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ALPHA

02.09.2018 | FILM/TV, KRITIKEN

Filmstart: 7. September 2018
ALPHA
USA / 2018
Regie: Albert Hughes
Mit: Kodi Smit-McPhee u.a.

Eigentlich hatten wir das alles schon: Menschen aus der Eiszeit – ist nicht gerade erst der Ötzi über die Leinwand gestapft? Ein Mann, zurückgelassen und verloren in der Ödnis – das war doch Leonardo DiCaprio in „The Revenant“? Und Mann und Hund, die tiefe Freundschaft – zahllose Male da gewesen. Aus all diesen Elementen eine neue Suppe zu kochen, würde von Drehbuchautoren und Filmemachern gewaltigen Einfallsreichtum erfordern. Aber tatsächlich ist uns inhaltlich schon lange nichts so Dürftiges untergekommen wie „Alpha“. Regisseur Albert Hughes hat da nur ein Werk freundlicher Routine abgeliefert, das nicht schmerzlich unter die Haut gehen soll. (Was sich nicht wirklich gelohnt hat – die Einspielergebnisse halten sich in Grenzen…)

Die Steinzeitmenschen, unter denen die Geschichte spielt, sehen schon recht nach Hollywood aus – bei der pelzbesetzten Kapuze unseres Helden möchte man direkt schauen, welches Label er trägt… Die Herrschaften des Clans wirken auch ziemlich heutig (die Damen diskret geschminkt). Die Kamera fliegt über die Landschaft, es gibt dramatische Gewitter, und schon geht unser Held, der junge Keda (Kodi Smit-McPhee, ein australischer Schauspieler mit einem Hauch Exotik), verloren, wird für tot gehalten. Die anderen geben ihn auf, er ist allein.

Zumindest spielt er uns keinerlei existenzielle Verzweiflung vor, sondern konzentriert sich aufs Überleben in winterlicher Landschaft, auch wenn er (igitt) Würmer essen muss. Und da sind auch die Wölfe, gleich im Rudel, vor denen er sich in eine Baumkrone in Sicherheit bringt. Auch sie lassen einen von ihnen zurück – ein schwaches Tier offenbar, und Keda hebt schon den Stein, ihn zu töten. Dass er es nicht kann, ist eine der schönsten Szenen des Films…

Freilich, so leicht freundet man sich nicht an. Unser junger Held, der offenbar alles bei der Hand hat, bindet dem schnappenden Wolf erst einmal die Schnauze zu. Und wir lernen ihn kennen – ein hinreißend schönes Tier, ein hoch begabter Partner für den hübschen Jungen, der gar nicht so viel zu spielen hat, sondern einfach da zu sein.

Tatsächlich passiert den Rest des Films nicht mehr viel. Dass Mensch und Tier sich kennen lernen und an einander anpassen, das liegt auf der Hand, das passiert auch unter weniger dramatischen Umständen in unserer Welt. Und man weiß auch, welch nonverbale, stark emotionale Bindungen entstehen. Und einmal, als Keda in einen gefrorenen See stürzt, rast der Wolf über ihm wie wahnsinnig herum… ja, er wird gerettet, wie auch nicht.

Der Film ist mit eineinhalb Stunden keinesfalls lang, aber er zieht sich, weil die zugrunde liegende Absicht – Junge wird zum Mann, zum „Alpha“-Tier (siehe Titel), man muss schließlich etwas aussagen  – kaum ausgefeilt wird. Was bleibt? Eine lahme Geschichte, bei der man sich ein bisschen in einen Disney-Kinderfilm verirrt fühlt (der Verleiher ist allerdings Sony, nicht Disney). Vermutlich geben sich nur Teenager mit einem hübschen Hauptdarsteller und nur leidenschaftliche Hundeliebhaber mit einem schönen Tier als „Handlung“ zufrieden. All das ist weniger auf Glaubwürdigkeit als auf letztendlich Liebenswürdigkeit angelegt, auch ohne allzu dramatische Ereignisse.

Verraten wir, dass Junge und Wolf zur Familie zurückfinden, er mit dem Tier in den Armen: sehr, sehr happy. Wenn man am Ende gesehen hat, wie Wölfe zu Haustieren domestiziert und zu unseren geliebten Hunden wurden…ja, gut, aber ein bißl mager ist das schon…

Renate Wagner

 

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