Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

ATHEN/ Athens Epidaurus Festival im Odeion des Herodes Attikus  Staatsorchester Athen – Giuseppe Verdi: REQUIEM

30.06.2023 | Konzert/Liederabende

Athens Epidaurus Festival im Odeion des Herodes Attikus 

Staatsorchester Athen – Giuseppe Verdi: Requiem 

Besuchtes Konzert am 29. Juni 2023

Verdi im Breitbildformat

Wenn sich etwas aus dem Bereich der Klassischen Musik für den grossen Freiluftraum des Athener Odeions eignet, dann sind es grossbesetzte Orchesterwerke. Leider sind im diesjährigen Programm des Athens Epidaurus Festival nicht viele Orchesterabende zu finden. Das erste der beiden Konzerte des Staatsorchesters Athens brachte nun Verdis Requiem zur Aufführung. Das in grosser  Besetzung angetretene Orchester und die etwas erhöht positionierte Chorformationen gaben ein schönes Bild ab und wussten sich durchaus eindrucksvoll Gehör zu verschaffen. 

Das Staatsorchester hatte für diesen Abend drei Chöre auf dem Podium vereint: den Griechischen Rundfunkchor (Einstudierung: Michalis Papapetrou), den Chor der Stadt Athen (Einstudierung: Stavros Beris), und den Amadeus-Chor (Svilen Simeonov). Die Chöre boten genug Stimmkraft, ihr Gesang zeigte aber freilich bisweilen Mängel hinsichtlich Intonation und rhythmischer Präzision. Ihre Leistung war auf das Ganze gesehen solide. Das Orchester legte sich unter seinem Chefdirigenten Lukas Karytinos ins Zeug und bot eine erfreuliche Leistung. Hervorzuheben sind die Leistungen der Blechbläser und der Perkussionisten. Dass das Klangbild recht kompakt herüberkam und manches Detail verschluckte, war dem Raum zuzuschreiben. Karytinos bot eine Interpretation, die schöne Momente aufwies, die Struktur aber nicht wirklich unter einem Spannungsbogen zusammenfassen konnte. Verdis Requiem schien gleichsam im Breitbildformat daherzukommen. 

Beim Solistenquartett war eine Um- und eine Fehlbesetzung zu verzeichnen. Für die erkrankte Sopranistin Miina-Liisa Värelä sprang Myrtò Papatanasiu ein. Sie zeigte Pianokultur und eine differenzierte, vielleicht ein wenig zu theatralische Gestaltung, liess aber hinsichtlich Mittellage und Dramatik Wünsche offen. Letzteres offenbarte sich insbesondere im „Libera me“. Mit warmem Ton und sicher geführter Stimme überzeugte die Mezzosopranistin Rihab Chaieb. Der junge griechische Bass Alexandros Stavrakakis, der zum Ensemble der Dresdner Semperoper gehört, liess mit seiner klangschönen, ausdrucksvollen Stimme aufhorchen. Enttäuschend war die Leistung des Tenors Barry Banks. Seiner Stimme mangelte es an Glanz und Farbe, die Höhen klangen gepresst. Das „Ingemisco“ geriet so zum kläglichen Flehen und der Tenor erwies sich im vokalen Quartett als Störfaktor.

Das Publikum im gut gefüllten Halbrund des Odeions des Herodes Attikus spendete am Schluss lautstarken und anhaltenden Beifall. 

Ingo Starz (Athen)

 

Diese Seite drucken