Stavros Niarchos Stiftung Kulturzentrum – Griechische Nationaloper, Athen
I Solisti Veneti & Marita Paparizou
Besuchtes Konzert am 29. Dezember 2025

Foto: Griechische Nationaloper
Virtuosen des Barock
Das Kulturzentrum der Stavros Niarchos Stiftung bietet nicht nur Veranstaltungen der integrierten Griechischen Nationaloper und der Nationalbibliothek, sondern regelmässig auch Eigenveranstaltungen. Seit Jahren bringt die Konzertreihe „Cosmos“ Künstler aus der ganzen Welt nach Athen. Für das diesjährige Weihnachtsprogramm hat man nun das renommierte italienische Ensemble I Solisti Veneti eingeladen. Die Musikerinnen und Musiker präsentierten zusammen mit der Mezzosopranistin Marita Paparizou ein Programm mit Barockmusik aus Italien und Deutschland. Am Pult stand Giuliano Carella.
Der Abend bot ein klug zusammengestelltes Programm, in dem Instrumentalmusik und Opernarien einander abwechselten. I Solisti Veneti trat mit einer 14-köpfigen Besetzung an, wobei die Geiger Lucio Degani, Glauco Bertagnin und Enzo Ligresti sowie der Cellist Giuseppe Barutti auch solistisch in Erscheinung traten. Die Musiker waren erwartungsgemäss mit der Musik bestens vertraut, zeigten Virtuosität und Phrasierungskunst. Ein Schwerpunkt des Programms lag auf Werken von Antonio Vivaldi. In drei Konzerten zeigten die genannten Solisten ihr Können. Auf ein Konzert für drei Violinen im ersten Teil des Abends, folgen im zweiten ein Cello- und ein Violinkonzert. Das Publikum erlebt intensive musikalische Momente, wohl artikulierte Klanggesten, ein farbenreiches, musikalisches Spektrum.

Foto: Griechische Nationaloper
Zu den Musikern von I Solisti Veneti gesellte sich die griechische Mezzosopranistin Marita Paparizou. Barockmusik hat und spielt noch immer eine bedeutende Rolle in ihrer Karriere. Man spürte ihre Vertrautheit mit den Ausdrucksmitteln barocker Arien. Die Gesangsstücke von Gluck, Händel, Porpora, Vivaldi und Scarlatti entführten den Hörer in eine Klangwelt, die auf stimmlicher Virtuosität, Verzierungen und Klangfarben basiert. Paparizou bemühte sich nachdrücklich den Anforderungen der dramatisch und lyrisch angelegten Arien gerecht zu werden. Man muss sagen, sie bemühte sich, weil ihre Stimme nicht immer ihrem musikalischen Ausdruckswillen zu folgen vermochte. Im oberen Register schlichen sich Schärfen ein, darunter verlor die Stimme an Substanz. Dazu kamen ein Mangel an Piano und an Leichtigkeit im Bilden der Koloraturen. Obschon sich Paparizous Stimme nicht mehr in Bestform präsentierte, beeindruckte den Zuhörer, wie sehr sich die Sängerin in ihre Aufgabe warf. Im dramatischen Ausdruck erwies sich die Stimme am besten, wie etwa eine Arie aus Händels „Giulio Cesare in Egitto“ im zweiten Programmteil zeigte. Einen guten Akzent setzte Paparizou auch mit der Arie aus Antonio Vivaldis „Semiramis“ ganz am Ende des Programms.
Das Publikum im gut gefüllten grossen Saal der Griechischen Nationaloper begleitete das Konzert mit reichem Zwischen- und anhaltendem Schlussbeifall. Man darf hoffen, dass das Kulturzentrum der Stavros Niarchos Stiftung seine verdienstvolle Arbeit fortsetzt und weiterhin Konzerte veranstaltet. Umso besser, wenn dabei wie in diesem Fall Werke weniger bekannter Abschnitte der Musikgeschichte zu Gehör gebracht werden.
Ingo Starz (Athen)

