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ATHEN/Athens Epidaurus Festival / Odeion des Herodes Attikus  Greek National Opera: TOSCA

29.07.2022 | Oper international

Athens Epidaurus Festival / Odeion des Herodes Attikus 

Greek National Opera: TOSCA

Besuchte Vorstellung am 28. Juli 2022

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Dimitri Platanias, Kristine Opolais. Foto: Greek National Opera.

Giacomo Puccinis Oper „Tosca“ sollte schon im letzten Sommer ins Odeion des Herodes Attikus zurückkehren, musste aber damals aufgrund der Covid-Massnahmen abgesagt werden. Nun also steht das beliebte Werk wieder auf dem Programm des Athens Epidaurus Festival. Die Inszenierung von Hugo de Ana war bereits im Jahr 2015 zu sehen. Der Eindruck, den sie auf den kritischen Betrachter hinterlässt, ist heute derselbe wie damals: Gepflegte Langeweile herrscht. Sicher macht das monumentale Kruzifix im ersten Akt zunächst Eindruck, erweitern grossflächige Projektionen auf der rückwärtigen Bühnenwand den antiken Raum – die Personenführung zeigt aber nur selten interessante Momente und das Spiel um Macht und Widerstand gewinnt zu keiner Zeit Dringlichkeit. Dass der Regisseur die Titelfigur mit traditionellen Operngesten ausstattet, untergräbt zudem erheblich deren glaubwürdiges Auftreten. Das im historischen Ambiente angesiedelte Geschehen bietet letztlich kaum mehr als nett anzuschauendes Sommertheater. 

Im Programmheft ist nicht zu Unrecht davon die Rede, dass Puccinis Oper wie ein Thriller daherkommt. Davon ist freilich im zäh dahinfliessenden Dirigat von Philippe Auguin nichts zu spüren. Sicher, er hat, wie man hören kann, das Orchester gut auf seine Aufgabe vorbereitet. Sein Interesse scheint allerdings nur auf klangliche Schönheit gerichtet zu sein – und diese wird dann allzu breit vor den Ohren der Zuschauer ausgebreitet. Der Tenor unternimmt einmal den vergeblichen Versuch, dieser gebremsten Klanglust zu entfliehen. Hinzukommt kommt ferner, dass Auguins musikalisches Konzept auch kaum Flexibilität im Dialog zwischen Orchester und Sängern aufweist. Einige Wackler in der Koordination zwischen Graben und Bühne sind dem zuzuschreiben. Resultat des Dirigats: Kein Thriller, nirgends. Chor und Kinderchor – einstudiert von Agathangelos Georgakatos und Konstantina Pitsiakou bieten solide Leistungen.

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Ramon Vargas. Foto: Greek National Opera

Mit Ramón Vargas als Cavaradossi steht ein sehr erfahrener Sänger auf der Bühne, der sich allerdings im Spätherbst seiner Karriere befindet. Im ersten und zweiten Akt liess er die Leichtigkeit der Tongebung vermissen, steigerte sich jedoch im Finale fast zu alter Grösse. Eine erfreuliche Leistung. Dimitri Platanias war noch nie ein grosses Gestalter, er konnte aber als Scarpia doch guten Eindruck machen. Die pure Kraft seines Baritons passt nicht schlecht zu dieser Rolle. Und wie wusste sich Kristīne Opolais als Floria Tosca in Szene zu setzen? Sie begann etwas verhalten im ersten Akt, überzeugte dann mit ihrem charaktervollen Sopran mehr in der Auseinandersetzung mit Scarpia und im finalen Liebesduett mit Cavaradossi. Ihre berühmte Arie im zweiten Akt liess bedauerlicherweise eine gewisse Feinabstimmung und Pianokultur vermissen. Dies mag freilich dem grossen, offenen Bühnenraum geschuldet sein. Durchwegs gute Leistungen boten die Interpreten der Nebenrollen, hervorgehoben sei Tassos Apostolou als Cesare Angelotti.

Das Publikum spendete am Schluss begeisterten Beifall.

Ingo Starz (Athen)

 

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