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Arvo Pärt: KANON POKAJANEN – Cappella Amsterdam, Daniel Reuss – harmonia mundi CD

03.03.2017 | cd

Arvo Pärt: KANON POKAJANEN – Cappella Amsterdam, Daniel Reuss – harmonia mundi CD

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 „Führe mich auf die Deine Weide zurück und zähle mich den Schafen Deiner auserwählten Herde bei, nähre mich mit Ihnen vom Grün Deiner göttlichen Mysterien auf die Fürbitten Deiner allreinen Mutter und aller Deiner Heiligen. Amen.“

 Kanon Pokajanen, zu deutsch Bußkanon, ist das monumentalste liturgische Werk aus der Feder des estnischen Komponisten  mit österreichischer Staatsbürgerschaft. Ein Kanon in der byzantinischen  Zeit ist ein aus neun Oden bestehender Hymnus, der nach dem Modell der neun am Ende des orthodoxen Psalmenbuchs versammelten Gesänge entstand. Der Große Kanon der Buße ist ein Meister Werk des Heiligen Andreas. Und genau auf diesen Text griff Arvo Pärt zurück, um ein harmonisch einfaches, aber spirituell starkes chorisches Werk a cappella in altslawischer Sprache zu schaffen. In der orthodoxen Liturgie darf neben der menschlichen Stimme kein Instrument erklingen. Die rund einstündige Vokalkomposition wurde zum 750-jährigen Bestehen des Kölner Doms in Auftrag gegeben, uraufgeführt wurde der Kanon Pokajanen am 17. März 1998 in Köln.  

Im Kanon Pokajanen wollte Arvo Pärt „dem Wort die Freiheit geben, seine eigene Tonalität zu finden, seine eigene melodische Linie zu zeichnen.“ Ganz klar sind in den seltsam archaisch und modern zugleich wirkenden Gesängen Einflüsse des gregorianischen Chorals, der westlichen Polyphonie als auch des Znamenny, des traditionellen Gesangs der russisch-orthodoxen Kirche, auszumachen. Pärt beschwört mit seinen Gesängen jenes „Zeitmaß der Ewigkeit“, wie dies mit den repetitiv kargen, aber ungemein klaren und ausdruckstarken Vokalismen beispielsweise in Klöstern zelebriert wird. Langsame getragene Tempi, und Harmonien, die lautmalerisch das Klingen von Glöckchen imitieren, sind weitere Wesensmerkmale der Pärt‘schen Klangsprache, die wie ein Gebet in innerer Einkehr wirkt. Es sind bei allen Wiederholungen die kleinen harmonischen Akzente, die feinen rhythmischen Entwicklungen und subtil variierten Tempi und pointillierte Führung der Stimmen, die den Hörer wie in Trance fallen lassen.

Die 1970 gegründete Cappella Amsterdam unter ihrem künstlerischen Leiter Daniel Reuss zeichnet sich durch einen ungemein homogenen, transparenten Klang aus, die Stimmgruppen zueinander sind ausgewogen, Intonation und Artikulation untadelig. Wer sich auf eine spirituelle Zeitreise jenseits des Alltags begeben möchte, wird mit diesem Album gut aufgehoben sein.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

 

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