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INFOS DES TAGES (MONTAG, 27. JULI 2026)

26.07.2026 | Aktuelles

INFOS DES TAGES (MONTAG, 27. JULI 2026)

Salzburg/Festspiele: CARMEN (Walter Weidringers Beitrag auf Facebook – Schlussapplaus

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Zu Facebook mit Video

26.7. Salzburg Großes Festspielhaus  Premiere CARMEN (26.7.2026)

Eine vertane Chance

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Prosper Mérimée und nach ihm Henri Meilhac und Ludovic Halévy und Georges Bizet wollten eine packende Geschichte einer fatalen Leidenschaft erzählen.

Peeping Tom (Gabriela Carrizo) wollen vor allem eine Performance auf die Bühne bringen und Teodor Currentzis will vor allem sich selbst inszenieren. Wenig erstaunlich, dass dieses Konzept nicht durchgehend aufgeht, und dass dabei eben jene Momente verloren gehen, die Oper als einen in ihrer Gesamtheit unentrinnbaren Sog ausmachen.

Zum Premierenbericht von Sabine Längle

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Bayreuther Festspiele: Wieder kein Österreich-Stream! Gehören wir nicht zur Europäischen Union!

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Als Österreicher kommt man sich wirklich wie ein Mensch zweiter Klasse vor. Wir dürfen zwar diverse Belastungen mittragen (auch was Deutschland betrifft), aber bei einem Stream zur Bayreuther Eröffnungsproduktion sind wir wieder einmal ausgeschlossen! 
TV-Aufzeichung Samstag 1. August um 20,15 h auf 3Sat

Klaus Billands erste „Rienzi“- Eindrücke. Eine genauere Besprechung erfolgt in einigen Tagen!

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Zum Video (Rienzi/ Klaus Billand

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Zum Video

Erstmals bei Bayreuther Festspielen: Richard Wagners Oper „Rienzi“
Sendung „Fazit“. Audio von Jörn Florian Fuchs (8,58 Minuten?

deutschlandfunk.de.Rienzi-Besprechung

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TTT: Kulturkommentar + Musiktheaterdenken

 Theaterfremd? Weltfremd? Bayreuther „KI – Ring“ 2026

 KI – Hype versus Allzeit – Kunst

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 KI ist potentes Werkzeug zur Inspiration /Effizienzsteigerung. Kunst entsteht durch analog – humane Inspiration / Intuition. KI kennt keine seelische Tiefe, physisch psychisch   Menschliches, bleibt Werkzeug, kann Menschen nicht substituieren.

 Statt neuen natürlichen Erkenntnissen reflektierender Wissenschaften, nutzt man synthetische künstliche Intelligenz. Dieser Text korrespondiert mit „Visionen, Transformationen etc.“ erscheint bald im Online Merker.  

 Bayreuther Festspiele 2026 „Ring des Nibelungen“: kuratierte KI – Bildgebung ersetzt Inszenierung, will sich durch Projektionen definieren. Man arbeitet ohne Regisseur, verzichtet komplett auf übliche Bühnenbilder. Technologie der Etikette KI soll Menschenwerk Regie und Inszenierung ersetzen.

Kuratieren bedeutet hier,  alles Visuelle auf der Bühne zu entwickeln, zu verantworten.

Richard Wagners Musik ertönt – und eine „KI – Maschine“ spuckt aus, was dazu so gem. Programmierung variabel sortiert wird. So eine multimediale Installation begleitet Musik Wagners visuell. Den inszenierten Rahmen bestimmt KI Technologie. Sänger agieren in einer „ruhigen, fast skulpturalen Präsenz“ ohne komplexe Handlungsvorgaben, was eher einer konzertanten Aufführung mit visueller Untermalung gleicht statt szenischer Inszenierung.

 Team: wenig mehr als Autodidakten künstlicher Intelligenz aufgrund fehlender Ausbildungen oder nachhaltiger beruflicher Erfahrungen, die eigentlich eher aus traditionellen Tätigkeiten / Ausbildungen darstellender Kunst kommen, überlassen die Inszenierung künstlicher Intelligenz. Ist die Blamage bei der Fußball-WM nicht genug?

