Musicalsommer Amstetten: THE BAND . Eine musikalische Zeitreise mit Herz (15. 7.2026)

Mit The Band präsentiert der Musicalsommer Amstetten ein Musical, das die 1990er-Jahre nicht einfach nacherzählt, sondern wieder aufleben lässt. Für die jüngere Generation ist es eine Entdeckung, für alle, die damals dabei waren, eine berührende Reminiszenz an die Musik ihrer Jugend.
Regisseur Alex Balga setzt dabei ganz auf das Lebensgefühl einer Generation. Das Bühnenbild beeindruckt mit seiner raffinierten 3D-Perspektive und verbindet Multimedia mit klassischer Theaterästhetik. Die stärkste Szene des Abends ist jedoch die Verwandlung eines schäbigen Nachtbusses in einen pulsierenden Partyraum – ein ebenso überraschender wie effektvoller Theatermoment. Rasante Kostümwechsel und authentische 90er-Outfits vervollständigen die Zeitreise. Und selbst das Programmheft setzt das Konzept konsequent fort: Im Stil der legendären BRAVO gestaltet, weckt es schon vor Beginn des Musicals Erinnerungen und ist eine liebevolle Hommage an ein Jahrzehnt, das Generationen geprägt hat.
Unter der musikalischen Leitung von Christian Frank werden die bekannten Pop-Hits behutsam modernisiert, ohne ihren Wiedererkennungswert einzubüßen. Besonders die Arrangements für die Frauenstimmen überzeugen. Einziger Wermutstropfen: Die über der Musik gesprochenen Textpassagen waren akustisch stellenweise nur schwer zu verstehen.
Zu den größten Stärken der Produktion zählen die Choreografien von Natalie Holton. Präzise, dynamisch und teilweise von erstaunlicher Komplexität, verlangen sie dem Ensemble Höchstleistungen ab. Dass die Darstellerinnen und Darsteller dabei nicht nur tänzerisch, sondern gleichzeitig auch gesanglich auf konstant hohem Niveau bleiben, gehört zu den beeindruckendsten Leistungen dieses Abends.
Auch das Ensemble hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck. Carin Filipčić gestaltet die Entwicklung ihrer Figur mit großer Glaubwürdigkeit – von der Sehnsucht nach der Vergangenheit bis zum versöhnlichen Ankommen in der Gegenwart. Elies de Vries ragt selbst innerhalb dieses starken Ensembles heraus. Ihre Spitzentöne gelingen mit scheinbarer Mühelosigkeit, ihre Bühnenpräsenz ist außergewöhnlich. Sie ist die prima inter pares dieses Abends. Anna Zagler überzeugt mit einer bemerkenswert reifen Darstellung, während Aeneas Hollweg auch gesanglich ein beeindruckendes Gesamtpaket bietet.
Die Boyband – Aeneas Hollweg, Florian Heinke, Jonathan Metu, Aday Velasco und Lorenz Pojer – ist dabei weit mehr als nostalgisches Beiwerk. Mit perfekt synchronen Choreografien, harmonischen Bewegungen und verdienten Solomomenten begleitet sie die Handlung wie ein roter Faden und bildet den musikalischen Rahmen der Geschichte.
Am Ende bleibt vor allem ein Gedanke: Erst wenn junge Musicaldarsteller die größten Hits der 1990er-Jahre wie neue Songs einstudieren müssen, wird einem bewusst, wie viele Jahre inzwischen vergangen sind. Umso schöner, dass diese Musik bis heute nichts von ihrer Kraft verloren hat. The Band ist ein Wohlfühlmusical voller Energie, Herz und Erinnerungen. Und wer nach dem Schlussapplaus noch nicht genug hat: Die Songs gibt es übrigens auch auf Spotify.
Elisabeth Sabaditsch-Wolff

