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AMSTERDAM/ Dutch National Opera: KÖNIGSKINDER von Engelbert Humperdinck

15.10.2022 | Oper international

AMSTERDAM/ Dutch Opera & Ballet : KÖNIGSKINDER von Engelbert Humperdinck am 13.10.2022

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Foto: Dutch National Opera

Engelbert Humperdincks Oper Königskinder wird wohl immer im Schatten seines „Schlagers“ Hänsel und Gretel stehen -obwohl es bei weitem das bessere oder zumindest interessantere Werk ist. Das mag an vielem liegen: an der viel grösseren, unübertreffbaren Popularität des Hänsel-Stoffes, an der Komplexität der Partitur, an der Trostlosigkeit des mutwillig tragischen Endes…oder an was auch immer…

Tatsache ist, dass die Königskinder äußerst selten gespielt werden. In Österreich war das das letzte Mal bei den Festspielen in Erl der Fall… sehr verdienstvoll…aber nicht wirklich überzeugend…was in erster Linie an der Inszenierung aus Frankfurt lag.

Jetzt hat die Oper in Amsterdam das Wagnis unternommen, dieses sperrige Werk erneut auf die Bühne zu bringen…und siehe da – Wunder über Wunder ! –  diesmal ist es rundum gelungen.

Inszeniert hat Christof Loy, der feinfühlige, kultivierte und elegante Meister der Personenführung. Die Bühne gebaut hat ihm wieder einmal sein langjähriger Compagnon Johannes Leiacker. Hier ist es aber kein Innen – sondern ein Aussenraum, was eine äußerst wohltuende Abwechslung darstellt. Alles, auch die Kostüme, ist in Weiss-und Beigetönen gehalten, was eine gleichzeitig realistische, aber auch künstliche Atmosphäre schafft. Und außerdem sehr sehr schön und edell  anzusehen ist…

Die Oberhoheit über das musikalische Geschehen hat Marc Albrecht, der für dieses Repertoire der deutschen Spätromantik einfach ein unvergleichliches Händchen hat. Dementsprechend bleiben an diesem Abend keine Wünsche offen, zumal auch und gerade die Sänger/innen in einer olympischen Liga spielen. Was soll man über dieses Ensemble sagen, ohne darüber hemmungslos in Schwärmen zu kommen ?

Der wunderbare Tenor Daniel Behle ist darstellerisch und gesanglich noch besser und reifer geworden als er schon war, Olga Kulchynska ist eine überwältigend lyrische und berührende Gänsemagd, Josef Winkler stellt einen gänsehauterregenden Spielmann dar, die 74jährige Doris Soffel gibt eine furcht -und mitleideinflössende „Hexe“, und im letzten Akt erhellt Anna Kemper in der kleinen Nebenrolle der Tochter des Besenbinders mit ihrer glockenhellen Stimme noch einmal das düstere Geschehen.

Tja, was soll man sagen…Wenn man als Kritiker an einer Aufführung rein gar nichts auszusetzen hat, gerät man leicht in den Verdacht, verblödet, verblendet, verliebt oder bestochen zu sein. Dieses Risiko muss man aber in diesem Fall einfach eingehen, denn diese Produktion ist nun einmal – um ein ganz ganz selten verwendbares Wort zu gebrauchen – v o l l k o m m e n.

Wenn es so etwas wie einen E u r o p ä i s c h e n Musiktheaterpreis gäbe, müsste der mit Fug und Recht diesen KÖNIGSKINDERN zugesprochen werden. Kompliment an alle Beteiligten !

Robert Quitta

 

Robert Quitta, Amsterdam

 

 

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