Alternative Bühne/Griechische Nationaloper, Athen
Gaetano Donizetti: Viva la mamma
Premiere am 21. Februar 2026
Donizetti in Kallithea

Gaetano Donizettis Oper „Viva la mamma“ (Originaltitel: „Le convenienze ed inconvenienze teatrali“) erzählt von einer Operntruppe, die versucht eine Opernproduktion auf die Beine zu stellen. Dabei steht ihr das Unvermögen einzelner Beteiligter im Weg und auch das Eingreifen einer Mamma, der Mutter des zweiten Soprans, führt in der Originalversion nicht zum Gelingen: Die Truppe verliert die Unterstützung resp. das Theater und muss die geplante Aufführung aufgeben. Donizettis Werk schaut satirisch auf den Opernbetrieb, stellt die grösseren und kleineren Fehler der Beteiligten humorvoll zur Schau. Die komische Oper, die mit Referenzen zu Rossini und einem früheren Werk des Komponisten aufwartet, hat etwas von einem Pasticcio. Und darum ist sie auch ein gefundenes Fressen für zeitgenössische Bearbeitungen.
Auf der Alternativen Bühne der Griechischen Nationaloper zeigt die Regisseurin Sofia Paschou eine stark bearbeitete Fassung von „Viva la mamma“. Darin wird von einem Opernverein aus Kallithea – das Opernhaus befindet sich tatsächlich in dieser Vorortgemeinde Athens – erzählt, der Dank Beziehungen zum Operndirektor die Bühne nutzen darf. Die kleine Truppe erstürmt den Raum, trifft auf Ausstattungreste vormaliger Nutzung und einen Techniker, der fortan mitmischt. Wenig später kommt ein deutscher Tenor hinzu, den das vorherrschende Chaos mehr und mehr verwirrt. Sein bevorzugtes Wort ist „Scheisse“. Alles und jeder wird nachfolgend durch den Kakao gezogen. Mit dem Auftreten der divenhaft gekleideten Mamma, Mutter einer Sängerin, erhält die Szene einen schillernden Mittelpunkt. Ein Hauch von Queerness breitet sich aus und es geht verbal deftig zur Sache. Der Opernbetrieb, die Verhältnisse im Land, der Blick auf Deutschland – alles wird karikiert. Und der Pianist spielt die Musik dazu, sei es Donizetti, populäre griechische Musik oder Beethoven. Die Ausstattung stammt von Clare Bracewell, die musikalische Einrichtung hat Kharálampos Goyós besorgt.
Die Inszenierung haut in den eineinhalb Stunden der Aufführung kräftig auf die Pauke, gute Gags wechseln sich mit billigen ab. Das Spiel auf der Bühne ist lebhaft, wirkt aber manchmal auch holzschnittartig. Das Ensemble bietet bessere – Chrissa Maliamani als Primadonna Tania, Christos Kechris als deutscher Tenor Friedrich und Marinos Tarnanas als Niko – und weniger gute – Marios Sarantides als Mamma Agata und Daphne David als Luisa – Gesangsleistungen. Apostolis Psychramis als Techniker Antonis und Alexandros Chrysanthopoulos als Maestro Fanouris komplettieren das Ensemble. Die Athener Aufführung überrollt die Zuschauer mit Gags und macht die Oper zu einer opernhaften Soap. Ein Mangel an subtiler Satire ist nicht zu verkennen. Anders als bei Donizetti mündet das Chaos in eine Aufführung, und die kommt recht gelungen in Mini-Szenen zur Darstellung. An Einfällen mangelt es dieser Aufführung wirklich nicht.
Das Publikum scheint sehr angetan zu sein und spendet am Schluss stürmischen Beifall.
Ingo Starz (Athen)

