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ATHEN/ Greek National Opera: DES KAISERS NACHTIGALL von Lena Platonos

Die Nachtigall als Filmstar

24.02.2019 | Oper


Copyright: D. Sakalakis

Greek National Opera, Athen: Des Kaisers Nachtigall

Besuchte Vorstellung am 23. Februar 2019

Die Nachtigall als Filmstar

Die Musikerin und Komponistin Lena Platonos (Jahrgang 1951) spielt, wie erst juengst ein Dokumentarfilm eindruecklich vorgefuehrt hat, eine wichtige Rolle in der juengeren Musikgeschichte Griechenlands. Sie nahm in den 1980er Jahren eine fuehrende Rolle im Bereich der elektronischen Musik ein. Im Ausland erfuhr ihr Schaffen erst im letzten Jahrzehnt groessere Wertschaetzung und Verbreitung, die Griechische Nationaloper macht sich nun auf, Platonos‘ Werk der jungen Generation naeherzubringen. Die Alternative Buehne praesentiert ein bis anhin nie aufgefuehrtes Werk, das Stueck „Des Kaisers Nachtigall“, „ein musikalisches Maerchen mit Opernelementen“ (L. Platonos). Dieses Musiktheater fuer ein junges Publikum entstand 1989 und basiert auf dem bekannten Kunstmaerchen von Hans Christian Andersen. Der daenische Schriftsteller erzeahlt darin vom chinesischen Kaiser, der sich in den Gesang einer Nachtigall verliebt, diese aber nach Erhalt einer mechanischen Vogelstimme verstoesst, was den wundersamen Vogel nicht daran hindert, den Herrscher am Ende vor dem Tod zu retten. Es ist eine Geschichte, in dem der Widerstreit von Natur und Technik anklingt. Da ist eine Annaeherung mit elektronischer Musik nicht unpassend und Lena Platonos versteht es, mit klaren Gesangslinien und farbenreichem Klang den Kinderohren Interessantes darzubieten. Das knapp einstuendige Werk (Libretto: Giorgos Voloudakis) mag nicht furchtbar aufregend sein, gut gemacht ist es jedoch unbedingt.


Copyright: D. Sakalakis

Das Produktionsteam an der Griechischen Nationaloper hat, wenn man dies so sagen darf, die technische Schraube noch weitergedreht und eine Auffuehrung kreiert, die zwischen Liveperformance und Animationsfilm changiert. Das Ergebnis ist vollauf ueberzeugend, nicht nur weil es unzaehlige, phantasievolle Bilder entwirft und immer wieder ueberraschende Szenenwechsel ermoeglicht, sondern auch weil die szenische Aktion auf der Buehne perfekt mit der Filmspur abgestimmt ist. Das Maerchenhafte des Stoffs kann sich so in geradezu idealer Weise entfalten. Die Regie von Katerina Petsatodi, das Animationsdesign von Eirini Vianelli, der Buehnenraum von Evangelia Therianou und die Kostueme von Alexia Theodoraki fuegen sich aeusserst stimmig zusammen. Der Reichtum des kaiserlichen Palastes wie die Schoenheit der fernoestlichen Landschaften kommen bei diesem Musiktheaterfilmerlebnis bestens zur Geltung. Ganz besonders interessant sind jedoch die technoiden Momente, etwa wenn es um die Herstellung der kuenstlichen Nachtigall geht. Der filmisch eingespielte Produktionsvorgang ist grossartig anzuschauen.

Im Minigraben nehmen nur zwei Herren Platz: Stergios Tsirliagos ist fuer Sound Design, Programming und Mix, Michalis Kloukinas fuer das Video Mapping zustaendig. Beide sorgen dafuer, dass Technik und Szene jederzeit synchron laufen und bestens miteinander harmonieren. Aus dem kleinen Ensemble stechen Marilena Striftompola als Nachtigall mit gelaeufiger Sopranstimme, Nikos Kotenidis mit charaktervollem Bariton und Giorgos Roupas mit maechtigem Bass hervor. Daneben wissen sich auch die anderen Saenger in kleineren und Mehrfachrollen gut in Szene zu setzen: Yannis Filas, Niki Chaziraki und Dimitris Nalbandis. Schliesslich ist noch die Erzaehlerin Maria Skoula zu nennen, die vom Grabenrand aus das Geschehen begleitet, so dass man eigentlich nur ihre verstaerkte Stimme wahrnimmt. Alle Beteiligten verhelfen Lena Platonos‘ musikalischem Maerchen „Des Kaisers Nachtigall“ zu grossem Erfolg.

Das junge und aeltere Publikum zeigte sich begeistert von der ungewoehnlichen Musiktheaterproduktion.

Ingo Starz

 

 

 

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