt sich in einer Mischung aus Manege und Turnhalle ab, zwischen Hochseil, Barren, Reck und Vorhaengen. Houvardas bleibt dabei ganz nah an Wedekind und verzichtet auf Aktualisierungen. Die Kostueme von Ioanna Tsami ruecken die Handlung zwar mehr in die Gegenwart, signalisieren aber eher Zeitlosigkeit als Zeitgenossenschaft. Die aufgebotene Symbolik macht fraglos Sinn, scheint aber die Schauspielerinnen und Schauspieler auch etwas in ihrem Aktionsradius einzuengen. So klar das Beziehungsgefuege von Houvardas freigelegt wird, so distanziert wirkt sein Blick auf die Figuren. Wedekinds „Lulu“ erscheint zu sehr als Lehrstueck, denn als lebendige Manege. Der Aussage im Prolog, dass Lulu „das wahre Tier, das wilde, schoene Tier“ sei, vermittelt sich trotz sehenswerter Momente zu wenig in dieser Produktion. Interessant ist, und darauf muss hingewiesen werden, die Musik von Thodoris Economou, welche dem Stueck eine durchgehende musikalische Struktur verleiht. Geschickt nutzt Houvardas die toten Maenner als Klangerzeuger: ‚Geistermusik‘ begleitet so das spaetere Geschehen.

Karyofyllia Karabeti ist eine attraktive Lulu, aber auch eine, der man das Animalische nicht recht abnehmen will. Ihr Auftreten wirkt etwas zu kalkuliert. Von den Maennern ist es vor allem Haris Frangoulis als Alwa der mit seinem impulsiven Spiel Eindruck macht. Akis Sakellariou als Dr. Schoen und Konstantinos Avarikiotis als Dr. Goll geben ebenfalls eine gute Figur ab, waehrend die Geschwitz von Alkistis Poulopoulou deutlich zu blass bleibt. In weiteren Rollen sind Andreas Konstantinou als Rodrigo, Giorgos Biniaris als Schigolch und Nikos Hatzopoulos Tierbaendiger zu erleben. Zum Teil uebernehmen die Schauspieler in der zweiten Haelfte des Abends weitere Rollen. Yannis Houvardas bringt eine solide, handwerklich gute Inszenierung auf die Buehne. Funken schlaegt der Abend jedoch selten.

Das Publikum spendet am Schluss freundlichen Beifall.

Ingo Starz (Athen)

 

 

 

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