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ATHEN/ Athens Epidaurus Festival im Odeion des Herodes Attikus: Anne-Sophie Mutter & Mutter’s Virtuosi. Mutter, Bach und Spiele

12.06.2023 | Konzert/Liederabende

Athens Epidaurus Festival im Odeion des Herodes Attikus 
Anne-Sophie Mutter & Mutter’s Virtuosi

Besuchtes Konzert am 12. Juni 2023

Mutter, Bach und Spiele

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Copyright: Ansgar Klostermann

Es ist bekannt, dass das Odeion des Herodes Attikus eine grandiose Kulisse für Konzerte bietet, aber nicht die Intimität, welche man sich für Barockmusik wünschen würde. Hinzu kommt, dass viele Besucher eher wegen des schönen Ortes als wegen der dargebotenen Musik zu Veranstaltungen kommen. Im Resultat herrscht darum eher eine Zirkusatmosphäre, in der gerne, viel und häufig an den falschen Stellen applaudiert wird. Musikalische Spannungsbögen gehen so verloren und angespannte Aufmerksamkeit wird etwas Rares. Mutter, Bach und Spiele – so könnte man etwas ketzerisch die hier zu verhandelnde Konzerterfahrung beschreiben. 

Keine Frage, mit Anne-Sophie Mutter und ihren Virtuosen standen tolle Musikerinnen und Musiker auf der Bühne. Wegen Regen und der anschliessenden Reinigung des Odeions begann das Konzert rund 45 Minuten später und die geplante griechische Erstaufführung von André Previns Nonet für zwei Streichquartette und Kontrabass entfiel. Bedauerlich, dass man gerade das (einzige) zeitgenössische Werk des Programms strich. Anne-Sophie Mutters Engagement für junge Musiker ist bekannt und die auf der Bühne Versammelten werden der Bezeichnung Virtuosen auch gerecht. Interpretatorisch ist freilich noch Luft nach oben, da hätte man sich bisweilen mehr Akzentuierung gewünscht, das Zusammenspiel zwischen Mutter und dem Ensemble gelang aber sehr gut. Das zeigte sich gerade dort wo die Stargeigerin nicht im Zentrum stand, etwa in Bachs drittem Brandenburgischen Konzert G-Dur, BWV 1048 oder in Vivaldis Konzert für drei Violinen, Streichorchester und Basso continuo F-Dur, RV 551. Mutter und ihre Virtuosen pflegten ein schlankes, elegantes Klangbild. Erwähnt werden muss auch der erfahrene, souverän aufspielende Knut Johannessen am Cembalo.

Natürlich richtete sich das Publikumsinteresse vor allem auf die Virtuosität von Anne-Sophie Mutter. Und diese enttäuschte die Zuhörer auch nicht. Ihr Pianospiel mit eindrücklichen Trillern im Andante von Bachs erstem Violinkonzert in A-Moll, BWV 1041 beeindruckte in seiner Durchdringung des weiten Raums und ebenso tat es die furios dargebotenen Läufe in Joseph Bolognes konventionell gehaltenem Violinkonzert A-Dur, op. 5 Nr. 2. Virtuos und ausdrucksvoll trug Mutter die Musik vor. Das eher kurze Programm wurde um beachtliche vier Zugaben ergänzt: Je zweimal kamen Vivaldi und John Williams zur Aufführung. So brachte immerhin der Zugabenteil noch etwas zeitgenössische Musik. Man hätte gerne mehr davon gehabt, gerade wenn Anne-Sophie Mutter, die so viele Werke zur Uraufführung brachte, auf der Bühne steht. 

Das Publikum im Odeion spendete reichlich Beifall und feierte Anne-Sophie Mutter und ihre Virtuosen. 

Ingo Starz (Athen)

 

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