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ATHEN/ Griechisches Nationaltheater: LICHTER DER GROSSSTADT – Adaption von Charlie Chaplin’s Stummfilmklassiker -von Amalia Bennett

05.12.2022 | Theater

Griechisches Nationaltheater / Theater Rex

Lichter der Grossstadt

Besuchte Vorstellung am 4. Dezember 2022

Stummes Theater mit Musik

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Foto: Screenshot

Die Athener Theatersaison läuft auf Hochtouren und die Häuser sind gut besucht. Wenn sich im gegenwärtigen Programm der grossen Theater eine Tendenz abzeichnet, dann ist es eine hin zum Musical. Dabei fällt insbesondere auf, wie gerne gerade Musicaladaptionen von bekannten Filmen auf den Bühnen gezeigt werden. Das Griechische Nationaltheater bildet da keine Ausnahme. Es präsentiert zur Zeit eine Adaption von Charlie Chaplin’s Stummfilmklassiker „Lichter der Grossstadt“. Die opulente Produktion ist, wie volle Vorstellungen zeigen, eine gute Wahl für die letzten Wochen des Jahres und die kommenden Festtage.

Amalia Bennett zeichnet sich unterstützt von Nikita Milivojevic für Adaption, Regie und Choreografie verantwortlich. Sie folgt der Handlung von Chaplin’s Film, fügt aber zusätzlich die Ebene des Filmdrehs ein. Ihr Stück erzählt also auch von der Entstehung des Films. Und es bleibt, was die Schauspieler betrifft, stumm wie die Vorlage. Bennett’s Adaption bedient sich aber wie der Stummfilm der Musik. Thodoris Economou am Klavier und seine vier Musiker steuern eine zur Entstehungszeit des Films (1931) passende Klangwelt bei, dem blinden Mädchen und dem Millionär werden ausserdem Sänger beigestellt, die in Songs (Texte von Stavros Stavrou) die Gefühlswelt der Protagonisten ausbreiten. Das Ganze ergibt darum eine Art Musical. Die Geschichte vom Tramp, dem Blumenmädchen und einem lebensmüden Millionär wird in schönen, detailreich ausgearbeiteten Tableaus und mit viel Bewegung auf die grosse Bühne gebracht. Das modulare und gute Effekte setzende Bühnenbild von Tina Tzoka und die Kostüme von Angelos Mentis tragen massgeblich zum guten Gesamteindruck bei. Amalia Bennett’s „Die Lichter der Grossstadt“ überzeugt als stimmungsvolle Show, das Stück unterhält das Publikum und wiederholt die Moral von Charlie Chaplin’s Stummfilmklassiker. Mehr zum Nachdenken gibt es allerdings nicht.

Das grosse Ensemble präsentiert sich in Bestform. Prokopis Agathokleous sieht dem jungen Chaplin nicht nur ähnlich, er hat sich auch dessen Mimik, Gestik und Bewegungen präsise und beeindruckend abgeschaut. Der junge Schauspieler zeigt eine grossartige Leistung. Daneben vermögen sich auch Alexandra Aidini als blindes Mädchen, Ektoras Lygizos als Millionär und Kostas Berikopoulos als dessen Diener bestens in Szene zu setzen. Das oftmals akrobatische Bewegungsrepertoire des Films wird mit viel Elan auf die Bühne gebracht. Und die schönen Stimmen von Savina Yannatou und Mikis Pantelous erweitern das Szenische ins Musikalische. Das gesamte Ensemble setzt das Konzept der Produktion sehr engagiert und überzeugend um. „Die Lichter der Grossstadt“ ziehen einen noch immer in ihren Bann. 

Das Publikum ist sichtlich und hörbar angetan von der Produktion und spendet dem grossen Ensemble am Schluss viel Beifall. 

Ingo Starz (Athen)

 

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