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ATHEN/ Greek National Opera: DER GUMMISARG von Argyris Kounadis- Totgeglaubte leben länger. Griechische Erstaufführung

06.06.2017 | Oper

Greek National Opera, Athen: Der Gummisarg von Argyris Kounadis. Premiere am 4. Juni 2017

 Totgeglaubte leben länger

gumi
Copyright: Vassilis Makris

 Mit Kompositionen für das Musiktheater hat man es als Komponist schwer in Griechenland. Es ist darum kaum verwunderlich, dass viele Künstler ihr Glück im Ausland suchten und suchen. Der in Konstantinopel geborene Komponist Argyris Kounadis (1924-2011) hat die längste und fruchtbarste Zeit seines Lebens in Freiburg i. Br. verbracht, wo er bei Wolfgang Fortner studierte, viele Jahre an der Musikhochschule lehrte und das Ensemble für Neue Musik gründete. Im Zentrum seines Schaffens stand die Gattung Oper, welche er um Werke voll absurder Ironie bereicherte. Allein die Titel seiner Musiktheaterarbeiten verweisen auf diesen Wesenszug – etwa „Der Gummisarg“ (1968) oder „Die verhexten Notenständer“ (1971).

 Auf seiner Alternativen Bühne lässt nun die Griechische Nationaloper einige Musiktheaterwerke griechischer Komponisten aus den 1960er bis 1980er Jahren aufführen. Die Reihe möchte das Publikum mit Formen moderner Musik vertraut machen, die bislang in Griechenland vernachlässigt wurden. Ferner werden im selben Moment auch neue szenische Konzepte erprobt. Argyris Kounadis‘ kurze Oper“Der Gummisarg“, welche 1968 am Theater Bonn zur Uraufführung kam, macht den Anfang. Und dieser Start ist einer der amüsanten Art, der beim Publikum ausgesprochen gut ankommt. Die kurze, rund 45-minütige Oper bringt eine Trauergemeinschaft auf die Bühne und einen Toten, der so tot nicht ist. Absurde und überraschende Momente sind vorprogrammiert. Kounadis‘ Musik folgt einer gemässigten Moderne und integriert viele Elemente des Jazz. Seine Komposition hat vom Schlagwerk geprägte Rhythmik, Farben und atmosphärische Dichte. Eine lohnende Wiederentdeckung, die endlich ihre griechische Erstaufführung feiert. Gespielt wird eine Fassung aus dem Jahr 2003.

 Die Inszenierung von Victor Ardittis nutzt den Raum gekonnt. Das Publikum sitzt zu beiden Seiten des langen Bühnenkorridors und ist somit nah am Geschehen. Die eine Schmalseite nimmt das kleine Orchester ein, die andere der titelgebende Gummisarg. An den Längsseiten befinden sich Stuhlreihen, die schnell von den Protagonisten bevölkert werden. Das Ergon Ensemble unter der Leitung von Nikos Vassiliou leistet ausgezeichnete Arbeit, ebenso die Choristen des ERT Rundfunkchors. Vagelis Maniatis als untoter Markos, Giorgos Roupas als Dimitrakis, Nikos Stefanou als Sabas, Athina Kastrinaki als Neffe und Varvara Biza als Cousine machen das charmante Werk mit tadellosem Gesang und Spielfreude zu einem gelungenen Vergnügen. Viel Beifall und Bravorufe vom Publikum.

 Ingo Starz

 

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