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ATHEN/ Greek National Opera: HYMNEN FÜR GRIECHENLAND – KONZERT FÜR MIKIS THEODORAKIS

11.10.2015 | Konzert/Liederabende

Greek National Opera, Athen: Konzert für Mikis Theodorakis – 10. Oktober 2015

Hymnen für Griechenland

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Im vergangenen Juli konnte der griechische Komponist Mikis Theodorakis seinen neunzigsten Geburtstag begehen. Das Athens Festival veranstaltete in zeitlicher Nähe ein festliches Konzert im Odeion des Herodes Atticus zu Ehren des Jubilars. Damals standen dessen Symphonie Nr. 1 und das populäre Oratorium „To Axion Esti“ auf dem Programm. Nun zog die Nationaloper nach und ehrte Theodorakis, der als Musiker und Widerstandskämpfer gegen die Junta (1967-1974) verehrt wird, mit einem Abend im Olympia Theater. Im Zentrum der Veranstaltung stand das Opernschaffen des Griechen. Beiden Anlässen wohnte der Komponist bei.

 Die Auszüge aus den Opern „Antigone“, „Elektra“ und „Medea“, welche Orchester, Chor und Solisten der Oper darboten, weisen Theodorakis‘ Gespür für Dramatik, Rhythmus und Gesangslinien aus. In jedem Moment wird man den griechischen Traditionen gewahr, denen seine Kompositionen folgen. Und in Anbetracht von deren mitreissendem Schwung, deren hymnenhaftem Charakter bedauert man, daß das Opernhaus nicht eine dieser Opern zur Aufführung gebracht hat. Zweifelsohne fänden diese Werke auch heute ihr Publikum. Zu Höhepunkten des Abends gerieten zwei von Julia Souglakou vorgetragene Arien: der dramatische, rhythmisch spannungsvolle Gesang der Antigone und die farbenreich gestaltete Arie der Medea. Sehr gelungen auch der Auftritt von Eleni Davou als Elektra. Der Tenor Yiannis Christopoulos und der Bass Petros Magoulas waren in zwei der Opernszenen als Partner von Julia Souglakou zu hören.

Die Solisten, noch ergänzt um Gina Poulou, brachten mit Orchester und Chor in unterschiedlichen Besetzungen Stücke aus den Symphonien Nr. 3 und 7 sowie aus dem „Canto General“ wirkungsvoll und tadellos zur Aufführung. In zwei Nummern aus der Ballettmusik „Zorbas“ und im zweiten Satz der Symphonie Nr. 1 war nur das gut disponierte Orchester zu hören. Es ist interessant festzustellen, daß sich der junge Theodorakis in seinem symphonischen Erstling noch stärker an der westeuropäischen Avantgarde orientiert. Das klingt entsprechend atonaler und spröder. Die Griechen lieben Mikis Theodorakis jedoch für seine Vokalwerke, die bisweilen Hymnen für Griechenland gleichkommen. Am Ende des Konzerts gab es stürmischen Applaus für alle Beteiligten und stehende Ovationen für den Komponisten.

Ingo Starz

 

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