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ATHEN/ Griechisches Nationaltheater: MACBETH – Uninspirierte Ornamente der Macht

07.03.2020 | Theater


Copyright: Marilena Anastasiadou

Griechisches Nationaltheater, Athen

MACBETH

Besuchte Vorstellung am 6. Maerz 2020

Uninspirierte Ornamente der Macht

Dimitris Lignadis, der seit vergangenem Sommer Direktor des Griechischen Nationaltheaters in Athen ist, bringt im historischen Hauptgebaeude William Shakespeares „Macbeth“ auf die Buehne. Er fungiert dabei als Regisseur und Hauptdarsteller. Die Inszenierung ist eine Koproduktion mit dem Staedtischen Theater in Piraeus. Welchen Blick entwirft Lignadis auf den alten Stoff, gewinnt er ihm eine zeitgenoessische Perspektive ab?

Die Ausstatterin Eva Nathena setzt mit einer roten Thronwand aus der Haende ragen, roten Vorhaengen, einem grossformatigen Spiegel an der Buehnenrueckwand und Pferdeskulpturen Akzente, welche auf das komplexe Machtspiel verweisen. Ihre Bilder wirken direkt und machen Effekt, als Gedankenraeume taugen sie freilich weniger. Es sind Zeichen, welche das Geschehen im Wesentlichen illustrieren. Die grosse Enttaeuschung des Abends ist die unbefriedigende Personenfuehrung des Regisseurs. Die Auftritte und Abgaenge, die Personengruppierungen, die Bewegungsablaeufe auf der Buehne: all das entwickelt kaum organischen Fluss und szenische Ueberzeugungskraft. Das Geschehen kommt recht statuarisch daher, die Gesten erinnern nicht selten mehr an eine traditionelle Operninszenierung als an zeitgenoessisches Theater. Was passiert in diesem Setting mit Shakespeares Sprache? Lignadis hat den Stuecktext sinnvoll gekuerzt, die Auffuehrung dauert wenig mehr als zwei Stunden (mit einer kurzen Pause). Es gelingt dem Regisseur jedoch nicht, den Text zur Grundlage einer Interpretation zu machen, welche diesen Namen verdienen wuerde. Sein „Macbeth“ wirkt seltsam arrangiert, auf der Buehne abgestellt. Dabei vermag es auch die Sprache nicht, Gegenwaertigkeit zu erlangen. Dieser Shakespeare scheint bedauerlicherweise direkt aus dem Museumsfundus zu kommen.


Copyright: Marilena Anastasiadou

Viel Aufmerksamkeit hat Lignadis den drei Hexen zukommen lassen. Vasilis Karaboulas, Elisavet Konstantinidou und Rania Ekonomidou duerfen das Boese mit Lust und Witz auf die Buehne bringen. Warum deren Spiel so „putzig“ sein muss, wird allerdings nicht klar. Dimitris Lignadis als Macbeth neigt zu deklamatorischem Sprechen, was uns den Charakter nicht wirklich nahe bringt. Maria Kitsou als Lady Macbeth versucht mit Gestik und Mimik der Figur beizukommen, was leider nicht gelingt. Die weiteren Charaktere bleiben blass: Orestis Tziovas als Banquo, Alexandros Mavropoulos als Macduff, Anastasis-Simeon Laoulakos als Malcolm oder Jeo Pakitsas als Fleance. Auch der alte, erfahrene Giorgos Biniaris als Duncan wirkt recht uninspiriert in seiner Rollengestaltung. Hatte Lignadis nicht genuegend Zeit fuer die Vorbereitung dieser Shakespeare-Produktion? Man muss hoffen, dass der Direktor des Nationaltheaters sich bald in besserer Form praesentiert.

Ingo Starz (Athen)

 

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