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ATHEN/ Konservatorium: Athens Philharmonia Orchestra / Leitung: Maria Keller. Von Kleinasien nach Böhmen

25.01.2026 | Konzert/Liederabende

Athener Konservatorium 
Athens Philharmonia Orchestra / Leitung: Maria Keller 

Besuchtes Konzert am 24. Januar 2026

Von Kleinasien nach Böhmen

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Foto: Konservatorium

Das Athens Philharmonia Orchestra überrascht immer wieder mit einfaltsreichen Konzertprogrammen. Und das Orchester lädt häufig junge Talente, Musiker und Dirigenten zu Gastauftritten ein. Dieses Mal hatte man eine Dirigentin auf das Podium geholt, was besonderes Interesse weckte. Auftritte von Frauen am Pult sind ja leider noch immer nicht die Regel, in Griechenland noch weniger als anderswo. Mit Freude sah man dem von Maria Keller geleiteten Konzert entgehen. 

Maria Keller sammelte schon während der Schulzeit Orchestererfahrungen. Sie begann ihre musikalische Karriere als Pianistin. Dann studierte sie Orchesterdirigieren in Köln und Düsseldorf. Keller arbeitete als Assistentin und Korrepetitorin an der Oper Köln, der Kammeroper Rheinsberg und am Theater Krefeld Mönchengladbach, sie leitete 2022-23 das Flora Sinfonieorchester Köln. Seit letztem Jahr ist sie Stipendiatin der Dirigierakademie des Theaters Altenburg Gera. Was ihr wohl die Einladung nach Athen einbrachte, war der 1. Preis, den sie beim „Athens International Conducting Competition“ gewann.

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Foto: Konservatorium

Das Programm begann mit „Drei tänzerische Bilder Kleinasiens“, einer Komposition für Streichorchester und grosse Trommel von Philippos Tsalahouris. Keller brachte die kurzen Stücke rhythmisch gut strukturiert zur Aufführung. Die dunkel-schwermütige Klangwelt, die dem Orchester kaum überraschend lag, kam schön zur Entfaltung. Danach wurde Antonín Dvořáks bekanntes Cellokonzert dargeboten. Der Cellist Matthias Balzat bot eine emotionsgeladene Interpretation. Er gab dem Cellopart Gewicht, Eigenleben und Ausdruckslinien. Keller führte das Orchester mit klaren Zeichengebung, bisweilen unter dem Einsatz des ganzen Körpers, und schälte die Struktur der Sätze gut heraus. Von Orchestermitgliedern waren gelungene Soli, wie das des Ersten Geigers, zu hören. Balzat gewährte eine Zugabe, bevor er sich nach der Pause unter die Orchestermusiker mischte.

Nach der Pause stand die vierte Sinfonie von Robert Schumann auf dem Programm. Das Werk kam in der zweiten Fassung von 1851 zur Aufführung. Schumann hat die vier Sätze eng zusammengebunden, in dem er motivisches Material wiederkehrend verwendet. Keller’s Dirigat zeigte ein gutes Verständnis der einheitsbildenden Kompositionsweise. Sie animierte das Orchester zu flüssigem, gut akzentuiertem Spiel. Die Streichergruppen sorgen für gelungene Soli und Momente, erwähnt seien nur die Hörner. Das Werk entfaltete sich in transparentem Klang, Details wie die Tempoverschiebungen im langsamen Teil des Finale waren deutlich herausgearbeitet. Maria Keller gab mit dem Konzert eine eindrückliche Probe ihres Könnens und man darf hoffen, dass sie nach Athen zurückkehren wird.

Das Publikum im etwas schütter besetzten Auditorium des Athener Konservatoriums spendet nach den einzelnen Werken und am Schluss reichlich Applaus. 

Ingo Starz (Athen)

 

 

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