Griechische Nationaloper/Alternative Bühne, Athen : Jonathan Larson: Tick, Tick… Boom!
Besuchte Vorstellung am 26. Dezember 2025
Wie man ein erfolgreicher Künstler wird

Foto: Griechische Nationaloper
Die Alternative Bühne der Nationaloper präsentiert in ihrem Bemühen, das gesamte Spektrum des Musiktheaters abzudecken, regelmässig Musicals. Es handelt sich dabei in der Regel nicht um die Klassiker, sondern um Werke kleineren Formats aus der jüngeren Zeit. Das ist nun auch der Fall mit Jonathan Larsons „Tick, Tick… Boom!“, einer Off-Broadway-Produktion aus dem Jahr 2001. Das Werk kommt mit einer kleinen Besetzung aus – drei Performer und vier Musiker – und erzählt eine Geschichte, die aus dem Alltag des New Yorker Musicalbetriebs gegriffen zu sein scheint.
In „Tick, Tick… Boom!“ geht es um den jungen Komponisten Jon, der im Jahr 1990 kurz vor seinem dreissigsten Geburtstag steht und auf seinen Durchbruch wartet. Er lebt in einer Wohngemeinschaft mit seinem besten Freund Michael, der vom Schauspielerberuf ins geldbringende Marketingbusiness gewechselt hat. Jons Freundin Susan ist Tänzerin und möchte dem Trubel New Yorks durch Landflucht entgehen. Alle drei haben mit Problemen zu kämpfen, wobei der schwule Michael mit seiner HIV-Infektion die schwierigste Situation auszuhalten hat. Die Beziehungen der Drei zueinander werden zunehmend auf die Probe gestellt. Der Workshop Jons, in dem er seine laufende Musicalarbeit Freunden und wichtigen Leuten vorstellt, bringt erst nicht die gewünschte Resonanz. Dann an seinem Geburtstag erhält der Komponist einen Anruf von Stephen Sondheim. Gleich einem Deus ex machina sorgt diese Interessensbekundung des berühmten Kollegen für eine positive Auflösung der Handlung. Susan verlässt für einen Job erst einmal New York und Jon kann auf eine Broadwayproduktion hoffen.

Foto: Giechische Nationaloper
Jonathan Larson, der Musik und Text schuf, hat eine gute Narration entwickelt, Szenen geschickt verdichtet und präsentiert so einen schwungvollen, etwa 100 Minuten währenden Handlungsablauf. Seine Musik ist nicht unbedingt eingängig, erzielt aber mit ihren pop- und balladenhaften Elementen eine gute Wirkung. Emily Louizou und ihre Ausstatterin Niki Psihogiou bringen das Musical einfaltsreich und amüsant auf die Bühne. Das Geschehen ist bewegt und dreht sich um eine überdimensionierte Geburtstagstorte, die sich leichterhand in ein Geschäft oder ein Auto verwandeln lässt. Dabei ist das Ganze ziemlich bunt gehalten, was wohl auf die noch etwas unreif agierende Hauptfigur anspielen soll. Erinnerungen an ein Kinderzimmer stellen sich ein. Die Inszenierung mit ihrem szenischen Minimalismus und Drive überzeugt voll und ganz.
Sehr erfreulich fällt auch die musikalische und darstellerische Seite des Abends aus. Michalis Papapetrou am Klavier und seine drei Kollegen sorgen auf ihren Instrumenten für eine gekonnte Wiedergabe der Musik. Grosses Lob darf man den drei Performern zollen, die darstellerisch und sängerisch beeindrucken und die schnellen Szenenwechsel bestens meistern: Paris Paraskevadis als Komponist Jon, Argyris Lambrou als Michael und Danae Vasilopoulos als Susan. Ein kleines Team, das zu grosser Form aufläuft.
Am Ende der kurzweiligen Aufführung gibt es herzlichen und anhaltenden Beifall für alle Beteiligten.
Ingo Starz (Athen)

