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ATHEN/ Konservatorium: Griechisches Radiosinfonieorchester ERT, dirigiert von Michalis Economou 

16.02.2026 | Konzert/Liederabende

Athener Konservatorium 

Griechisches Radiosinfonieorchester ERT, dirigiert von Michalis Economou 

Besuchtes Konzert am 14. Februar 2026

Theatralische Momente 

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Foto: Athener Konservatorium

Die intime Atmosphäre des grossen Konzertsaals des Athener Konservatoriums rückt einen nahe an die Musikerinnen und Musiker. Beim zu besprechenden Konzert kamen die Musiker dem Publikum sehr nahe, so dass ein paar Zuschauer buchstäblich neben dem Klavier sassen. Für Werke der Spätromantik ist der Raum mit seinem beschränkten Podium weniger geeignet. Im besuchten Konzert ging es für den Rezensenten klanglich freilich gut auf. Und das selbst bei Rachmaninoffs zweitem Klavierkonzert. Das lag freilich auch an den Interpreten. Doch berichten wir der Reihe nach. 

Der erste Teil des Abends stand im Zeichen von Maurice Maeterlincks symbolistischem Drama „Pelléas und Mélisande„, worin Mélisande und der Bruder ihres Gatten in Liebe zueinander verfallen, was zum Tod beider führt.

Das 1893 uraufgeführte Stück war um 1900 auf vielen Bühnen zu erleben und rief auch Komponisten auf den Plan. Allgemein bekannt ist Claude Debussys gleichnamige Oper, auf weniger Aufmerksamkeit stossen Kompositionen, die für die Theaterbühne geschaffen wurden. Das Konzert präsentierte gleich zwei Beispiele, die „Pelléas und Mélisande“-Suite von Jean Sibelius (1905) und einen kurzen Satz aus der Suite von Gabriel Fauré (1898).

Der „Sicilienne“ betitelte Satz von Fauré vermittelt den Hörern eine unbeschwerte, heitere Stimmung, welche wesentlich vom Klang der Flöte bestimmt wird. Ein Kommentator bemerkte, dass hier der kurze Moment des Glücks in der Beziehung der Liebenden dargestellt sei. Leicht und doch energisch spielte das Orchester unter der Leitung von Michalis Economou auf, die Querflöte folgte dem Drive bestens. Jean Sibelius‘ Suite deckt in neun Sätzen den Verlauf der Geschichte ab. Und sie tut dies mit einem eindrücklichen Spektrum an musikalischen Stimmungen und Klangfarben. Das Orchester breitete die atmosphärischen Klangbilder delikat aus. Die Musik bietet auch schöne Soli, die von den Musikerinnen und Musikern sehr gut präsentiert wurden. Erwähnt seien etwa das Englischhorn, welches Mélisande charakterisiert, im zweiten Satz und die beiden Klarinetten, die im fünften Satz die Melodie des Liedes „Die drei blinden Schwestern“ spielen. Ein interessantes Werk in einer gelungenen Interpretation. 

Nach der Pause gab es keine Theatermusik, aber doch ein Werk mit theatralischer Geste. Das macht bei Sergei Rachmaninows zweitem Klavierkonzert, das 1901 uraufgeführt wurde, der Pianist gleich zu Anbeginn klar. Mit acht Akkorden in ansteigender Dynamik stellt sich das Klavier machtvoll vor. Der Pianist vollzog diesen Auftakt eindrücklich und bot im weiteren saubere Läufe und einen guten Sinn für Klanggestaltung. Orchester und Solist fanden beispielsweise im ersten Satz, wo Klavierläufe die schwermütige, vom Orchester vorgetragene Melodie begleiten, und im dialogischen Teil des dritten Satzes in intensivem Ausdruck zusammen. Die Holzbläser fielen insbesondere im zweiten Satz mit guten Einsätzen auf. Der Dirigent Michalis Economou brachte die „klassische Klarheit der Form“, von der ein früher Kritiker sprach, überzeugend zur Darstellung. 

Vor der Pause und am Ende gab es reichlich Beifall für die Beteiligten und für ein interessantes Programm.

Ingo Starz (Athen)

 

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