 Konkrete Ausbildung und beruflicher Hintergrund der Experten, Kuratoren der KI – Inszenierung.

 Teamchef ist kein klassischer KI – Ingenieur oder Informatiker sondern gem. Ausbildung nur gelernter Opernsänger, der als Regisseur, Ausstatter und Autor arbeitet, seit März 2019 künstlerischer Leiter der neu gegründeten „Akademie für Theater und Digitalität“ ist.

 Ein Programmierer, Musiker und Theaterautor ist verantwortlich für  künstlerisch-technische Konzeption und Creative Code/Visual Art (?), hat Informatik studiert, entwickelt Virtual Reality in Performance-Kontexten und Visualisierungssoftware.

 Ein Forscher immersiver Theaterformen, Digital-Künstler und „Creative Technologist“ ist zuständig für Creative Code und Visual Art, hat Medieninformatik studiert.

 Verantwortlich für Digital- und KI – Storytelling ist ein  Autor und Dramaturg im Schwerpunkt hybrider Theaterformen, mit Studium „Szenisches Schreiben“ und Regie.

 Dramaturg der Kuratierung hat naturwissenschaftlichen Hintergrund, studierte Philosophie,  Musikwissenschaft, und theoretische Physik, hat „Master of Advanced Studies“ im Kulturmanagement, arbeitet als Opern- und Konzertdramaturg. 

 Was unglaublich erscheint: es gibt bei den Machern überhaupt keine ausgewiesenen KI – Fachleute gem. Tätigkeit und Ausbildung. Damit scheint die Schaffung individueller künstlicher Intelligenz – Räume  ausgeschlossen, auch wenn eine offensichtliche Datensammlung als diese ausgegeben wird.

 Tatsächlich wird es wohl eine nahezu konzertante Aufführung mit wechselnden Bildern in behaupteten KI generierten Projektionen, ohne inszenierte Körpersprache / Bewegungschoreografie im Raum. Eingeräumt wird, dass Abfolge und Mischung der Bilder „nicht zu 100 Prozent KI generiert“ erfolgen kann, limitierten Datensätzen unterliegen. Es soll  ein KI – System sein, das zwar eigenständig Bilder generiert, aber strikten Vorgaben und Limitierungen unterliegt. 

 Diese KI – Bilder rekonstruieren Vergangenheit durch Datenstatistik und fixieren damit Stand der Technik. Da KI sich sehr rasch exponentiell entwickelt, hat diese rein visuelle Darstellung ohne „Wort – Ton – Synthese“ nur ganz kurze Gültigkeit.

 KI in vitaler Biosphäre der Protagonisten, über statische Bildgebung hinaus, gibt es nicht! (s. Folgetext in Kürze zu Anwendung von Quantenphänomenen u. a. in Musiktheater – Inszenierungen). Von allgemein propagiertem KI – Tun abweichend,  hat diese KI keinen Zugriff auf das Internet.

 Algorithmisch generierte Bilder (gemachte Technik ist künstlich, war bisher nie künstlerisch) zeigen beliebige, aber vorgegebene KI Trainingsdaten aus Vergangenheiten (letztlich historisierend), dokumentieren Stand der KI als flüchtigen Moment.

 Momentaufnahme jenseits aller temporären Dimensionen (s. Matrix: was ist, war, sein wird, sein könnte) hat also auch nur in jeweiligem Moment Geltung, Bedeutung etc. … und KI wächst ja exponentiell: „heute ist da morgen schon vorgestern“!

  Die visuelle Gestaltung soll sein … durch speziell trainierte künstliche Intelligenz. Diese KI arbeitet nicht autonom im offenen Internet, sondern greift zurück ausschließlich auf kuratierte Daten aus Libretto, Musik, Partitur, Bildmaterial der Bayreuther „Ring“-Aufführungen von 1876 bis 2024, ausgewählte Dokumente der Welt-/ Zeitgeschichte, auf repräsentative historische Ereignisse von jedem der 150 Festival – Jahre.

Ausschließlich kuratierte historischen Daten sollen also „Sedimentschicht“ der Bayreuther Geschichte erschaffen!

