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ATHEN/ Konservatorium: Griechisches Radiosinfonieorchester ERT: Tribute to Theodoros Antoniou

02.02.2026 | Konzert/Liederabende

Athener Konservatorium 
Griechisches Radiosinfonieorchester ERT: Tribute to Theodoros Antoniou
Besuchtes Konzert am 1. Februar 2026

Früchte eines Komponistenlebens

grie

Es liegt etwa ein Jahrzehnt zurück, als der Verfasser die Gelegenheit hatte, den Komponisten und Dirigenten Theodoros Antoniou ein paar Mal live zu erleben. Zu dieser Zeit gab es noch regelmässig Konzerte mit zeitgenössischer Musik im Auditorium des Athener Goethe-Instituts. Antoniou brachte dort mit kleineren Ensemblebesetzungen Musik griechischer und internationaler Komponisten zur Aufführung. Dabei erklangen auch einige seiner eigenen Werke. 

Theodoros Antoniou (1935-2018) war eine zentrale Figur des griechischen Musiklebens – Komponist, Dirigent, Lehrer und Vermittler. Er studierte Violine, Gesang und Komposition in Athen, seine Lehrer waren u.a. Manolis Kalomiris und Yannis Papaioannou. Antoniou setzte seine Kompositionsstudien in München bei Günter Bialas fort. Die Teilnahme an den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt brachte ihn in Kontakt zu Kollegen wie Ligeti, Stockhausen, Berio und Boulez. Über Jahrzehnte unterrichtete er in den USA. Stanford, Utah, Philadelphia und Tanglewood waren Stationen seiner Karriere. Von 1978 bis 2008 bekleidete er den Lehrstuhl für Komposition am Boston University College of Fine Arts. Er gründete und leitete verschiedene Ensembles für Neue Musik. Antoniou war ferner über viele Jahre Präsident des Griechischen Komponistenverbandes und prägte so massgeblich die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Musik in Griechenland. Er erhielt 1964, was seine Bande zur deutschen Musikszene verdeutlicht, den Richard-Strauss-Preis der Stadt München. 

Theodoros Antonious umfangreiches Schaffen deckt ein weites Feld von Musikformaten ab. So sehr er vielfältige Anregungen von den Avantgarde-Bewegungen seiner Zeit aufnimmt, so deutlich treten immer wieder auch seine griechischen Wurzeln zu Tage. Dies machte nun auch das trefflich zusammengestellte Programm des Konzerts deutlich, welches das Griechische Radiosinfonieorchester dem Komponisten gewidmet hatte. Drei Dirigenten präsentierten vier Werke, die unterschiedliche Aspekte von Antonious Schaffen ins Licht rückten. 

Der Abend begann mit dem Orchesterstück „Kosmos B“, das von Michalis Economou dirigiert wurde. Das kurze Werk zeigt den Klangerkunder Antoniou, sein Interesse an rhythmischer Struktur. Es endet eindrücklich mit einem langsam verlöschenden Orchesterton. Die „Elf Erzählungen für Mezzosopran und Orchester“ wurden von Iakovos Konitopoulos dirigiert. Margarita Syngeniotou sang den Vokalpart mit dramatischer, sicher geführter Stimme. In den Erzählungen wechseln Gesangslinien und Sprechgesang einander ab, es gibt auch eine nur vokalisierte Passage. Das eher konventionelle Werk zeigt hinsichtlich der Stimme allerdings doch etwas wenig Experimentierfreude. Nach einer Pause erklang die von Andreas Tselikas geleitete erste Sinfonie. Der Einbezug eines Klaviers fördert hier, gerade auch in Verbindung mit dem Schlagwerk, interessante Klangfarben zu Tage. Rhythmus und Klangfarben bestimmen das musikalische Geschehen. Zum Ausklang brachte Michalis Economou einen Gesang aus den „Moirologhia für Chor und Orchester“ zur Aufführung. Gesang und Sprechen, Klangfarbe und Geräusch verleihen in dieser Komposition einer traditionellen Form zeitgenössische Frische. Orchester, Dirigenten und Solistin brachten Theodoros Antonious Werke auf hohem Niveau zu Gehör. 

Das kundige Publikum folgte dem Konzert sehr aufmerksam und spendete nicht nur am Schluss reichlich Beifall. 

Ingo Starz (Athen)

 

 

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