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ATHEN/ Athens & Epidauros Festival, Odeion des Herodes Attikus: ALCINA. Premiere

Schöne Stimmen im Grünen

07.07.2019 | Oper

Athens & Epidauros Festival, Odeion des Herodes Attikus: ALCINA von G.F.Haendel

Premiere am 6. Juli 2019

Schoene Stimmen im Gruenen

Die Armonia Atenea, das Orchester der Athener Musikfreunde, hat sich im Bereich der Alten Musik in den letzten Jahren einen guten Namen gemacht. So ueberrascht es nicht, dass der Klangkoerper unter der Leitung seines Chefdirigenten George Petrou nun Haendels „Alcina“ in das Odeion des Herodes Attikus bringt. Freilich ist dieser grosse, offene Raum nicht eben ideal fuer eine Barockoper mit kleiner Orchesterbesetzung, was die Organisatoren dazu veranlasst, Orchester und Stimmen akustisch zu verstaerken. Zwar funktioniert das technische Setting weit besser als beim Auftritt von Yo-Yo Ma einige Tage zuvor, voellig zufriedenstellend ist diese Loesung aber nicht. Unebenheiten im Klangbild trueben immer wieder das Vergnuegen. Und letzteres haelt sich in Hinblick auf die Inszenierung von Petrou ohnehin deutlich in Grenzen. Zusammen mit der Ausstatterin Giorgina Germanou und der Lichtdesignerin Stella Kaltsou setzt er das Geschehen in eine parkaehnliche Landschaft – man fuehlt sich an Shakespeares „Sommernachtstraum“ erinnert -, vergisst dabei aber irgendeine interpretatorische Idee zu entwickeln. Der Dirgent arrangiert letztlich nur die Auftritte und Abgaenge und bringt mit der Kostuemierung von Bradamante und Melisso etwas Gegenwart ins barocke Spiel. Das ist fuer eine beinahe dreieinhalbstuendige Auffuehrung entschieden zu wenig. Hinzu kommt, dass George Petrou auch in seinem Dirigat dem Publikum deutliche Akzente schuldig bleibt. Die Musiker spielen gut, das Klangbild kommt aber zu brav und eintoenig daher. Auch dem Orchesterspiel taeten mehr Ideen gut.


Myrto Papatanasiou. Foto: Athens & Epidauros Festival

Im Zentrum des Interesses steht an diesem Abend die griechische Sopranistin Myrto Papatanasiou, welche die Alcina singt. Papatanasiou feiert international Erfolge und war an der Athener Oper u.a. als Violetta und Manon zu hoeren. Sie singt die anspruchsvolle Haendel-Rolle mit charaktervoller, farbenreicher Stimme. Nicht alles ertoent perfekt, ihre Gestaltung ist jedoch intensiv, in den Piani ebenso wie in den dramatischen Momenten. Mary-Ellen Nesi gibt einen ueberzeugenden Ruggiero. Ihr Mezzosopran klingt zwar nicht besonders frisch, ist den Anforderungen aber weitgehend gewachsen. Myrsini Margariti als Morgana steigert sich im Laufe des Abends und findet zu einem schoenen, klaren Ton und eindruecklichen Verzierungen. Der satte, warme Ton der Mezzosopranistin Angelique Noldus, welche als Bradamante auf der Buehne steht, macht Eindruck, zumal auch die Koloraturen gut gesetzt sind. Erfreuliche Leistungen bieten ferner Theodora Baka als Oberto, welche mit ihrem schoenen Timbre aufhorchen laesst, Petros Magoulas als Melisso und Yannis Kalyvas als Oronte. Der Tenor laesst freilich die barocke Eleganz ein wenig vermissen. Der kleine Chor und die Taenzerinnen Mimi Antonaki, Christina Ellinodeli, Elena Kontogoni und Maria Konstantaki bieten ordentliche Leistungen. Die Choreografie von Edith Lalonger ist wie die Inszenierung: zu brav und etwas uninspiriert.

Das Publikum im nicht vollbesetzten Odeion spendet am Schluss anhaltenden Beifall und Bravorufe. Dies ist zumindest fuer die Saengerinnen und Saenger eine gerechtfertigte Belohnung. Man darf hoffen, dass im Falle einer weiteren barocken Opernproduktion am selben Ort etwas mehr inszenatorische und musikalische Ideen zum Einsatz kommen.

Ingo Starz

 

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