Paul Hindemith: Cardillac • Opernhaus Zürich • Vorstellung: 18.02., 06.03. und 10.03.2026
(2., 6. und 7. Vorstellung • Premiere am 15.02.2026)
Ein Schlüsselwerk der modernen Oper
Knapp 100 Jahre nach der Uraufführung, knapp 74 Jahre nach der Uraufführung der zweiten Fassung am Hause und knapp 50 Jahre nach der Schweizer Erstaufführung der ersten Fassung (am 16. Oktober 1976 unter Ferdinand Leitner) ebenda zeigt das Opernhaus Zürich wieder Paul Hindemiths «Cardillac».
«Das Stück, ein Schlüsselwerk der modernen Oper, beeindruckt desto mehr, je besser man es, einschliesslich des Librettos, kennt» (NZZ Nr. 244 vom 18.10.1976 zur schweizerischen Erstaufführung der Erstfassung von «Cardillac»).

Foto © Monika Rittershaus
Die Gelegenheit das Werk kennenzulernen hat das Zürcher Publikum erfreulich intensiv wahrgenommen. So bleibt zu hoffen, dass «es für eine Wiederaufnahme reicht».
Die Inszenierung von Kornél Mundruczó, die das Geschehen stimmig in eine von Monika Korpa opulent und detailreich ausgestattete Shopping-Mall verlegt, erleichtert deutlich den Zugang zum Werk. Das Thema des Stücks, die Problematik des Loslassens und damit auch die «Bewertung» von Kunst wie auch der Umgang Cardillacs mit seiner Tochter, wird so gut verständlich thematisiert. Mundruczós Arbeit fasziniert auch durch ihre sensible Personenzeichnung und-führung.
Musikalisch haben die Aufführungen im Laufe der Serie deutlich an Profil und Qualität gewonnen. Unter der musikalischen Leitung von Fabio Luisi, der «Cardillac» bereits 2009/2010 an der Semperoper und 2018 beim Maggio Musicale Fiorentino dirigierte, wird vom Orchester der Oper Zürich nicht mehr nur laut, sondern auch differenziert musiziert. Das «Duett für zwei Flöten(Pantomime)», während dem die Singstimmen schweigen und zur Ermordung des Kavaliers auch das Orchester aussetzt, wird in seiner spezifischen Eigenheit immer deutlicher erkennbar. Der Chor der Oper Zürich überzeugt mit wuchtigem Wohlklang und engagiertem Spiel.
Gábor Bretz überzeugt in allen Vorstellungen in der Rolle des Goldschmieds Cardillac. Er zeigt in seiner Interpretation der Rolle nicht nur das Genie des Künstlers, sondern auch sein Getriebensein, seine Mühen mit der Gesellschaft und den Anforderungen, die diese an ihn stellt. Anett Fritsch gibt mit klarem, gut fokussiertem Sopran seine Tochter (wie alle weiteren Figuren im Werk trägt sie keinen individuellen Namen, sondern nur eine «Bezeichnung»), die ihm sein Leben organisiert und die er bereit ist, weil er nach dem vom Verlangen des Offiziers ihm das Schönste, was er je geschaffen habe, zu geben um seine Kunstwerke fürchtet, ohne grosses Zögern dem Offizier zur Frau zu geben. Michael Laurenz überzeugt als Offizier mit einem herrlichen Heldentenor mit dem gewissen Etwas. Stanislav Vorobyov gibt den Goldhändler mit tadellos geführtem, wohlklingenden Bass. Dorottya Láng als Dame und Sebastian Kohlhepp als Kavalier überzeugen in ihrem kurzen Einsatz im ersten Akt mit sauber geführten Stimmen und vorbildlicher Textverständlichkeit. Brent Michael Smith gibt den Führer der Prévôté mit agilem, wohlfokussiertem Bass und erweist sich einmal mehr als Stütze des Ensembles. Stanislav Hnat gibt den König herrlich affektiert.
Das Wagnis «Cardillac» zu programmieren, hat sich gelohnt. Nun bleibt das Hoffen auf eine Wiederaufnahme.
Keine weiteren Aufführungen in dieser Saison.
14.03.2026, Jan Krobot/Zürich

