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ULM/ Theater: ROBERTO DEVEREUX“  – Konflikt zwischen Pflicht und Liebe

01.03.2026 | Oper international

Ulm: „ROBERTO DEVEREUX“  – 28.02. 2026

Konflikt zwischen Pflicht und Liebe

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Das Foto zeigt links Klára Kolonits als Elisabetta und rechts Joshua Spink als Roberto Devereux. Foto von Jochen Quast

Warum hat Gaetano Donizetti zwei seiner Opern aus der Tudor-Zeit Frauennamen gegeben, nämlich Anna Bolena und Maria Stuarda, und der dritten den Männernamen Roberto Devereux, obwohl Elisabeth I.im Mittelpunkt der Handlung steht?  Warum dann nicht diesen Namen?? Mit ein bisschen stöbern und nachforschen liegt die Antwort auf der Hand: Die Trilogie ist eigentlich  eine Tetralogie, denn die erste Oper, die der Komponist dieser Zeit gewidmet hat, hieß „Elisabetta al castello de Kenilworth“ und ist relativ unbekannt. Also kann man ja nicht das vierte Werk auch Elisabeth oder Elisabetta nennen. Und die Tragödie spielt sich ja zwischen der englischen Königin und ihrem jungen Geliebten Robert Devereux, Graf von Essex, ab.

Es ist das ewige Spiel zwischen Liebe, Leidenschaft, Eifersucht und letztendlich Hass, was auch an Elisabeth nicht vorbei geht, denn sie ist gespalten zwischen politischer Macht und ihrer Zuneigung zu ihrem 22Jahre alten Liebhaber, dem sie zwar kriegerische Aufgaben überträgt, dieser denen jedoch mangels Erfahrung und Leichtlebigkeit nicht nachkommt. Er ist noch nicht reif für Verantwortung, weder für die wahre Liebe noch für wichtige Entscheidungen und Aufgaben. Er ist ein flaksiger, lässiger Bursche, seiner Jugend voll bewusst. So stellt die Regisseurin Annette Wolf ihn zunächst auch dar, und Joshua Spink als Roberto setzt diese Aufgabe hervorragend um. Er spielt den oberflächlichen Liebhaber, der zwischen seiner Zuneigung zu Elisabeth und seiner Liebe zu Sara hin und her gerissen ist. Erst als er des Hochverrats angeklagt wird und ihm die Todesstrafe droht, wird ihm bewusst, in welcher Lage er sich befindet. Mit der Kerkerarie, die höchsten musikalischen Anforderungen entspricht, hat Joshua Spink diesen Wandel eindrucksvoll bewältigt. Sein Tenor ist gleichzeitig  voller dramatischer Bravour und romantischem Belcanto, und die schwierigen Spitzentöne gelangen ihm mühelos.

Die Rolle der Elisabetta wurde mit der Ungarin Klára Kolonits besetzt. Sie war einfach grandios! Mit ihrem wunderbaren klaren Sopran sang sie nicht nur diese schwierige koloraturreiche Partie, sondern modulierte mit ihrer Stimme, verlieh den vielen unterschiedlichen Gefühlen Charakter, auch in ihrer Darstellung – das war perfekt. Ebenso fabelhaft und beeindruckend war Dae-Hee Shin als Herzog von Nottingham, der mit Sara verheiratet ist, diese jedoch mit seinem Freund Roberto

ein Verhältnis hat. Das bringt ihn in große Konflikte – eine für ihn maßgeschneiderte Partie, die er hervorragend mit profundem Bass und kluger Gestaltung umsetzt.

I-Chiao Shih als Sara, Herzogin von Nottingham, eröffnet ihren Monolog mit einigen Schwierigkeiten, nicht ganz perfekt sitzenden Tönen und versucht, dies mit guter Darstellung ihrer tragischen Rolle auszugleichen. So richtig gelingt ihr das noch nicht, aber sie steigert sich im Laufe der Handlung, sodass man die kleinen Schwächen schnell vergisst.

Neben diesen vier Protagonisten gibt es noch Lord Cecil alias Joung-Woon Lee, Martin Gäbler als Sir Gualtiere Raleigh und einen Pagen, dargestellt von Dong-Jin Choi, die alle adäquat besetzt sind. Ein Augenschmaus sind auch die Kostüme von Eva-Maria Weber, die besonders die Frauen mit dem elisabethanischen Zeitalter geprägten Kleidern, Frisuren und Schmuck ausstattet. Mit einem schlichten, aber wirkungsvollen Bühnenbild hat Petra Mollérus zu dieser glanzvollen Aufführung beigetragen, wobei besonders der schräge Kronleuchter beiträgt, neben dem die Königin verharrt, und der symbolisch für das Ende ihrer Macht steht.  

Die Macht der großartigen Belcanto Musik des Komponisten hat der GMD des Hauses Felix Bender zusammen mit dem Philharmonischen Orchester der Stadt Ulm umgesetzt. Er versteht es, die Balance zwischen Graben und Sängern zu koordinieren, klangprächtige Espressivo herauszuarbeiten und so, wie Frau Wolf die Handlung inszeniert hat, hat er die Musik inszeniert.

Dieses Zusammenspiel war ala honeur!!!

 Mit diesem großartigen Ensemble, dem natürlich auch der Opernchor des Theaters Ulm angehört und der dem Niveau vollkommen gewachsen war, ist dem Ulmer Theater ein besonderes Opernerlebnis gelungen. Der Applaus war überwältigend. Auch ich war so begeistert, dass ich am liebsten nochmal in eine Aufführung gehen würde. Es lohnt sich!                                                           Inge Lore Tautz

 

 

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