D.h. entgegen „Universalwissen“, mit  KI suggeriert, unterliegt die KI in Bayreuth enger Limitierung. Kann KI gelenkt, eingeschränkt, begrenzt werden, ohne Bedeutung zu minimieren?

Ist dies noch generative KI oder nur angewandte variable digitale Recherche in eingeschränktem Datensatz?

Funktional setzte man Parameter und präsentiert rein technisch – digitales Ergebnis behaupteter Kunst ohne künstlerische menschlich resonante Aktivität.  

Dieser angeblicher Meilenstein hat leider spezifische Beschränkungen. Man beschreibt die Musik als „Skulptur“ (wohl kaum ausschließlich fest und statisch, also auch kinetisch (beweglich), virtuell, raumoffen? Das wäre nicht neu sondern Tradition!), die durch live generierte, sich ständig verändernde Bildwelten visuell untermauert wird und es sind nur diese Bilder. Das alles klingt mehr nach werblichem „Gesäusel“ als nach Fakten!

Es fanden lediglich vier Tage Proben mit dem Ensemble statt, Begründung: da keine komplexen Bühnenbilder gebaut oder Lichtstimmungen manuell einprogrammiert werden.

Da die Akteure lediglich „Programmierungsproben für die KI“ machten, Proben am Theater eigentlich seit allen Ewigkeiten als „Verabredung“ – also als Grundvoraussetzung für das gemeinsame Erleben und Gestalten einer Inszenierung – gelten, soll diese mit KI wohl durch Zauberhand geschehen?

Licht ist ebenfalls KI – gesteuert, wodurch auf zeitaufwändige Beleuchtungsproben verzichtet wird. Allerdings hat auch KI noch keine prophetische Gabe, um Positionen der Protagonisten beim Ausleuchten zu berücksichtigen.

Da es keine szenischen Proben für Interaktion mit Projektionen gibt, sollen Singende also Teil einer musikalischen, aber tatsächlich absehbar langweiligen statischen Skulptur, nach Ansage des Dirigenten Ch. Thielemann, auf einer  Position werden, die sich nur an musikalischer Dramaturgie orientieren soll (?), ohne Proben (z. B. Körpersprache) also nur improvisiert sein kann.

Ob der Bayreuther KI – Ring als Dokumentation wissenschaftlichen Fortschritts geeignet ist, hängt von der Definition „Wissenschaft“ ab. Als Dokumentation des Fortschritts in angewandter Informatik, Mustererkennung und Medientechnologie könnte das Projekt wohl relevant sein und zeigen, wie komplexe neuronale Netze in Echtzeit Entscheidungen treffen, Datenmengen in Bilder umsetzen können. Aber wozu? Zum Team gehören keine Forscher, Wissenschaftler, KI – Entwickler.

 Ob damit Kunst in eingeschränkter KI gemacht werden kann, dürfte dann neuen Definitionen überlassen werden.

 „Verkauft“ als „neuronale Kunst“ sollen  zwei Hauptformen gelten: künstlich generierte Kunst (KI-Algorithmen,die z .B .Bilder oder Musik erschaffen) und Neuroästhetik (die Erforschung der neuronalen Prozesse beim Kunstschaffen und -betrachten). Künstlich nicht künstlerisch generierte Kunst? Grenze zwischen Kunst und künstlich ist somit in Bayreuth aufgehoben.

 Bleibt also Kunst oder nur „Momentaufnahme dessen, was gerade technisch möglich ist?“, wie der Teamchef einräumt. 

 KI bleibt Werkzeug, da menschliche Kreativität, ästhetisches Urteilsvermögen zur Kunst unersetzlich bleiben, vitale Erfahrung und emotionale Tiefe fehlen, die für eine künstlerische Aufführung essenziell sind.

Menschlicher Kern: Live-Erlebnis und Präsenz echter Menschen auf der Bühne gelten als unersetzlich. Eine Maschine, die mit EDV errechnete Worte, Bildgebungen aneinanderreiht, kann  Kern von Kunst nicht transportieren.

