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ATHEN/ Griechische Nationaloper: FALSTAFF von Giuseppe Verdi. Wiederaufnahme. England wie es singt und lacht

18.02.2026 | Oper international

Griechische Nationaloper, Athen : Giuseppe Verdi: Falstaff 
Wiederaufnahme am 15. Februar 2026

England wie es singt und lacht

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Foto: Giechische Nationaloper

Stephen Langridges Inszenierung von Giuseppe Verdis „Falstaff“ erlebte seine Premiere vor drei Jahren. Bei der Wiederaufnahme bestätigte es sich, dass der Regisseur eine ganz taugliche Arbeit vorgelegt hat. Die in die 1930er Jahre verlegte Handlung läuft flüssig ab, die politische Umbruchszeit und das erwachte Bewusstsein für sportliche Betätigung fügen sich recht überzeugend zu einem turbulenten Ganzen zusammen. Es ist dabei insbesondere die in einen Turnsaal verlegte zweite Szene, die für Überraschung und Witz sorgt. Die Personenführung ist nicht ausserordentlich ausgefeilt, weist aber gute Momente auf, wie etwa im Zusammentreffen von Falstaff und Frau Ford. Die Komödie wird von Langridge ziemlich gut erzählt. Es ist szenisch ein weitgehend gelungener Abend. 

Am Pult des Orchesters steht Paolo Carignani, der fast schon ein Hausdirigent genannt werden kann. Sein Dirigat sorgt für rhythmische Präzision und schöne klangliche Akzente. Das Orchester bietet eine gute Leistung. Solide agieren Chor (Einstudierung: Agathangelos Georgakatos) und Kinderchor (Einstudierung: Konstantina Pitsiakou) der Nationaloper. 

Als Falstaff steht Tassis Christoyannis auf der Bühne. Bei der Premiere vor drei Jahren war er als Ford zu erleben. Die Beweglichkeit seiner Stimme und seine Spielfreude passen sehr gut zum Parlandoton des Werks. Man würde sich nur bisweilen etwas mehr Farbe im Ton wünschen. Dionysios Sourbis ist ein stimmlich verlässlicher, szenisch überzeugender Ford. Cellia Costea ist noch immer eine eindrückliche Frau Ford. Man kann ihr die etwas säuerlichen Töne in der hohen Lage nachsehen. Marilena Striftobola als Nannetta, Nefeli Kotseli als Frau Quickly und Chrysanthi Spitadi als Frau Page bieten gesanglich sehr solide, szenisch schöne Leistungen. In allen drei Fällen würde man sich ein grösseres Ausdrucksspektrum und, besonders bei Frau Quickly, auch etwas mehr Stimmfülle wünschen. Eine gute Leistung bietet Vassilis Kavayas als Fenton. Sein Tenor ist sicher geführt. Haris Andrianos ist ein stimmlich markanter Pistola. Yannis Kalyvas als Bardolfo und Andreas Karaoulis als Dr. Caius komplettieren das Ensemble, das auf’s Ganze gesehen eine hörenswerte Leistung bietet. Der da und dort  auftretende Mangel an rhythmischer Präsision könnte im Laufe der Aufführungsserie verschwinden.

Der Athener Falstaff bringt eine vollständig griechische Besetzung auf die Bühne, was sehr erfreulich ist. So zeigt gerade die Ensembleoper „Falstaff“, was in den Griechen steckt.

Das Publikum im ausverkauften Saal der Nationaloper amüsiert sich gut und spendet am Schluss reichlich Applaus für alle Beteiligten und Bravorufe für die Hauptprotagonisten.

Ingo Starz (Athen)

 

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