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ATHEN/ Greek National Opera: LADY MACBETH VON MZENSK

Explosive Klangwelten

20.05.2019 | Oper


Copyright: D. Sakalakis

Greek National Opera, Athen: Lady Macbeth von Mzensk

Besuchte Vorstellung am 19. Mai 2019

Explosive Klangwelten

Es ist eines der zentralen Werke des modernen Musiktheaters, das nun zum zweiten Mal in der Geschichte der Griechischen Nationaloper in Athen in Szene gesetzt wird: Dmitri Schostakowitschs Oper „Lady Macbeth von Mzensk“. Das vieraktige Werk beruht auf einer 1865 erschienen Novelle von Nikolai Leskow. Der Librettist Alexander Preis und der Komponist blieben nahe an der Handlung, verstärkten jedoch dessen soziale Aussage. Der letztgenannte Umstand und die Radikalität der Musik wurden der Oper 1936, zwei Jahre nach ihrer erfolgreichen Uraufführung, zum Verhängnis. Eine von Stalin und hohen Politfunktionären besuchte Vorstellung in Moskau zog kurz darauf ein Aufführungsverbot für Schostakowitschs Werk in der Sowjetunion nach sich.

In Athen nimmt sich die französische Schauspielerin und Regisseurin Fanny Ardant der Oper an und gibt mit dieser Inszenierung ihr Operndebüt. Das Werk ist dabei in der vorgesehenen Epoche, dem späteren 19. Jahrhundert, belassen. Der Bühnenbildner Tobias Hoheisel hat eine eindrucksvolle Hofanlage auf die Bühne gesetzt, welche erst im letzten Akt nach hinten geöffnet wird, um den Zug der Zwangsarbeiter zu zeigen. Die farbenprächtigen. detailreichen Kostüme haben Milena Canonero und Petra Reinhardt entworfen. Ardant erzählt die Geschichte stringent und recht schnörkellos, lediglich zu Beginn und am Schluss erscheinen symbolhafte Figuren und Gesten auf der Bühne. Die Führung des Chors beschränkt sich eher auf eine effektvolle Anordnung desselben, schafft aber immerhin schöne Bilder. Das Collectif La(Horde) dürfte die Choreografie der Massenszenen massgeblich bestimmt haben. Den Solisten hätte man bei alledem etwas mehr Zuwendung durch die Regisseurin gewünscht. Ihre darstellerischen Ausdrucksmittel bleiben doch recht beschränkt und oft genug stehen sie etwas verloren im Raum. Letztlich ist es so vor allem der Bühnenraum, der alle Akteure zu einer gewissen atmosphärischen Einheit zusammenbindet und der Aufführung Stärke verleiht.

Der Held des Abends ist fraglos der Dirigent. Vassilis Christopoulos, der bereits Strauss‘ „Elektra“ zur Eröffnung des Opernhauses dirigierte, kontrolliert das musikalische Geschehen vorbilllich und weiss die Klangschichten überzeugend freizulegen. Die grossbesetzten Bläser erbringen eine sehr gute, um nicht zu sagen mitreissende Leistung und sind nicht nur im Graben, sondern auch auf dem seitlichen ersten Rang zu finden. Diese Anordnung sorgt stellenweise für geradezu explosive Klangerlebnisse. Der von Agathangelos Georgakatos einstudierte Chor bietet eine sehr solide Leistung. Auf der Bühne sind durchwegs gute, stellenweise auch sehr gute sängerische Leistungen zu hören. Svetlana Sozdateleva als Ekaterina Izmailova mangelt es etwas an Farben und Wärme in ihrer dramatischen Stimme, im dritten und vierten Akt gelingen ihr jedoch sehr berührende Momente. Sergei Semishkur als Sergei überzeugt mit seinem kräftigen, charaktervollen Tenor. Yannis Yannissis als Boris bietet mit seinem dramatischen Bariton eine eindrückliche Charakterstudie. Auch darstellerisch erweist er sich als Pluspunkt der Aufführung. Yannis Christopoulos hat als Zinoviy nicht viel zu singen, tut dies aber stilsicher. Die zahlreichen Nebenrollen sind gut besetzt und tragen zum musikalisch starken Eindruck dieses Abends bei.

Das Publikum im vollbesetzten Saal spendet anhaltenden Beifall und Bravorufe.

Ingo Starz

 

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