Metaphysische Visionen, künstlerische Transformationen, Quantenphänomene, Parallelwelten bis zu sinnlich kulinarischen Verhältnissen in Naturgesetzen werden in solchen nur kognitiven Anstrengungen genauso wenig erreicht wie im Regietheater.

 Theaterpraxis muss einen kritischen und reflektierten Umgang mit Technologien wie KI pflegen. KI ist Werkzeug, aber menschliche Kreativität und ästhetische Urteile bleiben  unersetzlich, sonst werden Naturgesetze entwurzelt. KI fehlt leiblich sinnliche Erfahrung, Kontextwissen und emotionale Tiefe, die für künstlerische Aufführung essenziell sind. Menschlicher Kern ist Live-Erlebnis und Präsenz echter Menschen.

 Technik und KI dienen im Theater als Mittel, eigentliche Kunst entsteht nicht im Code, sondern in analoger Arbeit von Menschen vor, auf und hinter der Bühne, die auf menschlicher Erfahrung und natürlichen Prozessen basiert.

 Und nochmal:  KI und Digitalisierung sind Werkzeuge der Informatik, Theater in seiner Kunst lebt von analoger Präsenz der Menschen. Kunst folgt keinen technischen, sondern natürlichen emotionalen Gesetzen, kann nicht strukturiert sein.

 Dominanz: Wer Informatik –  Parameter in KI als fertige Kunst behauptet, erst recht als Autodidakt ohne nachhaltigen fachlich gelebten Hintergrund, mordet Analoges und gewachsene Theater – Universen, da seinem Werkeln menschliche Resonanz fehlt, Ergebnisse reine Vabanque – Spiele sind, hochriskant in Schlüssigkeit, theatralem Wert, zur Theater – Zukunft.

Historische Vabanquespiel der Antike ist z. B.  Cäsars Überschreitung des Rubikon (49 v. Chr.)  Mit der Überschreitung des Grenzflusses Rubikon mit seiner Armee missachtete er das Gesetz, das Generälen das Betreten Italiens mit Truppen verbot. Er wusste, dass es kein Zurück gab („Alea iacta est“ – Der Würfel ist gefallen).

Oder die  Kubakrise (1962) mit  Nikita Chruschtschow und John F. Kennedy im Vabanquespiel: Sowjetunion stationierte Atomraketen auf Kuba, vor der Haustür der USA. Kennedy reagierte mit Seeblockade und stellte Ultimatum. Beide setzten alles auf eine Karte. Fehler hätte atomaren Holocaust bedeutet.

Im Gegensatz zu technischem Experiment, das Daten liefert, dokumentiert meine Doktrin  (s. https://onlinemerker.com/ttt-doktrin-musiktheater-inszenierungen-2026-sein-oder-nichts-sein/) Prozesse der Wahrnehmungserweiterung.  Während der Bayreuther KI-Ring algorithmisch generierte Bilder zeigt ( „gemachte“ Technik), beherrschen „gewachsene“ Strukturen der Naturphilosophie die Bühne. „Messlatte“ ist Schlüssigkeit der Gedanken und Fähigkeit  „Parallelwelten“ zu eröffnen, die tieferen Wahrheiten entsprechen, statt  historische Daten zu rekonstruieren. 

Prozesse der Wahrnehmungserweiterung.  Während der Bayreuther KI-Ring algorithmisch generierte Bilder zeigt ( „gemachte“ Technik), beherrschen „gewachsene“ Strukturen der Naturphilosophie die Bühne. „Messlatte“ ist Schlüssigkeit der Gedanken und Fähigkeit  „Parallelwelten“ zu eröffnen, die tieferen Wahrheiten entsprechen, statt  historische Daten zu rekonstruieren. 

 Der fundamentale Unterschied zwischen Bayreuther KI und meinem Ansatz liegt in der Herkunft und Natur der generierten Inhalte. Bayreuther KI ist ein datenbasiertes, deterministisches (unflexibles) System, vergangenes Bildmaterial. Behauptete Kreativität  ist statistisch beliebige Neuanordnung von Historie innerhalb programmierter Grenzen. Es handelt sich um eine Simulation von Rezeptionsgeschichte, nicht um die Erschließung neuer, naturgegebener Dimensionen neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse.

