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ATHEN/ Athens & Epidauros Festival, Odeion des Herodes Attikus: WIENER SYMPHONIKER & LEONIDAS KAVAKOS

Klangschoen und fuehrungslos

23.06.2019 | Konzert/Liederabende


Copyright: Thomas Daskalakis

Athens & Epidauros Festival, Odeion des Herodes Attikus

Wiener Symphoniker & Leonidas Kavakos

Konzert am 22. Juni 2019

Klangschoen und fuehrungslos

Der Geiger Leonidas Kavakos gehoert zu den Stars der Klassikszene. Seine Auftritte in Griechenland erfahren stets besondere Aufmerksamkeit und grossen Zuspruch. So war es auch an diesem Abend im annaehernd vollbesetzten Odeion des Herodes Attikus. Die Wiener Symphoniker machten fuer ein Konzert imm Rahmen des Athener Festivals Station in der griechischen Hauptstadt und Kavakos war gleich in einer Doppelrolle zu erleben, als Solist und Dirigent naemlich. Das Publikum bekam auf diese Weise ein Toporchester, einen grossartigen Geiger, aber bedauerlicherweise keinen ueberzeugenden Dirigenten geboten.

Das Violinkonzert e-Moll von Felix Mendelssohn-Bartholdy eroeffnete den Abend. Das romantische Werk zeigte die Qualitaeten von Kavakos und dem Wiener Orchester. Das innige Zusammenspiel beruehrte besonders im zweiten, langsamen Satz, die Blaeser boten im ersten und dritten Satz erstklassige Leitungen, wobei das Fagott speziell hervorgehoben werden muss. Schon hier musste man aber einen Mangel an Interpretationswillen feststellen. Dieses Defizit setzte sich in den beiden nachfolgenden, symphonischen Werken fort. Mozarts Pariser Symphonie erfuhr eine akkurate Wiedergabe, mehr aber auch nicht. Man konnte den warmen Streicherklang und die gelungenen Einsaetze von Oboe und Fagott bewundern, zu einer wie auch immer gearteten Klangrede fand das Ensemble unter Kavakos‘ Leitung nicht. Beethovens Siebter erging es nicht besser. Die „Apotheose des Tanzes“, welche Richard Wagner aus dem Werk heraushoerte, fand nicht statt. Kavakos‘ Sicht auf das Werk, ein packender interpretatorischer Zugriff wurde nicht kenntlich. Beim Anhoeren des zweiten Satzes stellte sich dagegen eher ein Eindruck von Gleichfoermigkeit ein. Beethovens Musik stroemte harmonisch dahin – nennenswerte Akzente wusste der Grieche nicht zu setzen.

Schade, es haette mit dem richtigen Dirigenten ein perfektes Sommernachtskonzert werden koennen.

Das Publikum spendete viel Beifall und feierte Leonidas Kavakos.

Ingo Starz

 

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