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ATHEN/ Griechische Nationaloper: TOSCA. Neueinsturierung. Unter Faschisten und Spitzeln

28.11.2025 | Oper international

Griechische Nationaloper, Athen 

Giacomo Puccini: Tosca
Premiere der Neueinstudierung am 27. November 2025

Unter Faschisten und Spitzeln

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Alexandra Kurzak, Dimitri Platanias. Foto: Nationaloper

Giacomo Puccini ist, zumindest in den vergangenen Jahren, der meistgespielte Komponist an der Athener Oper. Er ist der Garant für ein volles Haus. Das ist auch mit der aktuellen „Tosca“-Produktion der Fall, deren Vorstellungen bereits vor der Premiere ausverkauft waren. Es handelt sich im konkreten Fall um die Neueinstudierung einer Produktion aus dem Jahr 2007. Nikos S. Petropoulos hatte „Tosca“ damals im Olympia-Theater, dem ehemaligen Sitz der Nationaloper, herausgebracht. Das geschah freilich auf einer kleineren Bühne mit geringerer Portalbreite und Bühnentiefe. Für die aktuelle Aufführungsserie bedeutet dies, dass die Möglichkeiten der neuen Bühne nicht ausgeschöpft werden und das Bühnenbild noch beengter wirkt als es tatsächlich ist. Es stellt sich darum die Frage, ob es wirklich eine gute Idee ist, ältere Inszenierungen des Olympia-Theaters im neuen Opernhaus wiederaufleben zu lassen.

Die „Tosca“ von Regisseur und Ausstatter Petropoulos erweist sich durchaus als brauchbar. Die Handlung vollzieht sich im Jahr 1944 in Rom, der tumultösen Endphase des Faschismus. Das Bühnenbild des ersten Akts sieht so aus wie immer, im zweiten Akt macht das Mobiliar die Handlungszeit kenntlich, während der letzte nicht die Engelsburg sondern ein unwirtlich anmutendes Lager zeigt, dem Tosca am Schluss symbolgeladen durch ein Tor zum Licht entkommt. Petropoulos‘ Inszenierung unterstreicht bildhaft das Politische der Oper. Das ist soweit ganz in Ordnung. Unbefriedigend ist jedoch neben dem erwähnten, pathetischen Schluss die Personenführung. Da merkt man, dass der Regisseur eigentlich ein Bühnenbildner ist. Was man an Bewegungen und Personenanordnungen zu sehen bekommt, kommt über das Konventionelle nicht hinaus. Und das widerspricht dem Versprechen des Anfangs, wo ein Vorspann das nachfolgende Geschehen als filmisch ausweist, als einen politischen Thriller sozusagen. Das was sich auf der Bühne ereignet, ist eine brauchbare Aufführung, aber sicher kein Thriller oder ein neorealistisches Drama.

Paolo Carignani ist ein gern gesehener Gast am Athener Opernhaus. Sein Dirigat überzeugt auch dieses Mal. Spannungsgeladen und präsise in der Abstimmung mit der Bühne präsentiert sich der Orchesterklang. Der Klangkörper beweist einmal mehr, dass er sich in den letzten Jahren qualitativ verbessert hat. Gute Leistungen zeigen Chor und Kinderchor der Oper, einstudiert von Agathangelos Georgakatos und Konstantina Pitsiakou. 

Das Solistenensemble wird, wie es sein sollte, von Aleksandra Kurzak als Tosca angeführt. Ihr Sopran verfügt über dramatische Kraft, eine satte Mittellage und Pianoqualitäten. All das erlaubt es der Sängerin, ein vielschichtiges, hochemotionales Porträt der Tosca zu zeichnen. Eine eindrückliche, gesangliche und darstellerische Leistung. Ein grosser Darsteller ist Dimitri Platanias nicht. Seine ausgreifender Bariton gibt dem Scarpia aber ein imposantes Stimmbild. Dunklere Töne und Facetten mag man dabei etwas vermissen. Marcelo Puente als Cavaradossi legt sich recht ins Zeug. Seine darstellerische Leistung übertrifft dabei die gesangliche. Gelegentliches Tremolo und wenig Höhenglanz trüben den Hörgenuss. Petros Magoulas als Cesare Angelotti und Yanni Yannissis als Mesner sind sehr gut bei Stimme. Georgios Papadimitriou, Penny Rizou und Yannis Kalyvas zeigen in kleineren Rollen solide Leistungen. Insgesamt darf man von einer musikalisch hochstehenden und szenisch recht ansprechenden Aufführung sprechen.

Das Publikum zeigt sich von Inszenierung und musikalischem Part sehr angetan. Es gibt starken Applaus und Bravorufe am Schluss. 

Ingo Starz (Athen)

 

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