 Mein Gegensatz sind z. B. universelle Naturgesetze wie Quantenphänomene. Die sind „natürliche Möglichkeiten“ frühere Zeitschienen zu reaktivieren und in die Zukunft zu führen. Damit wird auf Integration von Gegenwärtigem und Universellem gezielt, unabhängig von menschlicher Kulturgeschichte.  

 Bayreuther Ring – KI – Kuratierung ist z. B. nicht geeignet Fortschritte im Verständnis von Quantenphänomenen oder feinstofflichen Stukturen humanen Lebens zu dokumentieren.

 Statt  Theater der Informatik und KI, dem Ende analoger dramatischer Kunst, sollten sich Naturgesetze – z. B. gestützt auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu Feinstofflichem und Quantenphänomenen – organisch weiterentwickeln; denn während digitale Technik von heute morgen schon überholt ist, wird  in Naturgesetzen verwurzelte dramatische Kunst unsterblich bleiben.

 Kernkonflikt zwischen KI – Hype und dramatischer Allzeit –  Kunst liegt im Bewusstsein, in Intentionen. Während KI – Generatoren technisch durchaus beeindruckende Bilder erzeugen, fehlt (z. B. nach Philosophem Dieter Mersch) Fähigkeit zu reflexivem historisch, gegenwärtig, futuristisch und im Konjuntiv verankertem Denken der Reproduktionen durch KI.

 25Juli 2026

Tim Theo Tinn

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150 Jahre „Ring des Nibelungen“ – Matthias Kirschnereit verdichtet Wagner aufs Klavier

Wagner einmal anders

kirschnereit

Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ auf Klavier zu spielen, ist sicherlich eine Herausforderung. Das sind vier Abende, sechzehn Stunden Musik und normalerweise ein riesiger Orchesterapparat. Im Jahr des 150. Geburtstags der Bayreuther Festspiele und zugleich des 150. Jahrestags der Uraufführung des „Rings“ wagen der Pianist Matthias Kirschnereit und der Dirigent und Komponist Ettore Prandi (Arrangement) genau diesen Schritt. „Ich habe mich intensiv mit der Tonsprache und der Klangwelt Richard Wagners auseinandergesetzt“, erinnert sich Kirschnereit im Zusammenhang mit seinem ersten Album „Wagner Liaisons“. Das Eintauchen in glühende Emotionen, Leidenschaften, Sehnsüchte und Abgründe habe ihn total fasziniert. Das merkt man auch dieser gelungenen Einspielung an. Er sei dem Wunsch nach „mehr Wagner am Klavier“ deswegen nachgekommen. Für die Realisierung dieser Idee fand Kirschnereit in Ettore Prandi offenbar den idealen Partner. Er sei dem „Ring“ zum ersten Mal begegnet, als er elf Jahre alt gewesen sei, so Prandi. Die Schallplatten der legendären Aufführung mit Furtwängler seien mitsamt den vier Partituren sein Geschenk vor der nächsten schulischen Herausforderung gewesen. Doch ein „Klavierauszug“ sollte diese Suite nicht werden. Was wäre, wenn Wagner in der Art des „Siegfried-Idylls“ Klaviermusik komponiert hätte? Diese Frage steht hier zentral im Raum. Das Album ist die intensive Suche nach einer Antwort, die spannender nicht sein kann. „Was können wir denn mit dem Klang eines Flügels über den Ring erzählen?“ fragt Prandi. „Vielleicht doch die intimen und lyrischen Seiten dieser Musik – etwa in imaginären Brahms’schen Intermezzi oder Chopin’schen Preludes aus Themen der Tetralogie“. Das ist es auch, was dieses Album interessant macht! Die Reise beginnt hier im „Prelude in the Depths of the Rhine“ mit jenem berühmten Es-Dur-Akkord. Das Vorspiel zum „Rheingold“ lege organische Klangschichtungen frei, so Kirschnereit. „Vom Nichts, vom Ursprung zum jubelnden Rausch“. Das harmonisch vielschichtige „Lament of the Rhinemaidens“ führt zum Nocturne „In Hunding’s House“, wo eine verbotene Liebe im Mittelpunkt steht. Die konsequente leitthematische Verflechtung kommt bei dieser Einspielung jedenfalls nicht zu kurz. Das Capriccio „Wild Rocky Mountains“ biete wellengleiche Arpeggien und einen stürmisch-leidenschaftlichen Walkürenritt, so Kirschnereit. Im Intermezzo „The Wanderer“ begegnet man dann dem „Siegfried“-Wotan auf seiner einsamen Wanderung. Das „Idyll“ gibt sich lyrisch, erinnert an das berühmte „Siegfried-Idyll“. Die Themen werden in raffinierter Weise miteinander verwoben. Das Prelude „The Son of the Nibelung“ und der erhabene Epilog „Twilight of the Gods“ lassen diese Interpretation in einer erstaunlichen Stille ausklingen. Wagner erscheint hier im Sinne Schopenhauers philosophisch. „Emotional ist für mich mit Abstand der Epilog das Größte“, so Kirschnereit. Die Zusammenarbeit zwischen Pianist und Komponist sei in einem engen, lebendigen Dialog verlaufen. Prandi hat Kirschnereit einmal als „Poet am Klavier“ bezeichnet. Sein Talent sei das rhapsodische Improvisieren. So erkennt man  auch bei dieser Einspielung immer neue, überraschende Farben, Zwischentöne und fantasievolle Gedankenentwicklungen. Wagner einmal anders. Acht Charakterstücke sprechen hier eine deutliche Sprache. Empfehlung!

