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ART OF TE AMERICAN FRONTIER

27.11.2013 | buch

BuchCoverArt Frontier gross~1

ART OF TE AMERICAN FRONTIER
From the Buffalo Bull Center of the West
High Museum of Art, Atlanta /
Yale University Press,
176 Seiten, Querformat, 2013 

Ausstellungen sind etwas Wunderbares – aber leider Vergängliches. Da arbeiten Kuratoren monate-, oft jahrelang daran, um zu einem Thema Informationen über die entsprechenden Exponate in aller Welt zusammentragen, sich dann um Leih- und Transportfragen zu kümmern, sie schließlich möglichst sinnvoll und möglichst wirkungsvoll in passenden Räumlichkeiten zu präsentieren.. Dann kann das Publikum Dinge, die noch nie zusammen geführt wurden, ein paar kurze Monate lang von Angesicht zu Angesicht betrachten – und in der Folge  wird unweigerlich alles wieder abgebaut, verpackt, zurückgeschickt. Und was bleibt, ist der Katalog. Glücklicherweise…

Ein breitformatiges Katalog-Buch bietet nun das reichhaltige Bildmaterial der Ausstellung im High Museum of Art, Atlanta, komplett, zusammengefasst nach den Themenschwerpunkten und mit ausführlichen Artikeln. „Go West!“ war für die Geschichte Amerikas eine – aller negativen Aspekte ungeachtet – heroische Epoche ihrer Geschichte. Nie gäbe es das, was heute die „Vereinigten Staaten“ sind und den ganzen Mittelteil des nordamerikanischen Kontinents (zwischen Kanada im Norden und Mexiko im Süden, Pazifik und Atlantik in West und Ost) umfasst, wenn nicht Abenteurer, Geschäftsleute und Künstler (vor allem diese, denn sie haben Greif- und Sichtbares ihrer Zeit hinterlassen) von der Ostküste aufgebrochen wären, um in unentdeckte Landmassen vorzudringen, deren Bedrohungen durch Natur und Menschen gar nicht abzusehen waren.

Beides begegnete ihnen in überwältigendem Ausmaß. Die Natur – Prärie, Bergketten, Wasserfälle, Bisonherden: Es gab geradezu Spezialisten für diese Art von Gemälden, darunter jenen in Deutschland geborenen Albert Bierstadt, dessen Werk einen Höhepunkt „romantischer“, an europäischer Malkunst geschulter Landschaftsmalerei darstellt und der mit mehr als einem Dutzend Gemälden in der Ausstellung und im Buch vertreten ist. Von Berggipfeln bis zu spektakulären Geysiren in Yellowstone wird das neue Land auf das effektvollste eingefangen. „Der Westen als Landschaft“ ist eines von vielen Schwerpunktthemen. Aber auch spezielle Aspekte des damaligen „Frontier“-Alltags, der sich noch vielfach auf Planwagen abspielte, springen ins Gesicht: So hat W.H.D. Koerner (auch er gebürtiger Deutscher) eine „Madonna der Prärie“ gemalt, die ein wunderschönes Mädchen im Wagen so zeigt, dass sich die Plane wie ein Heiligenschein rund um ihren Kopf wölbt…

Die Eroberung stellt einen logischen Schwerpunkt der Betrachtung dar, und da galt es sich nicht nur mit der Natur auseinanderzusetzen. Der „Weiße Mann“ begegnete dem „Roten Mann“ mit seiner ganz eigenen Kultur, die man damals (wie heute!) höchst pittoresk und interessant fand, wobei die Indianer die seit Jahrhunderten starke Faszination des weißen Mannes an den „Wilden“ fütterten.

In einem eigenen Artikel schildert das Buch das Umkippen des Indianerverständnisses – zuerst das interessante Fremde, dann der Feind, den man verdrängen musste, schließlich die Nostalgie, mit der man den Pionierzeiten (als sie endlich vorbei waren und man ihre Schwierigkeiten verklären konnte) nachtrauerte. Das Buch zeigt jene zahlreichen „Originale“ aus dem Alltagsleben der Indianer (inklusive prachtvollen Federkopfschmuck oder großartig bearbeitete Ledergewänder), die dann wieder Gegenstand von Gemälden wurden. Teils malte man die Häuptlinge, teils „Szenen aus dem Indianerleben“ (wobei die waghalsige Jagd auf die Büffel immer wieder zum Thema wurde), teils ihren Alltag im Zelt. Als Österreicher stößt man übrigens auf einen Maler mit dem Namen „Charles (Carl) Schreyvogel“, von dem man gerne wissen möchte, ob er mit den österreichischen Schreyvogels (vor allem jener Joseph, Schriftsteller und Theatermann, der für Grillparzer so wichtig wurde) verwandt ist: Das kann man mit simpler Internet-Recherche nicht bestätigten, wo er als „Sohn armer deutscher Einwanderer“ bezeichnet wird. Jedenfalls war er mit Buffalo Bill befreundet und ein hoch geschätzter Maler von Western-Szenen.

„Buffalo Bill“ ist ein wichtiges Stichwort für Katalog und Ausstellung (er stammte auch aus Georgia), jener William Frederick Cody, der sich als Goldschürfer, Bisonjäger und in den Indianerkriegen als Kundschafter für die US-Armee umtat, bevor er das Showbusiness als wahre Goldgrube erkannte. Am 19. Mai 1883 fand in Omaha, Nebraska, die erste „Buffalo Bill’s Wild West Show“ statt, die er in den folgenden Jahrzehnten in der ganzen Welt zeigte. Er konnte sogar den legendären „Sitting Bull“ eine zeitlang „in Echt“ präsentieren (was in unseren Augen so tragisch wie armselig ist…). An der breiten Popularisierung des „Wilden Westens“ hat Cody jedenfalls beigetragen wie wenige sonst.

Ihn kann man auch auf Fotos betrachten, ebenso wie die als Annie „Get your Gun“ Oakley auch als Musical-Heldin bekannt gewordene Western-Heldin. Der Abschnitt, den Ausstellung und Buch der Fotografie widmen, ist deshalb so interessant, weil diese Bilder der verklärenden Schönheit der Gemälde eine teils raue Wirklichkeit entgegensetzen, die das Bild der Epoche rundet.

Renate Wagner

 

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