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ATHEN/ Athens Epidaurus Festival, Odeion des Herodes Attikus: RECITAL VIKINGUR OLAFSSON. Beethoven leuchtet

06.06.2026 | Konzert/Liederabende

Athens Epidaurus Festival, Odeion des Herodes Attikus 
Recital Vikingur Ólafsson 

Besuchtes Konzert am 3. Juni 2026 

Beethoven leuchtet

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Copyright: Thomas Daskalakis

Der Auftaktabend Athens Epidaurus Festivals brachte den isländischen Pianisten Vikingur Ólafsson in das Odeion des Herodes Attikus. Er präsentierte sich dem Publikum mit einem klug zusammengestellten Programm, das er ohne Unterbruch spielte. Der Verzicht auf Pausen und seine intensive physische Präsenz brachten die Zuhörer zum Schweigen. Nur einmal wollte Zwischenapplaus aufbranden, dieser endete aber ganz schnell, als der Pianist zum Weiterspielen ansetzte. Man hat kaum je eine solche Stille und Aufmerksamkeit im weiten Halbrund des Odeions erlebt. Ólafsson animierte die Anwesenden zu intensivem Hören. Und was sich in der Stille ereignete, war in der Tat ausserordentlich. 

Es war ausserordentlich wegen der pianistischen Leistung  und gleichzeitig erlebte man erst noch etwas Anderes, eher Ungewohntes. Es war nicht nur der pausenlose Vortrag, der einen Unterschied machte, sondern auch die Auswahl der Werke. Offensichtlich ausgehend von der späten Beethovensonate Nr. 30, Opus 109 hatte Ólafsson fünf Klavierstücke unter dem tonalen Aspekt zusammengeführt: E-Dur und e-Moll beherrschten die Szene. Dies sorgte für eine gewisse Homogenität, was durch dynamische Entscheidungen des Pianisten, die den musikalischen Fluss verstärkten ohne die Sprache einzuebnen, noch betont wurde. Beethovens späte Sonate war so eng verbunden mit dem Preludium BWV 854 und der Partita BWV 830 von Johann Sebastian Bach, der Beethovensonate Nr. 27, Opus 90 und der Sonate D 566 von Franz Schubert. 

Vikingur Ólafsson bemerkte zur Gestaltung dieses Programms in einem Interview: „Beethoven’s revolution with the third period, this music of the future – I realized it was very much fueled by Bach. […] Then in the middle of those two sonatas [by Beethoven], young Schubert, living in the same city as Beethoven, writes this E minor sonata that’s basically forgotten today. And it’s an absolute masterpiece of work. […] I also decided to put a little Bach into the mix. And I wasn’t sure if I could do it, but I wanted to test if I could actually do an entire album in E – just in one tonality, E major, E minor – and get away with it.“

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Copyright: Thomas Daskalakis

Man darf sagen, dass Vikingur Ólafssons experimentell anmutende Programmgestaltung ein voller Erfolg und Hörgenuss. Einfluss (Bach) und Zeitgenossenschaft (Schubert) wurden hörbar, die fünf Werke fügten sich zu einem mitreissenden Klangstrom zusammen. Der Variationensatz der späten Beethovensonate gewann durch die Bachwerke an Prägnanz und die Position der Sonate Opus 109 am Ende öffnete ein Klangfenster zur Zukunft. Ólafsson machte die Intimität und Komplexität des Beethovenwerks sowie dessen Loslösung von tradierten Formen erfahrbar. Der Pianist durchleuchtete hier wie bei den vorangegangenen Werken das Notenmaterial auf vortreffliche Weise. Das Publikum reagierte am Schluss mit Begeisterung. Es bekam vier Zugaben zu hören, die letzte war ein kurzes Stück von Philip Glass. 

Ingo Starz (Athen)

 

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