Alexander Walther  
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80 Jahre Bregenzer Festspiele: Im Jubelrausch für das neue Opernprogramm

Von Georgina Szeless

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Man wusste es, hielt es aber nicht für möglich. Das traditionelle Opernfestival im westlichsten Bundesland Österreichs feierte am Mittwoch und Donnerstag, dem 22. Juli 2026 und tags darauf dem 23. Juli, sein 80-jähriges Bestehen mit zwei Opern in Bregenz, die bisher noch nicht in Bregenz aufgeführt wurden. Ein altbekanntes und ein neuentdecktes Werk, in beiden Fällen mit einem geradezu sensationellen Erfolg. Den Auftakt machte Verdis berührendes Seelendrama, an Ostern bereits ausverkauft, „La Traviata“ nach dem Roman Alexandre Dumas d. J., uraufgeführt 1853 in Venedig, eigentlich ein intimes Werk, das man bei den Dimensionen der größten Seebühne der Welt gar nicht so am rechten Platz glauben würde. Am Bodensee gelten andere Gesetze. Man inszeniert bei Ausnützung des Sees und macht diesen zum Mitspieler der Oper. Während die elegante Gesellschaft in der Pariser Oper sich aller Lebensfreuden hingibt, und Verdis Musik die Charaktere in schwungvollen Klängen aufmarschieren lässt, gibt es unten im Wasser eine fröhliche Schwimmstunde für die ungeladenen Gäste. Zur Zeit der Roaring Twenties spielt das spektakuläre Bühnenbild von Paolo Fantin in der Inszenierung von Damiano Michieletto, wenn auch große physische Anforderungen an die badenden Personen gestellt werden. Die Verlegung eines Stückes in andere Zeiten ist heute längst Gewohnheit. Im übrigen hat schon Verdi bei der erfolglosen „Traviata“ (=“Die vom Weg Abgekommene“) die Handlung ins 17. Jahrhundert zurückverlegt. Die Ausstattung in Bregenz ist so luxuriös, dass man leicht abgelenkt wird. Eine 700 Quadratmeter große Spiegelfläche, in Bruchstücke geteilt, bedeckt die Bühne, wetter- und rutschfest. Der Stahlaufbau ist für zwei Jahre konstruiert, da in Bregenz für die Seeaufführungen ein Zweijahresrhythmus gilt. In der Mitte des Spiegels, Symbol für das zerbrechliche, chancenlose Leben Violettas, wird eine riesige schwarze Kugel herausgefahren und verschwindet bei ihrem Sterben. Ein Wunderwerk der Technik, das im Vergleich zu anderen Bühnen hervorsticht. Weitere seltene Regieideen gibt es in Bregenz zuhauf. Die Qualität der besetzten Rollen entspricht Weltbühnenniveau. Das Open-Air-Vergnügen geriet als ein international großartiges Fest der Stimmen, wobei hier auch die schauspielerischen Leistungen besonders gelobt werden müssen. Die menschliche Komponente der Darstellung kam deutlich zum Ausdruck, und das auf der fast 7000 Menschen fassenden Tribüne. In der Titelrolle glänzte Marjukka Tepponen, schon 2015 als Liu in Bregenz zu bewundern sowie Julien Behr, ihr ebenbürtiger Partner als Alfredo, der seine Cabaletta im zweiten Akt, die wegen ihrer Partiehöhe von lyrischen Tenören gerne übersprungen wird, zum Genuss machte. Weiters Vladimir Stoyanov als Vater Germont, ein Erlebnis mit seinem melancholischen Solo vom Belcanto schon das Verismo erahnend, Janne Sihvo als Marchese oder Stanislav Vorobyov als Dottore Grenvil. Für alle weiteren Rollen gilt das Lob der Jubiläumsvorstellung unter dem Dirigat des 49jährigen Stabführers Kirill Karabits gleichermaßen.

