Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

ATHEN/ Griechische Nationaloper: MEDEA von Luigi Cherubini

03.05.2023 | Oper international

Griechische Nationaloper, Athen 

Medea

Besuchte Vorstellung am 2. Mai 2023

pir
Foto: Andreas Simopoulos

Griechenland feiert 2023 das Maria Callas-Centenarium in vielfältiger Weise. Über den Sinn des umfangreichen Programms kann man sich trefflich streiten, einige wirklich interessante Veranstaltungen sind aber zweifelsohne zu verzeichnen. Luigi Cherubini’s Oper „Medea“ ist musikhistorisch von erheblicher Bedeutung, gehört aber nicht zum ständigen Repertoire. Die Callas hat die Titelrolle mehrfach mit grossem Erfolg gesungen, so auch im Sommer 1961 im antiken Theater von Epidauros in einer Produktion der Griechischen Nationaloper.  Diese Aufführungen sind heute legendär und begründen zweifelsohne, warum die Cherubini-Oper im Jubiläumsjahr auf dem Athener Programm steht. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Produktion die internationalen Ambitionen des Hauses – es handelt sich um eine Koproduktion mit der Metropolitan Opera New York, der Kanadischen Operncompagnie und der Lyric Opera von Chicago. Das alles scheint einen grossen Opernabend zu versprechen. Leider kam es anders. 

Der Regisseur und Bühnenbildner David McVicar hat die Handlung in der Entstehungszeit der Oper angesiedelt. Die Geschichte um die von Jason verlassene Medea spielt sich vor und hinter einem monumentalen Tor ab. Die Innenszenen werden von einem grossen rückwärtigen Spiegel verdoppelt. Das sorgt für nette Effekte – wenn man einen Platz mit guter Sicht hat -, bleibt aber dramaturgisch bedeutungslos. Die Kostüme von Doey Lüthi dürften etliche Zuschauer bewundern, wobei das mythisch angehauchte Outfit von Medea eher an einen Horrorfilm erinnert. Auf der Bühne arrangiert McVicar nur Tableaus, von einer plausiblen Personenführung kann leider nicht die Rede sein. Grosse Operngesten beherrschen die Szene. Das Bühnengeschehen sorgt schnell für rechte Langeweile. 

Bedauerlicherweise kommt nicht die originale französische Fassung von 1797, sondern die spätere italienische mit Rezitativen von Franz Lachner zur Aufführung. Die Rezitative erhöhen den dramatischen Duktus, der ansonsten mehr in den Vorspielen als in den Arien, die noch Mozart nahe stehen, zum Ausdruck kommt. Das Orchester unter Philippe Auguin bietet eine insgesamt gute Wiedergabe der Musik. Ähnliches lässt sich über den von Agathangelos Georgakatos einstudierten Chor sagen. Auf der sängerischen Seite zeigen sich einige Probleme. Überzeugend besetzt ist die Rolle der Neris. Nefeli Kotseli bietet stilsicheren, an Mozart geschulten Gesang. Ihr warm timbrierter Mezzosopran weiss zu gefallen. Vassiliki Karayanni als Glauce fällt leider vor allem durch stimmliche Defizite auf, wie ausfransende Töne, schwache Mittellage und farblose Gestaltung. Giorgio Berrugi als Jason und Yanni Yannissis als Kreon zeigen gute Leistungen, vermögen aber keine starken interpretatorischen Akzente zu setzen.

pit
Anna Pirozzi. Foto: Andreas Simopoulos

Wie ist es aber nun um die Besetzung der Titelrolle bestellt? Anna Pirrozzi feierte im letzten Jahrzehnt grosse Erfolge, insbesondere als Verdisängerin. Für die Medea gerät ihr Beitrag bisweilen zu dramatisch, zu metallisch. Pirrozzi bemüht sich immer wieder um Feinheiten und Farben, diese wollen ihr aber nur in beschränktem Maße gelingen. Man hört ihrer Interpretation, wenn man das so sagen darf, zu viel Verdi an. Ihr Spiel bleibt dabei gar konventionell.

Die Athener „Medea“ vermag nicht zu ergreifen, die dramatische Kunst Cherubinis, die Beethoven sehr bewunderte, verpufft weitgehend.

Ingo Starz/ Athen

 

Das Publikum feiert am Schluss alle Beteiligten, Pirrozzi wird einer Diva gleich gehuldigt. 

 

Ingo Starz (Athen)

 

Diese Seite drucken