Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

ATHEN/ Griechische Nationaloper: LADY MACBETH VON MZENSK – Ein orchestraler Sturm

am 27.10. (Ingo Starz/Athen

28.10.2023 | Oper international

Griechische Nationaloper, Athen 

Lady Macbeth von Mzensk

Besuchte Vorstellung am 27. Oktober 2023

Ein orchestraler Sturm

Dmitri Schostakowitschs Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ feierte erfolgreich ihre Premiere vor vier Jahren. Nun kam die von der bekannten französischen Schauspielerin Fanny Ardant in Szene gesetzte Produktion zu Saisonbeginn zurück in den Spielplan. Das Werk weist zwei Elemente auf, die dem wenig opernerfahrenen Athener Publikum den Zugang erleichtern: eine farbenreiche, erzählerische Musik und eine Handlung traditionellen Ursprungs. Hinzu kommt eine Inszenierung, die das Geschehen weder modernisiert,  noch dekonstruiert. Ardent gelingt in einem Bühnenraum, der die feudale gesellschaftliche Ordnung sinnfällig veranschaulicht, eine plausible Führung der Personen mit einigen starken emotionalen Momenten. Die Szene etwa, in der Aksinya sexuell bedrängt und misshandelt wird, kommt als wild bewegtes Gruppenbild eindrücklich auf die Bühne. Es eine Inszenierung, die einen nicht überrascht oder irritiert, welche aber eine sorgsame Auseinandersetzung mit dem Stoff aufweist. 

Musikalisch fällt das Ergebnis ziemlich erfreulich aus. Das Orchester und der Leitung von Fabrizio Ventura bringt die Musik engagiert und überzeugend über die Rampe. Der Umstand, dass die Blechbläser auf den Seiten des ersten Balkons platziert sind, führt allerdings bisweilen zu gar lauten Klangeruptionen. Yannis Yannisis ist mit charaktervollem Bariton ein tadelloser Boris. Svetlana Sozdateleva als Katerina Ismailova merkt man die Rollenerfahrung an. Ihre Stimme klingt aber etwas überreif, weist einige Schärfen in der Höhe auf. Sergey Semishkur gibt den Sergey mit sicher geführter Stimme. Yannis Christopoulos als Zinoviy neigt zum forcierten Singen, Sophia Kyanidou trifft den rechten Ton als Aksinya. Das Publikum erlebt alles in allem eine überzeugende, erfreuliche Ensembleleistung, an der auch der sicher und klangschön agierende Chor seinen Anteil hat. 

Es gibt am Schluss viel Beifall für eine gelungene Aufführung eines Meisterwerks des modernen Opernrepertoires.

 

Ingo Starz (Athen)

 

Diese Seite drucken