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Das längst fällige Festspielgeschenk – Leos Janaceks „Die Ausflüge des Herrn Broucek“ als Hausoper der Bregenzer Festspiele

Es war kaum zu erwarten, dass das so gut wie unbekannte Werk des tschechischen Meisters so bedingungslos angenommen würde. Es wurde enthusiastisch applaudiert, und der Stoff geht einem wegen seines überirdischen Sujets lange nicht aus dem Sinn. Verstehen wird man es besser, wenn man sich eingehend damit beschäftigt. Bisher gab es bemühte Versuche zur populären Annäherung. Schon die Entstehung der Oper war sorgenvoll für den Komponisten und machte bereits Probleme bei der Suche nach Librettisten. Dies trotz aller Beweise für den Erfolg Janaceks mit seinen vorausgegangenen nicht weniger als neun Bühnenwerken. Nicht einmal Max Brod, Janaceks Intimus und Künstlerfreund, fand daran spontan Gefallen und wollte es nicht in die deutsche Sprache übersetzen. Janacek hielt dennoch an seinem Projekt fest. Es sollte ein zweiteiliges Opernwerk mit einer Rahmenhandlung werden, wurde dann doch einheitlich in Vielfalt verbunden. Janacek wurde mit „Broucek“ (übersetzt das „Käferchen“) eines der größten Musikdramatiker des 20. Jahrhunderts. 1920 in seiner Heimat gespielt, handelte es sich um die erste und einzige Uraufführung seiner Opern in Prag. Und siehe da! Der Erfolg schlug ein. Dann wurde es hierzulande allerdings lange still um „Broucek“. Die deutsche Bühne in Berlin „Unter den Linden“ feierte 2025 eine kurze Auferstehungsfeier, und das Tiroler Landestheater Innsbruck hatte sich heuer des Werkes liebevoll angenommen. Aber was gibt es denn nun von „Broucek“ zu hören und sehen? Wie gesagt, zwei Teile in zwei Welten. Zwei grundverschiedene Traumreisen, viele Mehrfachrollen und inhaltlich abgebrochene Wechsel. Denn es geht um eine verkappte Satire, groteskes Leben und historische Rückblendung. Alles pathetisch gefärbt und visionär erlebt von einem Außenseiter des Lebens, eben Broucek, der Würstel, Bier und Freiheit mehr schätzt als sein Einsiedlerdasein. Daher macht er unorthodoxe Ausflüge, um am Ende wieder in sein Haus als derselbe Mensch zurückzukehren. Wie typisch für die Unzufriedenheit mit dem Reichtum heutiger Geldmagnaten. Einfach phantastisch, wie spannend und realitätsnah die Bregenzer Ideenbringer diese „komische Oper“ umsetzen. Der erste Teil führt Broucek in eine Mondlandschaft, kubistische Ballettwesen tanzen und sprechen, pardon singen, mit ihm in verhüllter Maske. Allein Broucek flieht vor ihnen, gerüstet für neue Erlebnisse. Es ordnet sich die Erde, eine neue Zeit beginnt.

