Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

ATHEN/ Griechische Nationaloper: Ballett DON QUIXOTE. Vom Traum, Don Quixote zu sein

28.11.2022 | Ballett/Tanz

Griechische Nationaloper Athen : Don Quixote 

Besuchte Vorstellung am 27. November 2022

Vom Traum, Don Quixote zu sein

Πρεμιέρα Δον Κιχώτης Ντ. Σίμκιν, Μ. Μακατέλι φωτό Χ. Ακριβιάδης 1156p
Copyright: Griechische Nationaloper Athen

Das 1869 uraufgeführte, von Marius Petipa und Ludwig Minkus geschaffene Ballett „Don Quixote“ wurde von der Griechischen Nationaloper erstmals 1996 auf die Bühne gebracht. Zuvor waren dort nur Ausschnitte im Rahmen von Ballettabenden zu sehen gewesen. Nachdem das Haus vor der Pandemie gleich mit zwei grossen Handlungsballetten scheiterte – „Dornröschen“ und „Schwanensee“ -, ging man nun auf Nummer sicher und lud mit Thiago Bordin einen im klassischen Fach erfahrenen Tänzer und Choreografen ein. Bordin machte sich einen Namen als einer der führenden Tänzer im Ensemble des Hamburg Ballett.

Die Choreografie von Thiago Bordin basiert auf derjenigen von Marius Petipa. Das Stück erfuhr jedoch Kürzungen und Umstellungen. Und es bekam, und das bringt eine zeitgenössische Perspektive ins Spiel, eine Rahmenhandlung. Diese zeigt zwei ältere, befreundete Herren im Krankenhaus. Einer von ihnen bekommt Cervantes‘ „Don Quixote“ zu lesen und beginnt sich und seinen Freund in die Romanhandlung hineinzuträumen. Das Bühnenbild von George Souglides, die Kostüme von Mary Katrantzou und die Animationen von Eirini Vianelli entfalten fantasievolle, bunte Bilder, die man auch als Buchillustrationen verstehen könnte. Filmsequenzen werden geschickt eingesetzt, um nahtlos Szenen miteinander zu verbinden. Bordins Choreografie entwickelt nicht allzu viel Tiefgang, überzeugt aber in seinen Arrangements. Stathis Soulis sorgt am Pult des Opernhausorchesters für den nötigen Schwung und rhytmische Präzision.

Μπαλέτο ΕΛΣ Δον Κιχώτης photo andreas simopoulos (1)
Copyright: Griechische Nationaloper Athen

Im Zentrum der Balletthandlung stehen die Liebenden Kitri und Basilio, die nach Überwindung einiger Hindernisse zum Traualtar schreiten. In den ersten beiden Vorstellungen werden diese anspruchsvollen Rollen von Gästen dargeboten. Maia Makhateli und Daniil Simkin machen ihre Sache grossartig. Ist ihre künstlerische Heimat in den Niederlanden, pendelt er zwischen Berlin und New York. Beide überzeugen mit grosser Eleganz und starkem Ausdruck, mit hohem technischen Können und Brillanz. Makhateli und Simkin werden zu Recht frenetisch gefeiert. Neben den Stars zeigt die Compagnie der Nationaloper eine beachtliche Leistung. Das Ballett bietet vorteilhafterweise eine Vielzahl kleinerer Rollen und gibt so dem Ensemble gute Möglichkeiten zur tänzerischen Entfaltung. Es seien an dieser Stelle nur Margarita Kostoglou als Mercedes, Vangelis Bikos als Espada und Mania Karavassili als Dulcinea sowie Evangelos Lafaras als Don Quixote, Michalis-Florian Pappas als Sancho Panza und Stelios Katopodis als Gamache stellvertretend für alle Solisten genannt. Bordins Choreografie präsentiert „Don Quixote“ als heiter-luftiges Vergnügen für die ganze Familie. 

Am Ende spendet das Publikum im ausverkauften Haus anhaltenden Beifall und jubelt lautstark. 

Ingo Starz (Athen)

 

Diese Seite drucken