Athener Konservatorium
Athens Philharmonia Orchestra: Scheherazade
Besuchtes Konzert am 13. Januar 2024
Grosse Emotionen
Das Athens Philharmonia Orchestra begann seine Aktivitäten erst im Jahr 2016. Und der grosse Saal des Athener Konservatoriums wurde erst im letzten Winter fertiggestellt und der Öffentlichkeit übergeben. Der Klangkörper und der Ort scheinen gut zusammenzupassen. Das Orchester pflegt ein breites Repertoire und widmet sich regelmässig und intensiv dem griechischen Musikschaffen. Das jüngste Konzert brachte Kompositionen von Alkis Baltas (*1948), Giacomo Puccini, Giorgos Zervos (*1947) und Nikolai Rimski-Korsakow zur Aufführung. Am Pult stand der junge italienische Dirigent Matteo Dal Maso, der erst im letzten Jahr einen Dirigierwettbewerb in Athen gewonnen hatte.
Das Konzert begann mit dem „Nachtgebet“ von Baltas. Die Komposition für acht Violinen erschafft einen getragenen, melodiösen Klang, der sich gesanghaft ausbreitet. Das kurze Stück bleibt dabei einer tonalen Musiksprache verhaftet. Die Geiger boten eine intensive Darbietung. Das zweite Werk, das „Preludio sinfonico“ des jungen Giacomo Puccini klingt wie ein Versprechen. Die zehnminütige Komposition lässt schon den späteren Opernkomponisten anklingen. Harmonik und Orchestrierung zeigen den Einfluss von Richard Wagner, das melodische Material und der Spannungsaufbau den kommenden Star des Opernbetriebs. Dal Maso und das Orchester breiteten den süffigen Klang wohl gestaltet, aber nicht immer mit bester Intonation aus. Die musikalische Leidenschaft erreichte das Publikum. Das dritte und letzte Stück vor der Pause war Giorgos Zervos‘ „Kleine Hommage“. Auch dieses Werk folgte in Melodik und Harmonik den Idealen einer gemässigten Moderne. Dirigent und Orchester boten eine gediegene Aufführung. Die beiden zeitgenössischen Kompositionen und das Frühwerk Puccinis fügten sich überraschend gut zusammen.
Im zweiten Teil des Konzerts erklang als Hauptwerk Nikolai Rimski-Korsakows „Scheherazade“, op. 35. Die vier Sätze der sinfonischen Dichtung trugen ursprünglich Titel und verwiesen direkt auf einzelne Erzählungen aus der Sammlung „Tausendundeine Nacht“. Dieser Benennung bedarf es aber gar nicht, um die erzählerische Kraft des Werks zu spüren. Die Palette an Klangfarben ist beachtlich, auffallend das Spektrum an Schlagwerk, das Trommeln, Pauke, Becken, Triangel, Tamburin und Tamtam umfasst. Das Orchester folgte dem energischen Dirigat von Dal Maso bereitwillig. Von den schönen Soli sei das der Violine hervorgehoben. Das Athens Philharmonia Orchestra konnte sich von seiner besten Seite zeigen.
Das Publikum im gut besuchten Saal spendete herzlichen, anhaltenden Beifall.
Ingo Starz (Athen)