Das Staunen über die faszinierende Darstellung der Ereignisse auf der Bühne beginnt hier. Fortgesetzt von Brouceks Ausflug in das historische Mittelalter des 15. Jahrhunderts. Der US-amerikanische Regisseur Yuval Sharon – inspiriert vom Dadaismus und absurdem Thater – bringt die Janacek-Oper in einer ebenso mutigen wie gewaltigen Inszenierung auf die Bühne von Jon Bausor, der auch die Kostüme verantwortet. Broucek trifft auf kriegerische Hussiten, mit zeitgemäßen Waffen Sigismund kämpfend, nichts für den Antichristen Broucek, der lieber seine Ruhe haben will. Man schafft ihn weg und steckt ihn in ein Fass, aus dem er glücklicherweise befreit wird. Der herrliche Hussitenchor im zweiten Werkteil ist ein wunderbares Beispiel für die Musik Janaceks, in der es kaum Arien für die Sänger gibt, aber dafür herrliche, Puccini gleiche Melodien im Orchester mit Zwischenspielen, die an Stummfilme erinnern, fugenreiche Harmonien, die stilistisch vergessen machen, dass Janacek überhaupt kein Komponist der Moderne ist. Man kennt doch seine Meisterwerke etwa „Katja Kabanova“, „Die Sache Makropoulos“ oder „Das schlaue Füchslein“. Die Wiener Symphoniker, das Stammorchester der Bregenzer Festspiele, fühlte unter Robert Jindra genau der Klangsprache Janaceks nach, zeichnete flexibel die scharfen Akzente, wenn es um lyrisch-dramatische Passagen ging. Ebenso der Prager Philharmonische Chor unter Lukas Vasilek, der sich sprachlich besonders wohl gefühlt haben musste. Der Engländer Daniel Brenna als Titelheld artikulierte die tschechische Sprache mit gekonnter Souveränität.

Das Gesamtensemble und seine Hingabe an die Opernrarität hinterließen einen omnipotenten Eindruck von einer Produktion, deren Einzigartigkeit in die Festspielgeschichte eingehen wird. Die zweite Saison der finnischen Intendantin Lilli Paasikivi im Rahmen des 80. Geburtstages der Bregenzer Festspiele verriet ihre Liebe zu Bregenz, die sie immer wieder zum Ausdruck brachte.

 Georgina Szeless
Kulturjournalistin

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WIEN/ Landstrasse: Cécile Chaminade im Mittelpunkt der Reihe „FrauenNote“

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Mit einem Liederabend, der einer der bedeutendsten französischen Komponistinnen der Belle Époque gewidmet ist, setzt die Konzertreihe „FrauenNote“ ihren erfolgreichen Zyklus fort. Nach Programmen mit Werken von Pauline Viardot, Clara Schumann und Fanny Hensel richtet sich der Blick nun auf Cécile Chaminade (1857–1944) – eine zu Lebzeiten international gefeierte Künstlerin, deren ebenso poetische wie farbenreiche Mélodies heute viel zu selten zu hören sind.
Die Sopranistin Ekaterina Doss-Hajetskaya interpretiert eine Auswahl ihrer schönsten Lieder, begleitet von Peter Doss am Klavier. Mit seiner kenntnisreichen und zugleich unterhaltsamen Moderation führt er durch Leben und Werk der Komponistin und lässt ein lebendiges musikalisches Porträt entstehen.

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Freitag, 7. August 2026, 19.30 Uhr
Borromäussaal
Karl-Borromäus-Platz 3, 1030 Wien
Eintritt: Freie Spende.
Ein Abend, der eine außergewöhnliche Komponistin neu entdecken lässt und die Eleganz, den Charme und die Ausdruckskraft der französischen Liedkunst eindrucksvoll erlebbar macht.

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ron

Wie verbringen unsere Kritiker den Sommer? Folge 2
Der Festspiel-Flaneur
Von Lehár-Schnitten in Ischl bis zum Gewitter in Santa Fe: Der Festspielsommer dreht sich (auch) um die schönsten Nebensachen.

RONDO-MAGAZIN

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