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ATHEN/ Griechisches Nationaltheater: ALLEZ VIENS…

22.04.2019 | Ballett/Tanz


Copyright: Griechisches Nationaltheater

Griechisches Nationaltheater, Athen

Allez viens…

Besuchte Vorstellung am 20. April 2019

Bewegungsraeume

Manchmal ist es gar nicht so einfach, eine Auffuehrung richtig einzuordnen resp. zu benennen. Ist das nun Theater was man da zu sehen bekommt oder ist es nicht eher als Tanzdarbietung aufzufassen. Bei der vorliegenden Produktion „Allez viens…“ kommt man tatsaechlich etwas ins Gruebeln. Da es um Bewegung im Raum geht, auf Sprache verzichtet wird und eine Choreografin auf dem Besetzungszettel aufgefuehrt ist, sollte man wohl von einer Tanzperformance sprechen. Zugetragen hat sich diese im wunderschoenen, neoklassizistischen Zillersaal des Griechischen Nationaltheaters in Athen. Das Besondere an diesem knapp 70-minuetigen Abend ist nicht nur dessen bewusste Sprachlosigkeit, sondern auch die Tatsache, dass die Choreografin Panagiota Kallimani mit einem Ensemble von aelteren Schauspielerinnen und Schauspielern arbeitet. Es ist ein langsamer Abend ueber Ausdauer und Erschoepfung – und ein wenig auch einer ueber Vergaenglichkeit.

Die Zuschauer sind an den Laengs- und Schmalseiten des Saals angeordnet und blicken wie Gaeste in einen Ballsaal. Das Setting haelt nur Stuehle bereit, mit denen die acht Akteure gleichsam interagieren. Aliki Alexandraki, Giannis Degaitis, Rania Ekonomidou, Kostas Galanakis, Antonis Iordanou, Vasilis Karaboulas, Ivonni Maltezou und Aneza Papadopoulou ruecken Stuehle umher, bewegen sich langsam am Boden, schreiten ein wenig oder umarmen Stuhl und Partner. Man sieht Koerper, deren Aktionsradius limitiert ist, deren Bewegungen aber gerade deshalb kraftvolle Zeichen setzen. Das Ensemble erobert sich mit schlichten Bewegungen und sparsamer Gestik den Raum. Dabei finden sich Paare zusammen und gehen wieder auseinander. Interessante Bewegungsraeume entstehen. Das Lichtdesign von Sakis Birbilis setzt markante Akzente und noch mehr tut dies der Sound von Stavros Gasparatos, der den bewegten Koerpern abgelauscht ist. Das Publikum erlebt einen ebenso ungewoehnlichen wie poetischen Abend, welcher zu einem Nachdenken ueber Koerper, Alter und Bewegung einlaedt.

Das Publikum spendet allen Beteiligten herzlichen Beifall.

Ingo Starz

 

 

 

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