AMSTERDAM/Frascati Theatre: LES ENFENTS TERRIBLES – Premiere am 14. März 2026
Philip Glass mit drei Flügeln…

Paul Dargelos, Elisabeth und Gérard vlnr. Foto: Joost Milde
Im Rahmen der Teilnahme an der Opera Europa Spring Conference mit dem Titel „Creation and Opportunity“ an der Dutch National Opera & Ballet gab es neben drei weiteren Stücken die Möglichkeit, die Premiere der Oper „Les Enfants Terribles“ von Philip Glass am kleinen heimeligen Frascati Theatre in der Amsterdamer Altstadt zu erleben. Es war eine Koproduktion der Opera Zuid, der Nationaloper und der Nederlandse Reisopera in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Opernstudio und seine Partnern. Die Premiere an diesem Abend kam im Rahmen des Opera Forward Festivals an der Nationaloper & Ballett zustande.
Und es wurde ein Erlebnis der besonderen, hochinteressanten Art! Mit den nur 196 Plätzen des Theaters war das Stück natürlich sofort restlos ausverkauft – Philip Glass zieht eben immer! – und man musste eine ganze Stunde vorher da sein, um noch eventuell frei gebliebene Plätze zu ergattern. Das gelang für fünf Besucher auch tatsächlich.
Das Stück ist recht unbekannt, deshalb hier eine Inhaltsangabe: Bei einer Schneeballschlacht zwischen Dargelos und Paul verletzt sich dieser mit einem Stein, der in einem Schneeball steckt und wird von Freund Gérard nach Hause gebracht. Pauls Schwester Elisabeth pflegt ihn in einem prekären gemeinsamen Zimmer, zumal auch ihre Mutter schwer erkrankt ist, und es entwickeln sich einige Rituale zwischen beiden Geschwistern. Als der Tod der Mutter bekannt wird, sind beide auf sich allein gestellt. Elisabeth befreundet sich mit Agathe und trifft durch Gérards Onkel den Amerikaner Michael und heiratet ihn. Dieser stirbt jedoch eine Nacht vor dem Einzug in eine gemeinsame Wohnung bei einem Autounfall. Paul, Elisabeth und Agathe ziehen in eine gemeinsame Wohnung und suchen dort Geborgenheit. Als sich Paul in Agathe verliebt, wird Elisabeth eifersüchtig und versucht alles, ihn von Agathe abzubringen, bis hin zur Täuschung. Ihre geschwisterliche Beziehung gerät aus der Balance. In diesem Chaos gibt Gérard Dargelos einen Ball mit Gift darin. Alle sind erschrocken von diesem Geschenk, und Elisabeth träumt in der Nacht von Pauls Tod. Der Traum wird wahr, denn Paul trinkt das Gift. Als Agathe ihn sterben sieht, erzählt er ihr noch seine ganze Geschichte. Als Elisabeth sich ihrer fatalen Verstrickung bewusst wird, sieht sie keinen Ausweg mehr…
Regisseurin Béatrice Lachaussée entwirft zusammen mit ihrer Bühnenbildnerin Jorine van Beek im dezenten Licht von Glen D’haenens mit der Dramaturgie und Regieassistenz von Joep Huppertz mit äußert einfachen Mitteln eine Szenerie, die den unterschwelligen Katastrophenduktus der Oper sehr gut sichtbar macht. Man liegt auf einfachen Matratzen schlecht bedeckt am Boden. Überall ist Unordnung, liegt Zeug unbeachtet herum. Auf einem großen Schreibtisch, unter dem Elisabeth schläft, steht ein Stuhl mit Klamotten und der kleine Herd. Nirgendwo ist hier etwas in Ordnung, eindeutig, klar und zweifellos interpretierbar. Die Bilder haben eine inhaltliche Doppelbödigkeit, ganz so wie die komplizierten Charaktere, die hier gezeigt werden, die enfants terribles.

Finale! Elisabeth, Dargelos und der sterbende Paul. Foto: Joost Milde
Musikalisch folgt das Stück, das auf drei Flügeln gespielt wird, natürlich dem Konzept der minimal music von Philip Glass. Die Rhythmik ist aber eine andere, und die drei Flügel scheinen auch intensiver auf die emotionalen Gegebenheiten der Handlung einzugehen, sodass sich der bisweilen etwas monoton wirkende, aber gleichwohl so reizvoll klingende und die Handlung vorantreibende Duktus der Glass’schen Musik hier nicht einstellt. Chefpianist Nicolas Krüger gab klar den Ton an. Die beiden anderen Klaviere, gespielt von Daniel Ruiz de Cenzano Caballero und Leonardo Moyano Ortiz, haben meist eher begleitende Bedeutung. Das Zusammenspiel war perfekt.

Chefpianist Nicolas Krüger. Foto: Joost Milde
Das Ensemble bestehend aus Ismael Correa Ulriksen as Paul, Eva Rae Martinez als Elisabeth (Lise), Steven van der Linden als Gérard und Aaike Notier als Dargelos / Agathe wartete mit guten bis sehr guten jungen Stimmen auf, die im Rahmen des Opernstudios sicher weiter reifen werden. So war es insgesamt ein Abend mit Philip Glass, den man nicht so schnell bzw. gar nicht vergessen wird, wie auch der lang anhaltende Beifall für alle Akteure bescheinigte.
Klaus Billand

