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ANTWERPEN/Vlaamse Opera Ballet: MOZART CONCERT ARIAS. UN MOTO DI GIOIA von Anne Teresa De Keersmaeker

13.10.2022 | Ballett/Tanz

ANTWERPEN/Vlaamse Opera Ballet: MOZART CONCERT ARIAS. UN MOTO DI GIOIA von Anne Teresa De Keersmaeker

am 11.10.2022

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Un moto di goia – ein Gefühl der Freude. Foto: De Vlaamse Opera/Ballet

Mozarts sogenannte „Konzertarien“ sind vielleicht die unterschätztesten Werke des Salzburger Meisters. Und überhaupt ein eigenartiger Werkcorpus. Denn sie sind keine Lieder, sondern „ausgewachsene“ Arien mit Orchesterbegleitung, entweder als „Einlagen“ für eigene oder fremde Opern oder zu Bühnenjubiläen und Bühnenabschieden berühmter Sängerinnen komponiert, meist nach Texten des genialsten aller Opernlibrettisten, Pietro Metastasio.

Leider werden sie selten aufgeführt und leider gibt es bis heute keine ihrer Qualität entsprechende Gesamtaufnahme …. was auch daran liegen mag, dass sie atemberaubend schwer sind, vielleicht noch virtuoser und schwerer als die „normalen Opernarien“ (erst vor kurzem hat Lisetta Oropesa endlich eine exzellente Referenzaufnahme vorgelegt – aber leider nur von zehn Stücken. Wir warten auf mehr !)

Vor 30 Jahren hat jedenfalls die flämische Choreographin Anne Teresa De Keersmaeker diese halbunbekannten Arien als Anlass für ein Ballett genommen. Jetzt hat die Vlaamse Opera in Antwerpen die damals so erfolgreiche Produktion wiederbelebt und es ist durchaus ein Genuss, diesem Werk wiederzubegegnen.

Allein schon die musikalische Seite ist kaum zu toppen. Francesco Corti (der neue künstlerische Leiter der Schlossfestspiele Drottningholm) dirigiert das Symphonieorchester der Antwerper Oper einfühlsam und historisch informiert, und die drei Sängerinnen – Emma Posman, Annelies Van Gramberen und Raphaële Green – singen eine besser und eine himmlischer als die andere.

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Raphaële Green/Mezzosopran). Foto: De Vlaamse Opera/Ballet

Und auch die tänzerische Seite bürgt mit dem neuen Cast für gewohnte Keersmaeker-Qualität.

Allerdings stellt sich nach ein paar Jahrzehnten dann doch ein etwas kritischerer Blick auf das Ganze ein, z.B. was das Bühnenbild betrifft. Die offizielle Lehrmeinung, dass das von Schönbrunn inspirierte elliptische Parkett Motive von Escher aufweisen soll, kann man nicht ganz nachvollziehen, auch die Ansage, dass die Stufe in der Ellipse eine eminente dramaturgische Bedeutung hätte, nicht.

Selbst die Gartenmöbel im Hintergrund und die seltsamen Kunstobjekte an den Wänden erschließen sich einem nunmehr, etwas nüchterner betrachtet, nicht mehr so sehr.

Auch die Länge des Abends wäre zu monieren: vor allem die „Streckungen“ durch instrumentale Zwischenteile erscheinen mittlerweise verzichtbar. Und dass es zwischendurch immer wieder mal ziemlich pinabauscht, muss ja auch nicht unbedingt sein.

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Fallen, fallen, fallen…  Foto: De Vlaamse Opera/Ballet

Dies gesagt habend, gibt es viele viele viele großartige choreographische Momente in dieser Vintage-Choreographie: allein schon das ca.10minütige Solo, in dem sich eine der Tänzerinnen mit wilden Discomoves (aber total passend zur Mozartschen Musik) hemmungslos wegshaket, lässt einen atemlos zurück. Und beim „Pas de deux“ bei dem eine Tänzerin ihrem Partner dauernd aus den Armen fällt, kommen selbst den Hartgesottensten die Tränen, ob man will oder nicht…

Alles in allem: ein musikalisches Tanzerereignis, das man nicht versäumen sollte. Nächste (und einzige) Gelegenheit in Österreich dazu: am 2.und 3.12. im Festpielhaus St.Pölten.

Robert Quitta, Antwerpen

 

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